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Noch vor wenigen Jahren galt die Einführung einer eigenen Layer-2-Blockchain für jedes größere Kryptoprojekt als nahezu unverzichtbarer Schritt. Doch 2026 haben mehrere prominente L2-Netzwerke ihren Betrieb eingestellt oder ihre Blockchains aufgegeben. Warum sind Projekte nicht mehr bereit, für ihre Netzwerke zu zahlen, und was verrät das über die Zukunft des Marktes?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Anfang Oktober wurde Blast zu einem der prominentesten Beispiele dieser Krise. Vor dem Mainnet-Launch zahlten Nutzer Hunderte Millionen Dollar in das Projekt ein, angezogen von Renditen und der Erwartung eines Airdrops. Zweieinhalb Jahre später waren nur noch etwa 32 Mio. $ übrig, und das Projekt wurde offiziell für „tot“ erklärt.
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Vier Tage später kündigte Abstract, ein verbraucherorientiertes L2, das von der Muttergesellschaft von Pudgy Penguins entwickelt wurde, seine Schließung an. Loopring, ZERϴ Network und Botanix hatten ihren Betrieb bereits eingestellt. Der L2-Markt selbst ist jedoch nicht verschwunden.
Laut L2BEAT sind über Layer-2-Netzwerke Werte von rund 41,7 Mrd. $ gesichert, doch allein Base und Arbitrum entfallen auf etwa 63 % dieses Betrags.
Blast startete Ende 2023 mit einem nativen Renditemodell: ETH und Stablecoins, die innerhalb des Netzwerks gehalten wurden, erzielten automatisch Erträge für ihre Besitzer. Das Projekt sicherte sich zudem 20 Mio. $ von Paradigm und Standard Crypto und wurde rasch zu einem der meistdiskutierten L2-Netzwerke des neuen Marktzyklus.
Ein großer Teil der Nachfrage wurde durch Punkte und die Aussicht auf einen Airdrop angetrieben. Nach der Verteilung des BLAST-Tokens begann die Aktivität zu sinken, und am 2. Oktober 2026 kündigte das Team die Schließung des Netzwerks an. Die Entwickler nannten ausdrücklich die Ökonomie des Projekts: Die Betriebskosten überstiegen die Einnahmen, und sie sahen keinen realistischen Weg zu einem nachhaltigen Geschäftsmodell.
Abstract stand vor einem ähnlichen Problem, obwohl das Netzwerk kaum als leer bezeichnet werden konnte. Während seines Betriebs gewann es mehr als 400.000 Nutzer und verarbeitete über 325 Mio. Transaktionen. Dennoch finanzierte Igloo das L2 rund eineinhalb Jahre lang und verlor laut CEO Luca Netz damit „Zehne Millionen Dollar“.
Das Wachstum stagnierte, die Liquidität blieb begrenzt und die institutionelle Nachfrage blieb aus. Das Unternehmen hätte die Lebensdauer des Netzwerks durch die Ausgabe eines Tokens und die Aufnahme zusätzlichen Kapitals verlängern können, lehnte diese Option jedoch ab. Abstract wird seinen Betrieb am 15. Dezember einstellen.
Auch technologische Führungspositionen boten keinen Schutz. Loopring, einer der Pioniere von ZK-Rollups, stellte seinen DEX- und L2-Betrieb am 28. Juni ein, nachdem das Team einen Mangel an nennenswerter Nachfrage eingeräumt hatte.
Diese Welle von Schließungen bedeutet jedoch nicht, dass die Skalierung von Ethereum unnötig geworden ist.
Base sichert derzeit Werte von rund 15,5 Mrd. $, während Arbitrum weitere 11 Mrd. $ ausmacht. Stattdessen scheinen sich Kapital und Nutzer auf Netzwerke zu konzentrieren, die bereits Liquidität, Anwendungen und Zugang zu einem breiten Publikum bieten.
Einige Teams beschlossen 2026, nicht abzuwarten, bis die Aufrechterhaltung ihrer Netzwerke zu teuer wurde. Sophon berechnete die Kosten für den Betrieb seines L2 und kam zu einem anderen Schluss: das Netzwerk schließen und seine Produkte zu Base migrieren.
Die Entwickler gaben jährlich etwa 3,4 Mio. $ für Infrastruktur, Rollup-Dienste, Daten und zugehörige Tools aus. Nach der Migration erwartet das Team Einsparungen von rund 3 Mio. $ pro Jahr und will diese Mittel in die Anwendungsentwicklung umleiten.
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Sophons Entscheidung ist besonders aufschlussreich, weil das Projekt nicht die Fähigkeit verloren hatte, sein Netzwerk aufrechtzuerhalten. Es kam lediglich zu dem Schluss, dass der Besitz einer Blockchain Vorteile bot, die die Kosten nicht rechtfertigten. Statt einer separaten Infrastruktur wählte das Team ein etabliertes L2 mit bestehenden Nutzern und Liquidität.
