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Zwei große Sicherheitsvorfälle bei Coldcard und Ledger haben das Vertrauen in Hardware-Wallets für Kryptowährungen erschüttert. Die Angriffe haben Schwachstellen in Geräten offengelegt, die lange als eine der sichersten Möglichkeiten zur Aufbewahrung von Bitcoin galten. Nun hinterfragen Peter Todd, Jack Mallers und andere bekannte Branchenvertreter, ob spezielle Hardware-Wallets die Risiken wert sind oder ob alternative Ansätze besseren Schutz bieten.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
2026 war wohl das schlechteste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen für sicherheitsrelevante Bitcoin-Vorfälle. Das liegt nicht unbedingt daran, wie viel Bitcoin verloren ging, sondern daran, wie hart zwei der schlimmsten Angriffe des Jahres das trafen, was lange als Goldstandard für die Aufbewahrung von Kryptowährungen galt: Hardware-Wallets. Experten für Verwahrung stellen inzwischen offen infrage, ob spezielle Krypto-Hardware überhaupt sinnvoll ist, während andere darauf hinweisen, dass sie ihre Vorbehalte gegenüber diesen Geräten bereits seit Jahren äußern. Natürlich argumentieren viele auch, dass ein vollständiger Verzicht auf Hardware-Wallets eine Überreaktion wäre.
Zur Erinnerung: Coinkite gab im Sommer bekannt, dass ein auf das Jahr 2021 zurückgehender Firmware-Fehler dazu führte, dass einige Coldcard-Geräte Seeds mit schwacher Zufallsqualität erzeugten. Dadurch konnten Angreifer private Schlüssel offline rekonstruieren und die Guthaben abziehen. Die Nutzer hatten der Firmware eines einzelnen Anbieters bei der grundlegendsten Aufgabe einer Wallet vertraut – der Erzeugung eines zufälligen Geheimnisses –, ohne eine einfache Möglichkeit zu haben, den Fehler zu erkennen.
In diesem Monat bestätigte Ledger dann, dass Angreifer echte Geräte geöffnet, mit maßgeschneiderten Implantaten versehen, während der Einrichtung Wiederherstellungsphrasen vom Bildschirm ausgelesen und über eine Mobilfunkverbindung versendet hatten. Ledgers Secure Chip wurde nie geknackt. Das Problem bestand vielmehr darin, dass niemand ohne Weiteres feststellen konnte, ob das Gerät in seinen Händen unverändert dem Gerät entsprach, das das Werk verlassen hatte.
Schätzungen von Drittanbietern beziffern den Schaden sowohl durch den Angriff auf die Lieferkette von Ledger als auch durch den Coldcard-Vorfall auf jeweils mehr als 100 Mio. US-Dollar. Das macht deutlich, warum im Kryptobereich bei der sicheren Aufbewahrung von Guthaben inzwischen so viel Paranoia herrscht.
Strike-CEO Jack Mallers erläuterte kürzlich in seiner Sendung mehrere allgemeine Nachteile von Hardware-Wallets. „Hardware-Wallets sind meiner Meinung nach riskanter, als der Markt oder die breite Öffentlichkeit offenbar glaubt“, sagte er. Er fügte hinzu: „Da steckt einfach viel implizites Vertrauen darin, dass ein Gerät beim Versand nicht manipuliert wurde – in die Lieferkette. Daran sind so viele Parteien beteiligt.“
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Mallers merkte außerdem an, dass Open-Source-Firmware weiterhin genügend Prüfer brauche, um vertrauenswürdig zu sein. Dabei stellte er die relativ kleine Zahl der Mitwirkenden an Coldcard der deutlich größeren Zahl bei Bitcoin Core gegenüber. Der Kauf einer Hardware-Wallet kann Kunden außerdem dem Risiko aussetzen, dass ihre E-Mail- und Lieferadressen offengelegt werden, wenn Anbieter oder deren Partner Opfer von Datenlecks werden, sagte er. Er verwies auf frühere Leaks von Ledger-Kundendaten und einen jüngsten Vorfall beim Versanddienstleister von Trezor.
„Jetzt wissen Hacker, wo du wohnst, und du siehst körperliche Angriffe auf Menschen“, sagte er mit Blick auf die Zunahme von „$5-Wrench“-Angriffen auf Krypto-Besitzer in den vergangenen Jahren.
Eine potenzielle Schwäche von Hardware-Wallets ist genau das, was sie nützlich macht: Sie sind für einen einzigen Zweck gebaut. Wer eine solche Wallet kauft, signalisiert möglicherweise, dass er wertvolle private Schlüssel aufbewahrt. Dadurch werden diese Geräte zu attraktiven Zielen für Angriffe auf die Lieferkette.
