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Binance versuchte einst, BUSD zum wichtigsten Stablecoin seines Ökosystems zu machen. Nun setzt die Kryptobörse auf USDC. Warum entschied sich eine der weltweit größten Kryptobörsen, keinen eigenen Stablecoin mehr zu benötigen?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Binance hat eine Beteiligung von 100 Mio. $ an Circle erworben – als Teil einer erweiterten fünfjährigen Geschäftsvereinbarung rund um USDC. Die Börse wird den Stablecoin auf ihrer globalen Plattform bewerben, insbesondere in Schwellenländern, während Circle die Infrastruktur für seine Nutzung bereitstellt.
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Die Investition geht deutlich über die bloße Aufnahme eines weiteren Stablecoins bei Binance hinaus. Die Börse kaufte rund 1,24 Mio. Circle-Aktien und kann diese grundsätzlich bis zu zwei Jahre lang weder verkaufen noch absichern. Circle wird Binance außerdem monatliche Anreize zahlen, die an USDC-Bestände gekoppelt sind, die über die Wallet-Infrastruktur von Binance gehalten werden.
„Circle hat sich als einer der glaubwürdigsten Emittenten der Welt etabliert – mit USDC, Arc und der Infrastruktur, die den grenzüberschreitenden Werttransfer neu gestaltet“, sagte Binance-Co-CEO Richard Teng.
Die Beziehung zwischen Binance und USDC sah vor vier Jahren beinahe entgegengesetzt aus. Im September 2022 kündigte Binance an, dass bestehende USDC-Guthaben der Nutzer und mehrere andere Stablecoins automatisch in BUSD umgewandelt würden.
Die Börse erklärte, eine Bündelung des Handels auf weniger Stablecoins würde Liquidität und Kapitaleffizienz verbessern. Gleichzeitig verschaffte sie BUSD eine starke Position innerhalb der weltweit größten Kryptobörse. BUSD wurde 2019 in Partnerschaft mit Paxos eingeführt, wuchs schließlich auf mehr als 20 Mrd. $ Umlaufvolumen an und wurde zu einem der größten Stablecoins am Markt.
Obwohl BUSD den Namen Binance trug, war Paxos das Unternehmen, das den Token tatsächlich ausgab und die dahinterstehenden Reserven verwahrte. Binance konnte Nachfrage und Liquidität für BUSD erzeugen, kontrollierte jedoch weder die Ausgabe noch die Reserven dahinter.
Dieser Unterschied wurde im Februar 2023 entscheidend, als das New York Department of Financial Services Paxos anwies, die Ausgabe neuer BUSD einzustellen. Paxos beendete daraufhin seine Beziehung zu Binance in Bezug auf den Token, während bestehende BUSD einlösbar blieben und das Angebot zu schrumpfen begann.
Binance konnte die Ausgabe nicht einfach übernehmen. Ein an den Dollar gekoppelter Stablecoin benötigt Reserven, Bankbeziehungen und eine Infrastruktur für Rücknahmen – all dies geht mit wachsenden regulatorischen Pflichten einher. Ohne Paxos als Emittenten neuer Token hatte BUSD keine Möglichkeit, weiter zu wachsen.
Binance fuhr die Unterstützung schrittweise zurück und verwies Nutzer auf Alternativen. Eine davon war First Digital USD oder FDUSD, der von First Digital und nicht von Binance ausgegeben wird. Die Börse unterstützte dessen Wachstum unter anderem mit gebührenfreien Handelspaaren, doch FDUSD erreichte nie die Größenordnung oder Marktposition von BUSD.
Die Ausgabe von Stablecoins ist seit dem Verschwinden von BUSD noch anspruchsvoller geworden. Die USA schufen 2025 mit dem GENIUS Act einen bundesweiten Rahmen für Payment-Stablecoins, während Europa im Rahmen von MiCA Regeln für Stablecoin-Emittenten einführte. Auch andere Rechtsordnungen entwickeln Anforderungen an Reserven, Rücknahmen und Aufsicht.
Damit ist die Neuauflage von BUSD komplizierter, als einfach einen weiteren Token auf den Markt zu bringen. Ein neuer Stablecoin mit Binance-Branding würde entweder voraussetzen, dass die Börse einen deutlich größeren Teil des regulierten Emissionsgeschäfts selbst übernimmt, oder erneut auf ein externes Unternehmen für die Reserven, Rücknahmen und Bankbeziehungen hinter einem Produkt mit ihrem Namen angewiesen sein.
Circle betreibt diese Infrastruktur bereits in großem Maßstab. Binance verfügt seinerseits über etwas, das ein Stablecoin-Emittent ebenso dringend benötigt: Reichweite. Seine Börse, Wallets und sonstigen Produkte können einen digitalen Dollar einem riesigen globalen Publikum zugänglich machen, ohne dass Binance die dahinterstehenden Reserven verwalten muss.
Die neue Vereinbarung macht diese Aufgabenteilung zu einem Geschäftsmodell. Binance kann seine Plattform nutzen, um die Verbreitung von USDC auszuweiten, und erhält Anreize, die an die über seine Infrastruktur gehaltenen Bestände gekoppelt sind. Die Beteiligung an Circle verschafft Binance zudem ein finanzielles Interesse am Wachstum des Emittenten, ohne dass die Börse den mit BUSD verlorenen Stablecoin-Betrieb wiederaufbauen muss.
Das bedeutet nicht, dass Binance andere Stablecoins aufgegeben hat. Die Börse unterstützt weiterhin USDT, FDUSD und weitere Dollar-Token, und mehrere liquide Stablecoins bleiben für eine globale Handelsplattform nützlich.
Doch der Kontrast zu 2022 ist auffällig. Binance versuchte einst, Nutzer auf einen Stablecoin mit dem eigenen Namen zu konzentrieren, und wandelte USDC-Guthaben automatisch in BUSD um. Nun ist die Börse Anteilseigner des USDC-Emittenten und hat sich fünf Jahre lang dazu verpflichtet, die Verbreitung des Tokens zu fördern.
Die Erfahrungen mit BUSD könnten gezeigt haben, dass Binance den digitalen Dollar nicht selbst schaffen muss, um von seinem Wachstum zu profitieren. Die Börse kann Nutzer und Liquidität einbringen, während sie das zunehmend komplexe Geschäft der Dollaremission anderen überlässt.