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Krypto-Karten waren einst ein Nischenprodukt für Menschen, die nach einer Möglichkeit suchten, ihre digitalen Vermögenswerte auszugeben. Im Juli tätigten Nutzer damit fast 9 Millionen Käufe im Rekordwert von 759 Millionen US-Dollar. Warum setzen sich Krypto-Karten durch, obwohl das direkte Bezahlen mit Kryptowährungen nie wirklich erfolgreich war?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Krypto-Karten erreichen einen Rekordwert
Der Juli-Rekord lag laut von a16z crypto hervorgehobenen Daten von Paymentscan mehr als doppelt so hoch wie die rund 306 Millionen US-Dollar, die ein Jahr zuvor ausgegeben wurden. Gleichzeitig stieg die Zahl der monatlichen Käufe von etwa 5,2 Millionen auf fast 8,8 Millionen.
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Die Unternehmen, die von diesem Boom profitieren, sind nicht unbedingt die Börsen, die Krypto-Karten ursprünglich populär gemacht haben. RedotPay dominierte die erfassten Ausgaben mit rund 395 Millionen US-Dollar im Juli, gefolgt von EtherFi, KAST und Karta. Allein auf RedotPay entfiel mehr als die Hälfte des von Paymentscan erfassten Volumens.
Trotz ihres Namens bedeutet das Bezahlen mit einer Krypto-Karte normalerweise nicht, dass Kryptowährungen direkt an ein Geschäft gesendet werden. In den meisten Fällen kommt der Händler überhaupt nicht mit Krypto in Berührung.
Ein Nutzer hält Bitcoin, Ether oder zunehmend Stablecoins wie USDC und USDT bei einem Kartenanbieter. Wird die Karte verwendet, übernimmt der Anbieter die Umrechnung oder Abwicklung im Hintergrund, während der Händler über die bestehende Infrastruktur von Visa oder Mastercard herkömmliche Währung erhält.
Das erklärt, warum Krypto-Karten dort erfolgreich sind, wo direkte Zahlungen mit Kryptowährungen Schwierigkeiten hatten. Händler benötigen weder Krypto-Wallets noch Blockchain-Infrastruktur oder neue Kassensysteme. Aus ihrer Sicht ähnelt die Transaktion weitgehend jeder anderen Kartenzahlung.
Stablecoins veränderten die Ausgangslage
Frühe Krypto-Karten wurden häufig als Möglichkeit beworben, Bitcoin und andere Kryptowährungen auszugeben. Doch eine volatile Anlage für alltägliche Einkäufe zu verwenden, bringt ein offensichtliches Problem mit sich. Viele Halter möchten einen Vermögenswert, von dem sie eine Wertsteigerung erwarten, nicht verkaufen. Außerdem kann dies je nach Rechtsordnung steuerliche Folgen haben.
Stablecoins machen das Konzept deutlich praktischer. Wer digitale Dollar hält, kann sie ausgeben, ohne die Vermögenswerte zunächst an eine Börse zu senden, in Fiatgeld umzuwandeln und das Geld auf ein Bankkonto abzuheben.
Diese Verschiebung zeigt sich in den Zahlen. USDC machte im Juli rund 58 % der von Paymentscan erfassten Ausgaben mit Krypto-Karten aus, während weitere 26 % auf USDT entfielen.
Wo Krypto-Karten Nutzer finden
Die Attraktivität ist nicht überall gleich. In Ländern mit ausgereiften Bankensystemen und stabilen Währungen konkurrieren Krypto-Karten mit Debitkarten, Kreditkarten und digitalen Wallets, die bereits gut funktionieren. Ihr Reiz liegt dort möglicherweise vor allem in der Bequemlichkeit, Prämien oder der Möglichkeit, Stablecoin-Guthaben auszugeben, ohne Geld zurück auf ein Bankkonto zu transferieren.
