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Bitget ist die jüngste große Kryptobörse, die Opfer eines Sicherheitsvorfalls im dreistelligen Millionenbereich wurde. Der Angriff reiht die Börse neben einige der berüchtigtsten Namen der Branche ein – von Mt. Gox bis FTX. Welche Hacks von Kryptobörsen verursachten die größten Verluste?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Kryptobörsen waren schon immer attraktive Ziele für Hacker. Sie verwahren digitale Vermögenswerte im Wert von Milliarden, bewegen rund um die Uhr Gelder und stützen sich auf komplexe Systeme, bei denen eine einzige Schwachstelle enorme Folgen haben kann. Im Laufe der Jahre haben Angreifer alles ausgenutzt – von unzureichend geschützten Hot Wallets über kompromittierte Mitarbeiter bis hin zu der Software, die zur Autorisierung von Transaktionen eingesetzt wird.
Die größten Sicherheitsvorfälle erzählen auch die Geschichte der Entwicklung von Krypto-Sicherheit. Mt. Gox brach zusammen, als die Branche noch relativ jung war, während es neueren Angreifern gelang, Schutzvorkehrungen zu umgehen, die eigentlich eine weitere Katastrophe dieses Ausmaßes verhindern sollten. Zugleich sind die betroffenen Summen mit dem Markt gewachsen.
Welche Hacks waren also die größten? Wir vergleichen sie anhand des geschätzten Dollarwerts der Vermögenswerte zum Zeitpunkt des Diebstahls – nicht anhand dessen, was die Coins heute wert wären. Dieser Unterschied ist bei älteren Fällen mit Bitcoin relevant, dessen Kurs seit einigen der frühesten Diebstähle dramatisch gestiegen ist.

Bitget stellte nicht autorisierte Transfers fest aus einigen seiner Hot Wallets. Die Börse aktivierte am 24. September um 18:31 UTC ihre Notfallmaßnahmen. Später erklärte sie, dass Vermögenswerte im Wert von rund 351,6 Mio. $ betroffen gewesen seien und der Vorfall auf Teile ihrer Hot- und Warm-Wallet-Infrastruktur begrenzt werden konnte. Cold Wallets blieben sicher.
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Auszahlungen wurden vorübergehend ausgesetzt, während Einzahlungen und der Handel fortgesetzt wurden. Bitget erklärte, die Guthaben der Kunden seien unangetastet geblieben und der User Protection Fund, der mehr als 464 Mio. $ enthielt, reiche aus, um den Verlust zu decken.
„Wir werden davor nicht davonlaufen“, sagte CEO Gracy Chen. „Jeder Dollar und jede Entscheidung wird transparent und vollständig dokumentiert.“
Die Untersuchung hat bereits einige Hinweise darauf geliefert, wie der Angriff erfolgte. Chen sagte, Bitgets vorläufige Untersuchung habe ein Leck eines Private Keys ausgeschlossen und stattdessen auf ein kritisches Backend-System in der Wallet-Infrastruktur hingedeutet. Laut der Börse konnte der Angreifer Transaktionsdaten fälschen und Bitgets Autorisierungsprozess auslösen. Die genaue Methode, mit der das System kompromittiert wurde, wird jedoch noch untersucht.

Lange bevor Binance, Coinbase oder Bybit zu großen Namen in der Kryptobranche wurden, dominierte Mt. Gox den Bitcoin-Handel. Auf dem Höhepunkt wickelte die in Tokio ansässige Börse den Großteil der weltweiten Bitcoin-Transaktionen ab.
Diese Dominanz fand im Februar 2014 ein abruptes Ende. Mt. Gox setzte Auszahlungen aus und meldete anschließend Insolvenz an, nachdem die Börse erklärt hatte, rund 850.000 Bitcoin von Kunden und dem Unternehmen verloren zu haben. Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags wurden die fehlenden Coins mit etwa 473 Mio. $ bewertet.
Die Geschichte wurde bald komplizierter. Mt. Gox erklärte später, 200.000 Bitcoin in einer alten Wallet entdeckt zu haben. Dadurch sank die Zahl der weiterhin vermissten Bitcoin auf etwa 650.000 BTC. Die Gläubiger warteten anschließend jahrelang auf die Insolvenzverfahren, um zu klären, welcher Anteil zurückgewonnen werden konnte.