Der Bitcoin-Core-Mitwirkende Peter Todd meidet sie aus diesem Grund seit Langem. „Ich persönlich nutze keine Hardware-Wallets“, schrieb er auf X. „Ich verlasse mich auf die Sicherheit von @QubesOS in Verbindung mit handelsüblicher Hardware (z. B. anonym gekauften ThinkPad-Laptops und Raspberry Pis).“
Todd argumentierte, dass universelle Hardware wesentlich schwerer gezielt anzugreifen sei, weil ein Angreifer eine enorme Zahl von Geräten mit einer Hintertür versehen müsste, um die wenigen für Krypto genutzten Geräte zu treffen. „Universelle Hardware ist eine enorme Verbesserung gegenüber Hardware-Wallets, weil ein Angreifer viel mehr Geräte mit einer Hintertür versehen müsste, um einen Nischen-Anwendungsfall anzugreifen“, fügte er hinzu. „Vielleicht wird nur auf einem von 100 Laptops oder Raspberry Pis jemals Kryptowährung gespeichert.“
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Natürlich ist das keine neue Einschätzung von Todd. Tatsächlich vertreten er und andere dieses Argument seit mindestens acht Jahren. Mallers äußerte sich in seiner Sendung ähnlich. Außerdem schlug er vor, dass Bitcoin Core auf einem Offline-Laptop für langfristige Anleger ausreichen könne, während Hardware-Wallets für Menschen sinnvoller seien, die häufiger Transaktionen signieren müssen.
Dennoch warnte Foundation-CEO Zach Herbert auf X, dass selbstgebaute Hardware ebenfalls kein Allheilmittel sei. „Wie lange dauert es noch, bis Amazon-Verkäufer Raspberry Pis und andere Entwicklerboards modifizieren, in der Hoffnung, dass jemand sie zur Aufbewahrung von Bitcoin oder Kryptowährungen verwendet?“, fragte er.
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Nicht jeder ist schon bereit, Hardware-Wallets aufzugeben. Coinkite hat sein transparentes Gehäusedesign als Möglichkeit verteidigt, mit der Nutzer ausgetauschte Komponenten oder Implantate erkennen können. Ledger wiederum stellte seinen Vorfall als Angriff auf die Distribution dar und nicht als Versagen seines Secure Chips oder Betriebssystems. Ledger erklärt außerdem, dass sein kommendes Gerät, der Ledger Atom, gegen die konkrete Art des bei dem Angriff auf die Lieferkette eingesetzten Exploits geschützt gewesen wäre.
Andere sagen, Hardware-Wallets könnten sicherer gemacht werden, indem Seeds durch Würfelwürfe erzeugt werden, statt der Zufallsfunktion des Geräts zu vertrauen. „Deshalb ist es am sichersten und einfachsten, eigene Entropie einzubringen“, schrieb Shinobi, technischer Redakteur und Meinungsredakteur des Bitcoin Magazine, auf X.
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Herbert fordert eine physische aktive Manipulationserkennung und vertrauenswürdigere Fertigungsprozesse, während Todd auf manipulationssichere Versandlösungen wie Entropy Seal verwies, die Ledger hätte einsetzen sollen. Herbert nannte außerdem eine weitere Möglichkeit, die Risiken zu reduzieren. „Multisig hätte dich hier geschützt, aber ich bin mir nicht sicher, ob eine Passphrase das getan hätte“, schrieb er.
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Daraus ergibt sich das Argument für Multi-Vendor-Multisig: Die Schlüssel werden auf Geräte verschiedener Hersteller verteilt, sodass ein einzelnes kompromittiertes Gerät keine Guthaben bewegen kann. Laut Ivy Galindo, Head of Growth Marketing bei BitGo, stammte keiner der im Coldcard-Exploit oder beim Angriff auf den Ledger-Wiederverkäufer gestohlenen Bitcoins aus einem Multisig-Setup.
„Multi-Vendor-Multisig schützt dich vor Angriffen auf die Lieferkette“, schrieb auch Casa-Mitgründer Jameson Lopp und wies darauf hin, dass Casa-Nutzer vom Ledger-Angriff nicht betroffen waren. Anbieter von unterstützter Verwahrung wie Casa und Unchained bieten solche Setups für Nutzer an, die bei deren Verwaltung Hilfe wünschen, ohne die vollständige Kontrolle über ihre Schlüssel abzugeben.
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Die Vorfälle dieses Jahres sollten Krypto-Besitzer dazu veranlassen, ihre Sicherheitsmaßnahmen für Bitcoin und andere digitale Vermögenswerte zu überdenken. Die Lehre daraus ist nicht unbedingt, dass Hardware-Wallets nutzlos sind, sondern dass kein einzelnes Gerät und kein Unternehmen blindes Vertrauen verdient.
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Die traurige Realität ist, dass manche Menschen besser über einen ETF oder ein Bitcoin-Treasury-Unternehmen an Bitcoin partizipieren sollten, wenn sie ihre Coins nicht selbst sicher verwahren können und niemanden haben, dem sie diese Aufgabe anvertrauen. Das ist eine schwierige Botschaft in einem System, das ursprünglich darauf ausgelegt war, vertrauenswürdige Dritte überflüssig zu machen. Wie Paul Sztorc, Gründer und CEO von LayerTwo Labs, auf X schrieb: „Es ist schwierig, persönliche Verantwortung auszulagern.“