In Märkten, in denen Krypto bereits eine größere Rolle beim Sparen und bei grenzüberschreitenden Geldtransfers spielt, sieht das Bild anders aus. In Argentinien sind Stablecoins als Alternative zum volatilen Peso populär geworden, während die Ukraine im Chainalysis-Index 2025 weltweit den achten Platz bei der Krypto-Akzeptanz belegte. Nigeria liefert einen weiteren Hinweis auf das Ausmaß: Dort wurden in einem jüngsten Zeitraum von zwölf Monaten On-Chain-Stablecoin-Transaktionen im Wert von mehr als 92 Milliarden US-Dollar verzeichnet.
Chris Maurice, CEO von Yellow Card, weist auf einen weiteren Vorteil in Märkten hin, in denen der Transfer von Dollar über das Bankensystem schwierig sein kann. „Dadurch entfällt die Notwendigkeit, dass Banken Dollar abwickeln, was für diese Banken eine große Belastung darstellt“, sagte er.
Im Zentrum des Booms bei Krypto-Karten steht eine gewisse Ironie. Kryptowährungen wurden teilweise als Alternative zu traditionellen Finanzintermediären konzipiert. Eines ihrer am schnellsten wachsenden Zahlungsprodukte ist jedoch stark auf die größten Kartennetzwerke der Welt angewiesen.
Visa zufolge wickelten mit Stablecoins verknüpfte Karten in seinem Netzwerk 2025 etwa 5,2 Milliarden US-Dollar ab – 319 % mehr als im Vorjahr. Das Unternehmen unterstützt inzwischen mehr als 130 mit Stablecoins finanzierte Kartenprogramme in über 50 Ländern. Mastercard veröffentlicht kein vergleichbares Kartenvolumen, erklärt jedoch, dass Nutzer von Krypto-Karten ihre Bestände weltweit an mehr als 150 Millionen Akzeptanzstellen ausgeben können. Zu den beteiligten Unternehmen gehören unter anderem Binance, Crypto.com, Kraken, MetaMask und Nexo.
Visa erwartet, dass die Kategorie deutlich größer wird. „In fünf Jahren wird dies meiner Meinung nach eine wirklich große Produktkategorie für uns sein“, sagte Cuy Sheffield, der Leiter des Krypto-Bereichs des Unternehmens.
Krypto-Karten sind kein Ausweg aus dem traditionellen Finanzsystem. Die meisten erfordern eine Identitätsprüfung und sind auf Kartenherausgeber, Verwahrer, Bankpartner sowie Visa oder Mastercard angewiesen. Je nach Anbieter können Nutzer außerdem auf Umrechnungsspreads, Devisengebühren oder Geldautomatengebühren stoßen.
Die steuerliche Behandlung kann eine weitere Komplikation darstellen, insbesondere wenn Karten automatisch volatile Kryptowährungen verkaufen, um Käufe zu finanzieren. Auch die Anbieter tragen eigene Geschäftsrisiken. RedotPay, derzeit die größte Plattform in den Daten von Paymentscan, ist mit Binance verbundenen Unternehmen in einen Rechtsstreit über Vorwürfe im Zusammenhang mit ihrer früheren Geschäftsbeziehung und der Verlagerung von Nutzern zu RedotPay verwickelt. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.
Krypto-Karten sind im Vergleich zu herkömmlichen Zahlungsnetzwerken weiterhin klein. Ihr rasantes Wachstum deutet jedoch darauf hin, dass die alltägliche Krypto-Akzeptanz anders aussehen könnte, als die Branche einst angenommen hat. Verbraucher benötigen nicht unbedingt Geschäfte, die Stablecoins direkt akzeptieren, wenn die bestehende Karteninfrastruktur diese Vermögenswerte nahezu überall ausgabefähig machen kann.
Vorerst ersetzen Krypto-Karten Visa und Mastercard nicht. Sie nutzen diese Netzwerke, um digitale Vermögenswerte mit dem Finanzsystem zu verbinden, das die Menschen bereits täglich verwenden.