Jimmy Song: Trump hat die Erwartungen der Bitcoiner nicht erfüllt

Jimmy Song: Trump hat die Erwartungen der Bitcoiner nicht erfüllt
Interview mit Jimmy Song

​Bitcoin stärkt seine Position im globalen Finanzsystem stetig, doch selbst innerhalb der Krypto-Community bestehen weiterhin Fragen zu seiner Zukunft. In einem Interview mit Traders Union erklärt der bekannte Bitcoin-Maximalist und Autor Jimmy Song, warum er Bitcoin für die einzige wirklich dezentralisierte Kryptowährung hält, bewertet die US-Kryptowährungspolitik und erläutert, was den Bitcoin-Preis auf 1 Mio. USD treiben könnte.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Warum Bitcoin sich von anderen Kryptowährungen unterscheidet

In den vergangenen Jahren hat sich Bitcoin von einer kaum bekannten Technologie zu einem Asset entwickelt, das von großen Investmentfonds und börsennotierten Unternehmen gekauft wird. Seine Akzeptanz reicht jedoch über die Finanzmärkte hinaus. In einigen Ländern wird Bitcoin zunehmend für alltägliche Zahlungen und zur Sicherung von Ersparnissen verwendet.

Als regelmäßiger Redner auf Bitcoin-Konferenzen weltweit hat Jimmy Song beobachtet, wie sich die Einstellungen gegenüber der Kryptowährung in verschiedenen Märkten verändert haben.

„Das größte Wachstum findet in Entwicklungsländern statt, in denen es nicht so viele Fiat-Optionen gibt. Langfristig (5-10 Jahre) ist offensichtlich, dass die Akzeptanz und das Wachstum zugenommen haben.“

Eine Entwicklung, die Bitcoin für alltägliche Transaktionen praktischer gemacht hat, ist das Lightning Network – eine Technologie, die schnelle und kostengünstige Bitcoin-Zahlungen ermöglicht, ohne dass jede Transaktion direkt auf der Haupt-Blockchain erfasst werden muss.

„Lightning war beispielsweise vor 5 Jahren noch kein wirklich großer Bestandteil des Ökosystems, und heute ist es die wichtigste Möglichkeit, wie die meisten Menschen kleine Beträge transferieren.“

Die zunehmende Akzeptanz von Bitcoin findet vor dem Hintergrund der Entwicklung Tausender anderer Kryptowährungen statt. Song, der für seine maximalistischen Ansichten bekannt ist, lehnt es jedoch entschieden ab, alle digitalen Assets als eine einzige Kategorie zu behandeln.

„Für mich war die Unterscheidung immer klar, für die meisten Menschen jedoch nicht – vor allem, weil die Medien sie als dieselbe Assetklasse behandeln.“

Laut Song sollten Kryptowährungen in erster Linie danach beurteilt werden, wie stark ihr Betrieb von einzelnen Unternehmen, Entwicklern oder Investoren abhängt.

„Es gibt keine Grauzone zwischen zentralisiert und dezentralisiert, ganz gleich, was die VCs und Altcoin-Promoter Ihnen erzählen. Etwas hat entweder ein Zentrum oder nicht. Unter den Kryptowährungen ist Bitcoin die einzige, die nachweislich dezentralisiert ist.“

Warum Bitcoin keine grundlegenden Änderungen benötigt

Im Laufe der Geschichte von Bitcoin haben Entwickler und Community-Mitglieder wiederholt Änderungen an den Regeln des Netzwerks vorgeschlagen. Einer der prominentesten Streitpunkte betraf die Blockgröße und führte 2017 zur Entstehung von Bitcoin Cash.

Spätere Debatten befassten sich mit weiteren Fragen, darunter Vorschläge zur Einschränkung bestimmter Arten von Daten, die auf der Blockchain gespeichert werden. Die grundlegenden Funktionsprinzipien von Bitcoin sind jedoch weitgehend unverändert geblieben.

„Es ist ziemlich widerstandsfähig, denn so funktioniert Konsens nun einmal. Ich glaube nicht, dass Bitcoin viele Änderungen benötigt, und die notwendigen Änderungen würde ich als Verbesserungen bei Performance und Sicherheit einstufen, etwa Bugfixes.“

Diese Haltung spiegelt einen konservativen Ansatz bei der Entwicklung von Bitcoin wider. Anders als bei vielen anderen Blockchains, auf denen regelmäßig neue Funktionen eingeführt werden, erfordern Änderungen am Bitcoin-Netzwerk eine breite Zustimmung der Teilnehmer. Dadurch wird die Einführung bestimmter Funktionen verlangsamt, zugleich sinkt aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass kontroverse Entscheidungen umgesetzt werden.

