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Hester Peirce verlässt die US-Börsenaufsicht (SEC) nach acht Jahren bei der Behörde. In dieser Zeit wurde sie zu einer der prominentesten Fürsprecherinnen der Krypto-Branche unter US-Politikern. Den Spitznamen „Crypto Mom“ erhielt sie lange bevor Bitcoin-ETFs und Tokenisierung im Mainstream des Finanzsektors ankamen.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Hester Peirce wird die SEC am 2. Oktober offiziell verlassen. Am 25. September veröffentlichte sie ihr Rücktrittsschreiben und dankte dem Präsidenten für die Möglichkeit, bei der Behörde zu dienen. Ihre reguläre Amtszeit endete bereits im Juni 2025, doch nach den SEC-Regeln können Kommissare noch etwa 18 Monate im Amt bleiben, wenn kein Nachfolger ernannt wird.
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Peirce trat der SEC im Januar 2018 bei, nachdem sie von Donald Trump nominiert und vom Senat bestätigt worden war. 2020 wurde sie für eine zweite Amtszeit bestätigt. Ihre erste Nominierung für einen republikanischen Sitz in der Kommission stammte allerdings 2015 von Barack Obama, doch der Senat befasste sich damals nicht damit.
Seit Februar 2025 leitete Peirce die Crypto Task Force, eine spezielle SEC-Gruppe zur Entwicklung von Regeln für den Markt für digitale Vermögenswerte. Das Team befasste sich mit dem Status verschiedener Token-Arten, Staking, Mining und anderen Krypto-Produkten sowie mit der Aufgabenverteilung zwischen den Finanzaufsichtsbehörden.
Nach ihrem Ausscheiden aus der SEC wird Peirce an die Regent University School of Law in Virginia wechseln. Im November wird sie dort außerordentliche Professorin und sich unter anderem auf Wertpapierregulierung und digitale Vermögenswerte konzentrieren. Nach ihrem Weggang verbleiben bei der SEC nur noch Chairman Paul Atkins und Commissioner Mark Uyeda.
Der Spitzname „Crypto Mom“ wurde im Sommer 2018 mit Peirce in Verbindung gebracht. Damals lehnte die SEC die geplante Notierung des Winklevoss Bitcoin Trust ab, eines börsengehandelten Produkts, das Anlegern über einen regulierten Markt Zugang zu Bitcoin ermöglichen sollte. Peirce widersprach der Entscheidung der Kommission öffentlich und argumentierte, die Behörde verwehre Anlegern faktisch die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob sie ein solches Produkt wollten.
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Für eine US-Beamtin war diese Position damals ungewöhnlich. Bitcoin wurde zu rund 8.000 $ gehandelt, in den USA gab es keine Spot-Bitcoin-ETFs, und die SEC lehnte Anträge für solche Produkte wiederholt ab. Peirce argumentierte, Verbote beseitigten die Nachfrage nicht, sondern drängten Anleger dazu, außerhalb regulierter Märkte ein Krypto-Exposure aufzubauen. Im September 2018 sagte sie, der Streit um den Bitcoin-ETF habe dazu geführt, dass man sie informell „Crypto Mom“ nannte.
Peirce blieb dieser Linie treu. 2019 warf sie der SEC vor, die Branche auszubremsen, und 2020 sprach sie sich erneut gegen die Ablehnung eines börsengehandelten Bitcoin-Produkts aus. Damals warnte sie, die ständig wechselnden Anforderungen der SEC könnten Entwickler und Kapital aus den USA vertreiben.
2020 schlug Peirce eine dreijährige Schonfrist für Krypto-Projekte vor. In dieser Zeit sollten Start-ups ein Netzwerk starten, Nutzer gewinnen und nachweisen können, dass ein Token tatsächlich in einem funktionierenden Ökosystem genutzt wurde, anstatt lediglich der Kapitalbeschaffung zu dienen.
Jahrelang blieben Peirces Vorschläge eher eine Alternative zum offiziellen Ansatz der SEC. Das änderte sich, nachdem Trump ins Weiße Haus zurückgekehrt war und sich die Führung der Kommission verändert hatte. Die Behörde begann, sich von einem Ansatz abzuwenden, bei dem umstrittene Krypto-Fragen häufig durch Untersuchungen und Gerichtsverfahren geklärt wurden, und stattdessen gezielte Regeln für digitale Vermögenswerte zu entwickeln.
In den letzten Monaten von Peirces Amtszeit war dieser Wandel bereits an konkreten Entscheidungen erkennbar. Die SEC veröffentlichte Leitlinien zu Mining, Staking, Memecoins und der Einstufung von Krypto-Assets und begann zugleich mit der Vorbereitung spezieller Regelwerke für tokenisierte Wertpapiere.
Im Juli äußerte sich Peirce gesondert zu Krypto-Vaults und On-Chain-Krediten. Sie warnte, dass die Verlagerung eines Finanzdienstes auf eine Blockchain ein Unternehmen nicht automatisch von den Wertpapiergesetzen ausnimmt. Je nach Struktur können solche Produkte unter die Regeln für Investmentgesellschaften, Anlageberater oder Wertpapiere fallen.
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Gleichzeitig sprach sich Peirce dagegen aus, jedes neue Produkt automatisch in alte regulatorische Kategorien zu zwängen. Ihrer Ansicht nach sollten die Aufsichtsbehörden prüfen, wer die Gelder kontrolliert, wie viel Ermessensspielraum diese Person oder Stelle hat und welche Leistung der Kunde tatsächlich erhält. Das Ausmaß des Problems wird bereits in zweistelligen Milliardenbeträgen gemessen: Laut S&P Global Ratings stieg das in Krypto-Vaults verwaltete Vermögen innerhalb von drei Jahren von rund 24 Mrd. $ auf 131 Mrd. $.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Tokenisierung traditioneller Wertpapiere. Die SEC begann mit der Schaffung eines befristeten Regelwerks, das die Erprobung solcher Produkte in begrenztem Umfang ermöglichen soll, bevor dauerhafte Regeln eingeführt werden. Das entsprach genau dem Prinzip, für das sich Peirce seit den frühen Jahren ihrer Arbeit mit dem Krypto-Markt eingesetzt hatte.
Hester Peirce verlässt die SEC zu einem Zeitpunkt, an dem viele Ideen, über die sie einst mit der Behörde stritt, nicht mehr radikal wirken. Spot-Bitcoin-ETFs werden in den USA gehandelt, die SEC erarbeitet spezielle Regeln für Krypto-Assets, und die Tokenisierung steht inzwischen auf der Agenda der Behörde.
Die Geschichte von „Crypto Mom“ handelt daher von mehr als der Karriere einer einzelnen Beamtin. Sie zeigt, wie schnell sich der Ansatz der US-Regierung gegenüber digitalen Vermögenswerten verändert hat: von wiederholten Ablehnungen und Rechtsstreitigkeiten hin zu dem Versuch, den Krypto-Markt durch separate und klarere Regeln in das traditionelle Finanzsystem zu integrieren.