Goldbarren oder Token: Eine schwierige Wahl für Anleger

Goldbarren oder Token: Eine schwierige Wahl für Anleger
Welche Art von Gold sollten Sie wählen?

Gold hat seinen stärksten Quartalsrückgang seit mehr als einem Jahrzehnt erlitten. Dennoch wächst die Nachfrage nach tokenisiertem Gold weiter. Warum kaufen einige Anleger digitales Gold, während der Preis des Metalls selbst fällt?

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Die Zahlen erzählen eine ungewöhnliche Geschichte

Das zweite Quartal war für Goldanleger schmerzhaft. Das Edelmetall fiel um 14,1 % und verzeichnete damit seine stärkste Quartalskorrektur seit 2013. Dennoch meldete Tether Gold (XAU₮), das weltweit größte tokenisierte Goldprodukt, dass die Anzahl der im Umlauf befindlichen Token im gleichen Zeitraum um 9,5 % gestiegen ist, was seine Marktkapitalisierung auf etwa 2,84 Milliarden US-Dollar trieb.

Der Trend geht weit über einen einzelnen Token hinaus. Tokenisierte Rohstoffe machen mittlerweile rund 5,5 Milliarden US-Dollar der Marktkapitalisierung aus, während tokenisiertes Gold allein im ersten Quartal 2026 ein Spot-Handelsvolumen von 90,7 Milliarden US-Dollar generierte und damit bereits den im gesamten Jahr 2025 verzeichneten Gesamtwert übertraf. 

Die Zahlen deuten darauf hin, dass viele Anleger die Korrektur eher als Kaufgelegenheit denn als Grund sahen, Gold den Rücken zu kehren. Anstatt sich vom Metall abzuwenden, schienen sie zunehmend bereit zu sein, es über Blockchain-basierte Produkte zu besitzen.

Tether glaubt, dass die Widerstandsfähigkeit mehr als nur kurzfristige Käufe widerspiegelt. 

„Die Nachfrage blieb trotz der scharfen Korrektur bei Gold widerstandsfähig, was das wachsende Vertrauen in tokenisiertes Gold als langfristigen Wertspeicher unterstreicht“, so Tether in seinem jüngsten Quartalsbericht.

Das wirft eine grundlegendere Frage auf. Wenn tokenisiertes Gold dem gleichen Preis wie physisches Gold folgt, warum sollte man sich dann überhaupt für die Blockchain-Version entscheiden?

Tokenisiertes Gold ist immer noch Gold

Eines der größten Missverständnisse ist, dass tokenisiertes Gold ein anderer Vermögenswert als physisches Gold sei. Das ist es nicht.

Produkte wie Tether Gold und Pax Gold repräsentieren das Eigentum an physischem Gold, das in professionellen Tresoren gelagert wird. Jeder Token ist durch physisches Gold gedeckt und so konzipiert, dass er den Preis des zugrunde liegenden Metalls eng widerspiegelt.

Der Unterschied liegt nicht darin, was Anleger besitzen, sondern darin, wie sie es besitzen. Anstatt Münzen oder Barren zu kaufen, erwerben Anleger digitales Eigentum, das wie jeder andere Blockchain-basierte Vermögenswert übertragen, geteilt und gehandelt werden kann.

Warum nicht einfach physisches Gold kaufen?

Physisches Gold bleibt für viele langfristige Anleger die bevorzugte Wahl. Es erfordert keine Blockchain, keine digitale Wallet und kein Vertrauen in Token-Emittenten.

Tokenisiertes Gold löst ein anderes Problem. Anstatt den Vermögenswert selbst zu verändern, ändert es, wie einfach dieser Vermögenswert gekauft, übertragen und in die digitale Finanzwelt integriert werden kann.

Für Anleger, die bereits digitale Vermögenswerte verwalten, bietet tokenisiertes Gold ein Engagement in Gold, ohne das Blockchain-Ökosystem verlassen zu müssen.

Bequemlichkeit bringt Kompromisse mit sich

Die Bequemlichkeit von tokenisiertem Gold ist mit Kompromissen verbunden. Anstatt Gold persönlich zu sichern, sind Anleger vom Emittenten, der Verwahrstelle der Reserven und der Blockchain-Infrastruktur, die den Token unterstützt, abhängig. Regelmäßige Reservebestätigungen verbessern die Transparenz, aber die Inhaber verlassen sich weiterhin auf Gegenparteien, um das zugrunde liegende Gold zu schützen und einzulösen.

Physisches Gold eliminiert einen Großteil dieses Gegenparteirisikos, bringt jedoch andere Herausforderungen mit sich, darunter Lagerkosten, Versicherung und Transport. Keiner der Ansätze ist objektiv besser. Jeder löst ein anderes Problem und setzt Anleger unterschiedlichen Risikoarten aus.

Ein breiterer Wandel hin zur Tokenisierung

Die wachsende Beliebtheit von tokenisiertem Gold spiegelt einen breiteren Trend wider, der weit über Edelmetalle hinausgeht. Regierungen experimentieren mit tokenisierten Anleihen, Banken untersuchen tokenisierte Einlagen und Vermögensverwalter bringen alles von Geldmarktfonds bis hin zu Immobilien auf Blockchain-Netzwerke.

Der Wandel zieht auch die Aufmerksamkeit der traditionellen Goldindustrie auf sich. Anfang dieses Jahres stellte der World Gold Council ein Rahmenwerk vor, das darauf abzielt, die digitale Goldinfrastruktur zu standardisieren und Gold einfacher in moderne Finanzmärkte integrierbar zu machen.

„Finanzdienstleistungen durchlaufen eine schnelle und tiefgreifende digitale Transformation, und Gold muss sich ebenfalls weiterentwickeln, um seine Rolle im globalen Finanzsystem zu behaupten“, sagte David Tait, CEO des World Gold Council. 

Die jüngste Korrektur deutet darauf hin, dass Anleger tokenisiertes Gold nicht kaufen, weil es sich anders verhält als physisches Gold. Sie kaufen es, weil die Blockchain-Technologie verändert, wie Gold besessen und bewegt werden kann.

Es ist unwahrscheinlich, dass physisches Gold und tokenisiertes Gold einander ersetzen werden. Stattdessen scheinen sie zunehmend unterschiedlichen Anlegern und Anwendungsfällen zu dienen. Da immer mehr traditionelle Vermögenswerte auf Blockchain-Netzwerke migrieren, wird die Unterscheidung möglicherweise weniger davon abhängen, was die Menschen besitzen, sondern vielmehr davon, wie sie es besitzen möchten.

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