War El Salvadors Bitcoin-Experiment erfolgreich?

2021 war El Salvador das erste Land der Welt, das Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannte. Die Regierung hoffte, Investitionen anzuziehen, den Tourismus zu entwickeln und den Zugang zu Finanzdienstleistungen auszuweiten.

Die Ergebnisse des Experiments sind jedoch gemischt. Im Rahmen einer Vereinbarung mit dem Internationalen Währungsfonds beendete El Salvador die Verpflichtung für Unternehmen, Bitcoin zu akzeptieren, während seine Nutzung bei alltäglichen Transaktionen begrenzt geblieben ist.

Trotz dieser Einschränkungen fällt Songs Einschätzung positiver aus, wobei er auf die Chancen verweist, die Bitcoin für die lokale Bevölkerung geschaffen hat.

„Es läuft weiterhin gut, und man kann im Land nach wie vor für viele Dinge mit Bitcoin bezahlen sowie BTC an zahlreichen Geldautomaten in USD umtauschen.“

Neben der Zahlungsinfrastruktur spielen lokale Initiativen eine wichtige Rolle bei der Akzeptanz von Bitcoin. Es entstehen Gemeinschaften, in denen die Bewohner Bitcoin für alltägliche Transaktionen verwenden und so schrittweise lokale Wirtschaftskreisläufe schaffen, die weniger von traditionellen Banken abhängig sind.

„Außerdem gibt es erhebliche Bildungsinitiativen und eine wachsende Zahl von Gemeinschaften mit Kreislaufwirtschaft. Daher würde ich sagen, dass es ziemlich erfolgreich war.“

Warum Trump die Bitcoin-Community enttäuscht hat

Die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus war mit hohen Erwartungen seitens der Kryptowährungsbranche verbunden. Der Präsident begnadigte den Gründer der Silk Road, Ross Ulbricht, und unterzeichnete eine Executive Order zur Einrichtung einer strategischen Bitcoin-Reserve in den Vereinigten Staaten.

Die Einrichtung der Reserve hat jedoch nicht zu umfangreichen neuen Bitcoin-Käufen durch die Regierung geführt. Dies hat Fragen dazu aufgeworfen, inwieweit die Maßnahmen der Administration mit den im Wahlkampf gemachten Versprechen übereinstimmen.

Song argumentiert, dass die übergeordnete Kryptowährungsagenda der Administration eher Altcoins als Bitcoin begünstigt.

„Aber man darf nicht vergessen, dass seine größten Geldgeber Altcoin-Anhänger und keine Bitcoiner waren und ein erheblicher Teil seiner Agenda darauf abzielte, Altcoins und nicht Bitcoin zu fördern.“

Die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Branche zeigen sich besonders deutlich bei der Regulierung. Während einige Marktteilnehmer günstigere Bedingungen für die Ausgabe und den Handel mit digitalen Vermögenswerten anstreben, lehnen Bitcoin-Unterstützer Initiativen zugunsten einzelner Kryptowährungsprojekte häufig ab.

„Eigentlich bin ich froh, dass diese Altcoin-Gesetze nicht verabschiedet wurden. Für Altcoin-Anhänger ist das vermutlich ärgerlich, aber als Bitcoiner interessieren sie mich nicht besonders.“

Warum Bitcoin-Treasury-Unternehmen Bitcoin nicht ersetzen können

Einer der prominentesten Befürworter einer Bitcoin-Akkumulation durch Unternehmen ist Michael Saylor. Sein Unternehmen Strategy beschafft seit Jahren Kapital für den Kauf von BTC und hat seine Aktien damit zu einem beliebten Anlageinstrument für Investoren gemacht, die am Kryptowährungsmarkt partizipieren möchten.

Saylor hat Anleger wiederholt dazu ermutigt, Bitcoin langfristig zu halten, doch Strategy verkaufte 2026 einen Teil seiner Bestände. Die Verkäufe machten den Unterschied zwischen der Anlagephilosophie einer Einzelperson und den finanziellen Verpflichtungen eines börsennotierten Unternehmens deutlich. Song macht Saylor dafür jedoch nicht allein verantwortlich.

