WTI verliert an Dynamik, da steigende Lagerbestände die Erholung begrenzen
WTI wird am 28. September bei etwa 93,8–94,0 $ je Barrel gehandelt und verliert nach der Erholung aus dem Bereich von 89–90 $ erneut an Dynamik. Im 4-Stunden-Chart notiert der Preis weiterhin über dem langfristigen gleitenden Durchschnitt, der nach wie vor verhindert, dass die mittelfristige Struktur vollständig bärisch wird, obwohl sich das kurzfristige Bild verschlechtert hat.
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US-Rohöllagerbestände belasten den kurzfristigen Ausblick
Gleichzeitig ist der physische Markt weiterhin deutlich angespannter, als der aktuelle Preis vermuten lässt. Die jüngsten EIA-Daten zeigten einen Anstieg der kommerziellen US-Rohöllagerbestände um 2,97 Millionen Barrel auf 426,4 Millionen. Besonders auffällig war der Zuwachs in Cushing: Die Bestände stiegen um 2,27 Millionen auf 23,75 Millionen Barrel und verschlechterten damit unmittelbar das fundamentale Umfeld für WTI auf kurze Sicht.
Unterdessen sanken die Benzinbestände um rund 1,7 Millionen Barrel, während die Destillatbestände um 0,4 Millionen Barrel zurückgingen. Die Raffinerieauslastung lag bei etwa 94 %. Der Anstieg der Rohöllagerbestände scheint daher nicht auf einen starken Rückgang der Raffinerieaktivität zurückzuführen zu sein, sondern vielmehr auf eine bessere Versorgungslage in den USA hinzuweisen.
Risiken im Nahen Osten halten den geopolitischen Aufschlag aufrecht
Der Nahe Osten bleibt die wichtigste Unsicherheitsquelle. Die Transporte durch die Straße von Hormus liegen weiterhin deutlich unter dem Niveau vor der Krise, doch der Markt preist bereits eine teilweise Anpassung der Logistik ein: Saudi-Arabien verstärkt die Nutzung der East-West-Pipeline und der Häfen am Roten Meer, während einige Exportwege schrittweise neu ausgerichtet werden.
Dadurch ist der geopolitische Aufschlag weniger einseitig geworden. Jede Meldung über verbesserte Transportbedingungen oder diplomatische Kontakte setzt die Preise schnell unter Druck, während neue Angriffe auf die Energieinfrastruktur oder eine Verschärfung der Lage rund um Hormus ebenso schnell die Knappheitsprämie wiederherstellen könnten. Weitere Risiken bestehen im Roten Meer und rund um Bab al-Mandab, wo Sicherheitsprobleme die Schifffahrtsrouten weiterhin verlängern und die Transportkosten erhöhen.
96 $ bleiben die zentrale Hürde für Käufer
Auf der Angebotsseite übt die OPEC+ vorerst keinen zusätzlichen Druck aus: Die Mitglieder des Bündnisses beschlossen, die Produktionsmengen im Oktober gegenüber September unverändert zu lassen. Das nächste Treffen ist für Anfang Oktober angesetzt. Daher dürfte WTI in den kommenden Tagen stärker auf das Zusammenspiel aus US-Lagerbestandsdaten und Entwicklungen im Nahen Osten reagieren als auf die Politik des Kartells selbst.
Das aktuelle Gleichgewicht wirkt fragil: Steigende US-Rohöllagerbestände begrenzen die Erholung, doch niedrige Benzin- und Destillatbestände sowie anhaltende Störungen der globalen Logistik verhindern, dass die Bären die vollständige Kontrolle über den Markt übernehmen.
Vorerst werden Aufwärtsbewegungen durch den Widerstand bei etwa 96,00 $ je Barrel begrenzt. Dadurch bleibt das Risiko eines Durchbruchs unter die Unterstützung bei 93,20–92,80 $ und eines Rückgangs in Richtung 92,00–91,20 $ bestehen. Wie ich bereits in WTI bleibt unter Druck, da der geopolitische Aufschlag nachlässt gewarnt habe, ist es zu früh, eine Umkehr des übergeordneten Aufwärtstrends zu erwarten, solange im Nahen Osten kein dauerhafter Frieden herrscht.
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