FTX beantragte am 11. November 2022 in den USA Insolvenz nach Chapter 11, nachdem eine Liquiditätskrise ein Loch von mehreren Milliarden Dollar in den Finanzen offengelegt hatte. Stunden später begannen verdächtige Transfers, Kryptowährungen aus von FTX kontrollierten Wallets abzuziehen, und verschärften damit die Krise einer ohnehin kollabierenden Börse.
Das Blockchain-Analyseunternehmen Elliptic schätzte den Diebstahl auf rund 477 Mio. $. Das neue FTX-Management bestätigte, dass es zu unbefugten Zugriffen auf bestimmte Vermögenswerte gekommen war, und überführte die verbleibenden digitalen Vermögenswerte in Cold Storage.
Später wurden weitere Einzelheiten zu dem Angriff bekannt. US-Behörden bestätigten 2024, dass FTX Opfer eines SIM-Swap-Angriffs geworden war. Drei Personen wurden wegen eines mit dem Vorfall verbundenen SIM-Swapping-Schemas angeklagt, wobei ihre genaue Rolle beim Diebstahl und der anschließenden Geldwäsche der Vermögenswerte unklar blieb.
Der Angreifer tauschte viele der gestohlenen Token schnell gegen Ether, während Emittenten Vermögenswerte im Wert von etwa 100 Mio. $, darunter USDT und Paxos Gold, einfrieren konnten. Ein Teil der verbleibenden Kryptowährungen wurde anschließend über dezentrale Börsen, Cross-Chain-Bridges und Mixer bewegt, um ihre Spur zu verschleiern.

Hacker stahlen im Januar 2018 523 Millionen NEM-Token von der japanischen Börse Coincheck. Sie waren rund 58 Mrd. Yen beziehungsweise zu diesem Zeitpunkt etwa 534 Mio. $ wert. Anders als bei den später folgenden, ausgefeilteren Angriffen legte der Coincheck-Vorfall eine vergleichsweise grundlegende Schwachstelle offen: Eine große Menge Kryptowährung war in einer mit dem Internet verbundenen Hot Wallet verwahrt worden.
Coincheck fror nach der Entdeckung des Diebstahls Auszahlungen und den Großteil des Handels ein. Japanische Aufsichtsbehörden wiesen das Unternehmen an, seine Sicherheit zu verbessern, und prüften andere inländische Börsen genauer, während angesichts des Krypto-Booms die Fragen zunahmen, wie Plattformen die Vermögenswerte ihrer Kunden schützten.
Die Börse versprach, betroffene Kunden aus eigenen Mitteln zu entschädigen. Coincheck überstand den Vorfall letztlich und wurde noch im selben Jahr vom japanischen Finanzdienstleistungsunternehmen Monex Group übernommen.

Sieben Jahre lang galt Coincheck als größter Hack einer Kryptobörse aller Zeiten. Dann verlor Bybit im Februar 2025 fast das Dreifache bei einem scheinbar routinemäßigen Transfer von einer Ethereum-Cold-Wallet in eine Warm Wallet.
Für die Transaktion waren über Safe{Wallet} mehrere Signaturen erforderlich – ein System, das nicht autorisierte Transfers erschweren soll. Die Angreifer mussten Bybits Private Keys jedoch nicht direkt kompromittieren. Ermittler stellten fest, dass der Computer eines Safe-Entwicklers kompromittiert worden war, wodurch Schadcode verändern konnte, was Bybits Unterzeichner sahen. Offenbar genehmigten sie eine legitime Transaktion, autorisierten tatsächlich jedoch Änderungen, die den Angreifern die Kontrolle über die Wallet ermöglichten.
Ether und damit verbundene Token im Wert von rund 1,46 Mrd. $ wurden abgezogen. Das FBI machte anschließend Nordkorea für den Angriff verantwortlich und brachte ihn mit den TraderTraitor-Aktivitäten des Landes in Verbindung.
Bybit-CEO Ben Zhou erklärte kurz nach dem Angriff, die Börse sei weiterhin solvent und die Vermögenswerte der Kunden vollständig gedeckt. Bybit wickelte Auszahlungen weiterhin ab und füllte seine Ether-Reserven durch Käufe, Darlehen und Transfers von anderen Kryptounternehmen wieder auf.
Die fünf Hacks erstrecken sich über mehr als ein Jahrzehnt, und die ihnen zugrunde liegenden Schwachstellen unterscheiden sich stark. Coincheck zeigte die Gefahr, enorme Mengen Krypto in Hot Wallets zu verwahren, während das Chaos rund um FTX mit einem SIM-Swap-Angriff zusammenfiel, bei dem Vermögenswerte im Wert von Hunderten Millionen Dollar gestohlen wurden.
Bybit zeigte, wie viel ausgefeilter die Bedrohung geworden war. Cold Storage und mehrere Signaturen waren nicht mehr unbedingt ausreichend, wenn Angreifer die Software und die an der Genehmigung einer Transaktion beteiligten Personen kompromittieren konnten. Bitgets vorläufige Untersuchung deutet auf eine weitere Variante dieses Problems hin: Die Börse erklärte, ihre Private Keys seien sicher geblieben, während Angreifer stattdessen ein Backend-System manipulierten, das an der Autorisierung von Transfers beteiligt war.
Die Sicherung der Wallet selbst ist nur ein Teil der Herausforderung. Jedes System, jede Schnittstelle und jede Person, die an der Bewegung von Vermögenswerten beteiligt ist, kann zu einem weiteren Ziel werden.