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Die Krypto-Börse BitMart hat nach neun Jahren am Markt einen schrittweisen Rückzug angekündigt, doch der Prozess wird rasch von einer Welle an Beschwerden über verzögerte Auszahlungen überschattet. Mit wachsendem Unmut der Kunden stellen Marktteilnehmer zunehmend Fragen zur Liquidität, zu den Reserven und zur rechtlichen Struktur der Plattform.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Am 26. Juli 2026 gab das Unternehmen bekannt, dass es seine Handelsplattform schrittweise einstellen werde. Laut BitMart folgte die Entscheidung „einer sorgfältigen Bewertung der betrieblichen Bedingungen, des Marktumfelds und der zukünftigen strategischen Ausrichtung der Börse.“
Das Management versicherte den Kunden, dass sie weiterhin ihre Vermögenswerte abheben könnten. Kurz nach der Ankündigung berichteten Nutzer jedoch in sozialen Medien, dass ihre Auszahlungsanträge seit Tagen oder sogar Wochen unbearbeitet blieben.
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Die Situation entwickelte sich allmählich über gewöhnliche Kundenbeschwerden hinaus. Auch Krypto-Projekte und Market Maker meldeten Probleme, während OpenGradient-Mitgründer Matthew Wang öffentlich die Zahlungsfähigkeit der Börse infrage stellte.
BitMart -Gründer Sheldon Xia äußerte sich erst am 8. August zu den Vorwürfen und erklärte, das Unternehmen habe keine Kundengelder veruntreut.
BitMart stellte den Prozess als geordnete Abwicklung dar. Nach dem veröffentlichten Plan begann die Plattform Ende Juli damit, Neuregistrierungen, Einzahlungen und das Eröffnen neuer Handelspositionen zu deaktivieren.
Alle Spot-, Futures- und sonstigen Handelsdienste sollen am 26. August enden, während die Handelsplattform voraussichtlich am 31. Januar 2027 vollständig geschlossen wird.
Das Unternehmen nannte keine detaillierten Gründe für den Rückzug aus dem Markt. In der ersten Stellungnahme wurde die Entscheidung mit einer strategischen Überprüfung, Veränderungen der Marktbedingungen und den künftigen Geschäftsplänen begründet.
Die Ankündigung löste eine starke Marktreaktion aus. Der BMX-Token fiel um mehr als 50 %, während Nutzer begannen, aktiv Gelder von der Plattform abzuziehen.

BMX-Token-Kursentwicklung. Daten: CoinMarketCap.
Erste Daten zeigten jedoch eine ungewöhnlich langsame Auszahlungsaktivität. Lookonchain-Analysten berichteten, dass in den ersten 24 Stunden nach der Ankündigung nur einige Dutzend Wallets Vermögenswerte im Gesamtwert von 805.000 US-Dollar abgezogen hatten.
Die Aktivität stieg später deutlich an. Am 8. August verzeichnete Analyst Maartunn rund 7.200 Ethereum-Transaktionen im Zusammenhang mit Auszahlungen innerhalb von 24 Stunden, also etwa 300 pro Stunde.
Die Plattform verarbeitet also weiterhin Transaktionen, doch gleichzeitig berichten immer mehr Kunden von langanhaltenden Verzögerungen.
Einige dieser Fälle traten bereits vor der Ankündigung der Schließung auf. Ein Trustpilot-Nutzer behauptet, dass ein Antrag auf Auszahlung von 131.103 USDT seit dem 22. Juli unbearbeitet geblieben sei. Ein weiterer Kunde meldete, dass 280.000 US-Dollar auf der Plattform feststecken.
Das ungarische Unternehmen Gen6 gab an, seit dem 26. Juli rund 80.000 US-Dollar nicht abheben zu können und hat in dem Land Anzeige erstattet. Scandic Coin meldete unterdessen drei ausstehende Anträge, darunter Auszahlungen von 21.898 USDT und 926.635 SNC.
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Noch mehr Aufmerksamkeit erhielt die Situation nach einer Stellungnahme von OpenGradient -Mitgründer Matthew Wang. Ihm zufolge konnte auch der Market Maker des Projekts seine Vermögenswerte nicht von BitMart abziehen.
Wang deutete offen an, dass die Börse mit Zahlungsfähigkeitsproblemen konfrontiert sein könnte. Zudem stellte er Fragen zum Locked Savings-Programm von BitMart, das die Plattform kurz vor der Schließungsankündigung beworben hatte.
Laut Experten, die sich auf Nachrichten des Operationsteams der Plattform berufen, wurde Nutzern angeboten, Token für sechs Monate zu einem jährlichen Ertrag von etwa 15 % zu sperren. Wang merkte an, dass die Kampagne etwa eine Woche vor Beginn der Abwicklung lief, und vermutete, dass die Börse damit versucht haben könnte, zusätzliche Liquidität zu gewinnen.
Unterdessen kursierten in sozialen Medien Vorwürfe gegen das Management der Plattform. Nach fast zwei Wochen Schweigen äußerte sich BitMart-Gründer Sheldon Xia am 8. August zur Situation.