„Er ist ein Mensch, und Treasury-Unternehmen sind eigenständige Einheiten. Ich glaube nicht, dass es eine Garantie dafür gab, dass sie alles tun würden, was sie angekündigt hatten, da sie wie alle anderen den Marktkräften ausgesetzt sind.“

Im Gegensatz zum direkten Kauf von BTC birgt die Investition in Aktien solcher Unternehmen zusätzliche Risiken. Ihr Wert hängt nicht nur vom Bitcoin-Preis ab, sondern auch von der Verschuldung, den Bedingungen für die Kapitalbeschaffung und den Entscheidungen des Managements.

Song glaubt außerdem, dass Bitcoin-Anleger vorsichtiger geworden sind, wenn es darum geht, Aktien von Treasury-Unternehmen als Ersatz für das direkte Halten von BTC zu betrachten.

„Ich denke, die Community betrachtet Treasury-Unternehmen inzwischen etwas anders und erkennt, dass sie kein Ersatz für Bitcoin sind, als der sie sich ausgeben.“

Wann erreicht Bitcoin 1 Mio. $?

Prognosen, dass Bitcoin letztlich 1 Mio. $ erreichen wird, gibt es seit Jahren. Trotz erheblicher Preisschwankungen ist Song weiterhin überzeugt, dass dieses Niveau erreichbar ist. Er meint jedoch, dass dieses Szenario in einem breiteren Kontext betrachtet werden sollte als nur dem Wachstum des Kryptowährungsmarktes.

„Dorthin gelangt man auf zwei Wegen: durch die Entwertung des Dollars oder durch einen Anstieg des Bitcoin-Preises – wahrscheinlich durch eine Kombination aus beidem.“

Songs Prognose hängt daher nicht nur von der Entwicklung von Bitcoin ab, sondern auch von der künftigen Kaufkraft des US-Dollars.

„Derzeit entspricht das nur etwa dem 12-Fachen des aktuellen Preises, was meiner Meinung nach durchaus machbar ist. Es hängt jedoch stark davon ab, wie schlecht alle anderen Formen des Sparens werden.“

Song bringt die langfristigen Preisaussichten von Bitcoin außerdem mit der US-Geldpolitik in Verbindung. Die Zinssätze beeinflussen die Attraktivität von Staatsanleihen und anderen Finanzinstrumenten ebenso wie die Verfügbarkeit von Kapital für Investitionen in risikoreichere Vermögenswerte.

„Die Renditen von Staatsanleihen sind derzeit hoch, was auf eine geringere Geldschöpfung hindeutet. Daher fällt das Wachstum etwas langsamer aus, als es sonst der Fall wäre. Wenn die Zinsen sinken, würde ich erwarten, dass wir dieses Ziel früher erreichen – und so weiter.“

Wo man anfangen sollte, Bitcoin zu verstehen

Neben seinen Auftritten auf Konferenzen ist Jimmy Song als Autor mehrerer Bücher über Bitcoin bekannt. Seine Werke behandeln sowohl die technischen Aspekte der Blockchain-Technologie als auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der führenden Kryptowährung.

Song ist der Ansicht, dass die beste Einführung in Bitcoin von den Interessen und dem Hintergrund des Lesers abhängt und nicht von einem einheitlichen Lernpfad.

„Wenn du dich aus einer Menschenrechtsperspektive mit dem Thema beschäftigst, halte ich The Little Bitcoin Book für eine hervorragende Einführung. Wenn du aus einer christlichen Perspektive kommst, ist Thank God for Bitcoin eine hervorragende Einführung. Wenn du Programmierer bist, könnte Programming Bitcoin das Richtige für dich sein.“

Wer gerade erst beginnt, sich mit Bitcoin zu beschäftigen, dem empfiehlt Song außerdem Bücher über Geldgeschichte und Volkswirtschaft.

„Für ein allgemeines Publikum ist Saifedeans The Bitcoin Standard meiner Meinung nach ein Klassiker, und Lyn Aldens Broken Money ist ebenfalls sehr gut.“

Songs Ansichten bleiben konsistent: Er befürwortet minimale Änderungen am Bitcoin-Protokoll, betrachtet andere Kryptowährungen nicht als gleichwertige Alternativen und steht Versuchen skeptisch gegenüber, das direkte Halten von BTC durch Aktien börsennotierter Unternehmen zu ersetzen.

Gleichzeitig ist er weiterhin überzeugt, dass die Verbreitung von Bitcoin zunehmen wird und der Preis letztlich 1 Mio. $ erreichen könnte. Für Song hängen diese Erwartungen eng mit dem Merkmal zusammen, das Bitcoin seiner Ansicht nach definiert: seine Unabhängigkeit von zentralisierter Kontrolle.

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