EZB-Sitzungsprotokoll signalisiert höhere Inflation und Zinserwartungen im Euroraum

EZB-Sitzungsprotokoll signalisiert höhere Inflation und Zinserwartungen im Euroraum
EZB signalisiert steigende Inflation

Energiepreise und Inflationserwartungen bleiben die wichtigsten Faktoren, die den geldpolitischen Ausblick für den Euroraum im Vorfeld der Beratungen der Europäischen Zentralbank im September 2026 prägen. Das Protokoll zeigt, dass die Märkte eine weitere Zinserhöhung einpreisen, da höhere Kosten für Öl, Gas und Lebensmittel den Inflationsdruck bis 2027 hoch halten.

Das Wichtigste

  • Die Sitzung des EZB-Rats im September 2026 zeigte, dass stark steigende Energiepreise und erneute Spannungen zwischen den USA und Iran die Inflation im Euroraum und die Erwartungen an die Leitzinsen erhöhten.
  • Die Märkte hatten eine Zinserhöhung im September vollständig eingepreist; die Erwartungen für den Endzinssatz der EZB überstiegen 3%, und bis Ende 2027 werden nun Erhöhungen um 84 Basispunkte erwartet.
  • Die EZB-Mitarbeiterprojektionen revidierten die durchschnittliche Gesamtinflation im Euroraum für 2026 auf 3,0% und für 2027 auf 2,5% nach oben, wobei anhaltender Energiepreisdruck infolge geopolitischer Konflikte angeführt wurde.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Geldpolitische Signale aus der September-Sitzung

Wie von der Europäischen Zentralbank berichtet, zeigt das Protokoll ihrer EZB-Ratssitzung vom 9. bis 10. September 2026, dass die Währungshüter einen erneuten energiebedingten Inflationsschock, restriktivere Finanzierungsbedingungen und steigende Markterwartungen für künftige Zinssätze bewerteten.

Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sagte, die Finanzmärkte im Euroraum seien seit der geldpolitischen Sitzung im Juli weiterhin von den Entwicklungen der Energiepreise bestimmt worden, während sich die Aufmerksamkeit auch auf den weltweiten Anstieg der langfristigen Renditen verlagert habe. Anhaltend hohe Energiepreise, verstärkt durch Sorgen über die Lebensmittelinflation, hätten die Markterwartungen für Inflation und Leitzinsen nach oben getrieben, während erneut aufflammende Feindseligkeiten zwischen den USA und Iran die Preise für Öl und Raffinerieprodukte steigen ließen und die europäischen Gaspreise auf den höchsten Stand seit Anfang 2023 kletterten.

Die Märkte hatten bei der September-Sitzung eine Zinserhöhung bereits vollständig eingepreist, während die Erwartungen für den Endzinssatz der EZB im aktuellen Zinserhöhungszyklus erstmals über 3% gestiegen waren. Dem Protokoll zufolge hatten die Märkte bis Ende 2027 kumulierte Erhöhungen um 84 Basispunkte eingepreist, nach 64 Basispunkten bei der Juli-Sitzung, obwohl die Befragten der Survey of Monetary Analysts einen begrenzteren Straffungspfad erwarteten.

Auch die langfristigen Renditen im Euroraum stiegen parallel zum US-Markt, wobei laut EZB-Protokoll binnenwirtschaftliche Faktoren, darunter ein stärkeres makroökonomisches Umfeld und eine Neubewertung der geldpolitischen Erwartungen, die wichtigsten Treiber blieben. Die Märkte für Staatsanleihen blieben geordnet, die Spreads weitgehend stabil, während die Aktienmärkte im Euroraum dank positiver Wirtschaftsdaten, Erwartungen an Unternehmensgewinne und anhaltendem Optimismus rund um künstliche Intelligenz weiter zulegten.

Inflationsausblick hält den Druck auf die Geldpolitik im Euroraum aufrecht

Chefvolkswirt Philip Lane sagte, der mit dem Nahostkonflikt verbundene Energieschock verursache auch sechs Monate später noch anhaltenden Inflationsdruck. Die Ölpreise lagen bei $97 pro Barrel und damit 3% über dem Niveau der Juli-Sitzung, während die Gaspreise 73 Euro pro Megawattstunde erreichten, 17% mehr als zu diesem Zeitpunkt, und die Dieselraffineriemargen weiterhin deutlich über dem Vorkriegsniveau lagen.

Die Gesamtinflation im Euroraum, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex, stieg laut Eurostats Schnellschätzung von 2,9% im Juli auf 3,3% im August. Die Energieinflation erhöhte sich von 10,3% auf 14,3%, während die Lebensmittelinflation bei 1,2% unverändert blieb. Dem Protokoll zufolge waren indirekte Effekte weiterhin begrenzt, ohne wesentliche Anzeichen von Zweitrundeneffekten, da sowohl die Vergütung je Arbeitnehmer als auch das Wachstum der Tariflöhne im zweiten Quartal nachließen.

Die EZB-Mitarbeiterprojektionen vom September sahen für die Gesamtinflation einen Durchschnitt von 3,0% im Jahr 2026, 2,5% im Jahr 2027 und 2,1% im Jahr 2028 vor. Gegenüber den Juni-Projektionen wurde die Inflation für 2027 um 0,2 Prozentpunkte und für 2028 um 0,1 Prozentpunkte nach oben revidiert, während die Inflation ohne Energie und Lebensmittel für 2026 auf 2,5%, für 2027 auf 2,6% und für 2028 auf 2,3% prognostiziert wurde.

Dem Protokoll zufolge dürfte der höhere Energiepreispfad im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt und Russlands Krieg gegen die Ukraine die Gesamtinflation bis in die erste Hälfte des Jahres 2027 über dem Zielwert halten. Danach dürfte die Energieinflation sinken und bis Mitte 2028 negativ werden, was zu einer niedrigeren Gesamtinflation beitragen würde; allerdings dürften eine stärkere Wirtschaftstätigkeit und die verzögerten Auswirkungen des Energieschocks den zugrunde liegenden Preisdruck während eines Großteils des Jahres 2027 hoch halten.

In unserem früheren Artikel haben wir die Einschätzung des EZB-Notenbankers Primoz Dolenc behandelt, wonach die Kreditkosten möglicherweise noch weiter in den restriktiven Bereich steigen müssten, da Energie-, Lebensmittel- und geopolitische Risiken den Inflationsdruck hoch halten. Wir wiesen außerdem darauf hin, dass die Kerninflation zwar Anzeichen einer Stabilisierung zeigte und lohnbedingte Zweitrundeneffekte begrenzt erschienen, steigende langfristige Renditen und Risiken für die Gasversorgung im Winter jedoch zu Schlüsselfaktoren in der geldpolitischen Debatte wurden.

Dieses Material kann Meinungen Dritter enthalten, keine der Daten und Informationen auf dieser Webseite stellt eine Anlageberatung gemäß unserem Haftungsausschluss dar. Obwohl wir uns an strikte redaktionelle Integrität halten, kann dieser Beitrag Verweise auf Produkte unserer Partner enthalten.