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Er erklärte, das Unternehmen „ist nicht verschwunden und wird nicht verschwinden“ und wies die Vorwürfe zurück, das Management habe Kundengelder veruntreut oder eigene Vermögenswerte vor den Nutzern abgezogen. Laut Xia führt das Team derzeit eine Bestandsaufnahme und Konsolidierung der Vermögenswerte durch und hält die Systeme weiterhin aufrecht.
Xia erklärte außerdem, dass BitMart erwägt, Gerichte und unabhängige Prüfer einzubeziehen, um einen transparenten Bericht zu erstellen. Konkrete Zahlen zu den Vermögenswerten oder Verbindlichkeiten des Unternehmens nannte er jedoch nicht.
Bereits im Mai 2026 sah sich BitMart mit Beschwerden über Auszahlungsprobleme konfrontiert. Damals führte das Unternehmen diese auf sein Risikomanagementsystem und Maßnahmen zur Missbrauchsprävention zurück.
Etwa zur gleichen Zeit kündigte die Börse an, einen Proof of Reserves (PoR)-Bericht zu erstellen, um nachzuweisen, dass sie über ausreichende Vermögenswerte zur Deckung der Kundenverpflichtungen verfügt. BitMart nannte jedoch kein Veröffentlichungsdatum, und der Bericht lag auch im August noch nicht vor.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Auszahlungsverzögerungen gewinnt das Fehlen dieser Informationen besondere Bedeutung. Xias Aussage zur Inventarisierung und Konsolidierung der Vermögenswerte deutet darauf hin, dass die Plattform ihre Bilanz überprüft, doch bleibt das Verhältnis zwischen verfügbaren Vermögenswerten und Kundenverbindlichkeiten unklar.
Selbst die Veröffentlichung eines PoR-Berichts würde keine vollständige Antwort auf die Frage nach der Zahlungsfähigkeit von BitMart liefern. Proof of Reserves kann das Vorhandensein bestimmter Vermögenswerte bestätigen, doch zur Beurteilung der finanziellen Lage eines Unternehmens sind auch Informationen über Verbindlichkeiten und etwaige außerbörsliche Transaktionen erforderlich.
Deshalb fordern einige Marktteilnehmer detailliertere Offenlegungen von der Plattform.
Scandic Coin beispielsweise hat das Unternehmen aufgefordert, überprüfbare Nachweise vorzulegen, dass ausreichend Liquidität zur Erfüllung der Kundenverpflichtungen vorhanden ist.
Ein weiteres Problem betrifft die rechtliche Struktur der Börse. BitMart hat über Jahre hinweg Nutzer in verschiedenen Ländern bedient, doch ist nicht eindeutig, welches Unternehmen letztlich für die Verpflichtungen gegenüber den Kunden verantwortlich ist.
Nach der aktuellen Nutzungsvereinbarung von BitMart schließen Kunden Verträge mit GBM Global Inc., einem auf den Marshallinseln registrierten Unternehmen. Gleichzeitig unterliegt die Vereinbarung selbst dem Recht der Cayman Islands.
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Der auf Gläubigerforderungen spezialisierte Distressed-Assets-Investor Thomas Braziel wies auf diese Konstellation hin. Er merkte an, dass eine solche Unternehmensstruktur die Rückgewinnung von Geldern erheblich erschweren könnte, falls die Kundenforderungen zunehmen.
Braziel erklärte später, sein Team habe weiterhin die mit BitMart verbundenen Rechtseinheiten untersucht und mit Inhabern von Forderungen gegen die Börse gesprochen. Dabei hätten sie mehrere ungewöhnliche Aspekte des Falls festgestellt, die weiterer Prüfung bedürften.
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Daher könnte dieser Aspekt der Schließung ebenso wichtig werden wie die technische Abwicklung der Auszahlungen. Sollte der Streit vor Gericht landen, müssen die Nutzer nicht nur die Höhe ihrer Forderungen kennen, sondern auch wissen, gegen welche Rechtseinheit sie vorgehen müssen.
Derzeit lässt sich die Situation rund um BitMart nicht auf ein einziges klares Szenario reduzieren. Die Börse bearbeitet weiterhin einige Auszahlungen und hat nicht erklärt, dass sie über zu wenig Vermögenswerte verfügt, während der Gründer Vorwürfe der Zweckentfremdung von Kundengeldern zurückweist.
Gleichzeitig berichten zahlreiche Kunden von langen Verzögerungen und mangelnder Kommunikation seitens der Plattform. Der zuvor angekündigte Reservenbericht wurde nicht veröffentlicht, während Xia nach fast zweiwöchigem Schweigen seine Reaktion bislang auf die Ankündigung einer Vermögensinventur und die mögliche Einbindung unabhängiger Prüfer beschränkt hat.
Gerade diese Kombination von Faktoren macht die Schließung von BitMart zu einem Test, wie transparent der Rückzug einer zentralisierten Krypto-Börse vom Markt tatsächlich ablaufen kann.
Ob der Prozess letztlich geordnet verläuft, hängt nicht von Aussagen des Managements ab, sondern davon, ob die Plattform alle Auszahlungsanfragen bearbeiten und den Kunden klare Informationen zu Vermögenswerten und Verbindlichkeiten liefern kann.