Zerion kam zu einem ähnlichen Schluss. Im Mai stellte das Unternehmen ZERϴ Network ein und lenkte Ressourcen auf seine Kernprodukte um: seine Wallet und API.
Botanix verfolgte einen anderen Ansatz. Das Projekt arbeitete fast vier Jahre an der Entwicklung eines EVM-kompatiblen Bitcoin-L2 und verzichtete bewusst auf Token-Anreize, um die tatsächliche Nachfrage statt durch Belohnungen ausgelöster Aktivität zu messen.
Während seines Betriebs verarbeitete das Netzwerk mehr als 26 Mio. Transaktionen und zog über 176.000 Adressen an. Diese Zahlen ließen sich jedoch nicht in nachhaltige Nachfrage umsetzen, und die Entwickler kündigten im Juni die Schließung des Projekts an.
Auch Infrastrukturanbieter erkannten das Problem. Im Mai stellte Syndicate Labs, ein Entwickler von Rollup- und Sequencer-Lösungen, seinen Betrieb ein. Das Team erklärte, der Markt sei stark geschrumpft: Für jedes neu gestartete Netzwerk stellten mehrere Projekte stillschweigend ihren Betrieb ein.
Auch das Verständnis davon, was L2-Netzwerke bieten sollten, verändert sich. 2026 sagte Vitalik Buterin, dass das ursprüngliche Modell, nach dem Layer-2-Lösungen primär zur Skalierung der zugrunde liegenden Blockchain gedacht waren, die aktuellen Bedingungen nicht mehr widerspiegele.
Die Basisschicht von Ethereum steigert den Durchsatz schneller als erwartet, sodass es nicht mehr ausreicht, „dasselbe Ökosystem, nur günstiger“ anzubieten.
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Die Ethereum Foundation skizzierte später einen ähnlichen Ansatz: L2-Netzwerke sollten eine eigene Spezialisierung bieten, etwa Datenschutz, höhere Leistung oder einzigartige Anwendungsfälle. Andernfalls muss ein neues Netzwerk ohne klaren Vorteil um dieselben Nutzer wie Base, Arbitrum und die Basisschicht konkurrieren.
Bitcoin steht vor einer anderen Variante des Problems. Es hat nicht so viele konkurrierende Layer-2-Netzwerke wie Ethereum, doch seine bekannteste Skalierungstechnologie existiert seit Jahren, ohne sich als offensichtlicher Standard für Zahlungen durchzusetzen.
Große Börsen und Wallets unterstützen weiterhin Lightning. 2026 begann Square zudem, berechtigten US-Händlern automatisch die Annahme von Bitcoin über das Netzwerk zu ermöglichen. Händler können Zahlungen direkt in Dollar erhalten, wobei die Gebühren bis Ende des Jahres bei 0 % liegen.
Lightning Labs vereinfacht auch weiterhin die Infrastruktur. Im Sommer stellte das Unternehmen Wavelength vor, ein Toolkit, das einen Großteil der technischen Komplexität hinter einer API verbirgt.
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Die technologische Entwicklung übertrifft jedoch weiterhin die tatsächliche Akzeptanz.
Laut CoinGate verarbeitete der Dienst in der ersten Hälfte des Jahres 2026 782.403 Kryptowährungszahlungen. Bitcoin machte 21 % der Transaktionen aus, doch nur 9,6 % der Bitcoin-Zahlungen liefen über Lightning.
Bitcoin verlor in der Statistik des Dienstes zudem die Spitzenposition an USDC, das 22,1 % aller Transaktionen ausmachte. Das verschafft USDC einen wichtigen Vorteil im Zahlungsverkehr.
Lightning macht Bitcoin-Transfers günstiger und schneller, beseitigt jedoch nicht die Preisvolatilität des Assets. Ein Stablecoin hingegen verbindet kostengünstige Abwicklung mit einer vorhersehbaren Rechnungseinheit.
Auch technische Hürden bleiben bestehen. Lightning erfordert Liquidität in Zahlungskanälen, eine angemessene Liquiditätsverteilung und Transaktionsrouting. Je besser ein Dienst diese Komplexität vor Nutzern verbirgt, desto mehr Verantwortung liegt bei der Wallet, Börse oder dem Zahlungsanbieter.
Die Geschichte des Projekts veranschaulicht eine weitere Seite desselben Problems: Selbst ein technisch ausgereiftes Netzwerk erreicht nicht allein deshalb eine breite Akzeptanz, weil es Transaktionen günstiger und schneller macht.
Letztlich benötigen Nutzer kein L2-Netzwerk an sich. Sie benötigen ein konkretes Produkt: eine Zahlung, einen Tausch, ein Spiel, einen Kredit oder eine Geldüberweisung. Deshalb wirken die Entwicklungen von 2026 weniger wie das Ende von Layer-2-Netzwerken als vielmehr wie das Ende ihrer Einführung allein um ihrer selbst willen.
Eine eigene Layer-2-Blockchain muss nun nicht nur erklären, wie sie funktioniert, sondern auch, warum sie überhaupt existieren muss.