Der Tweet wurde vom Autor gelöscht.
Aber wir haben alles gespeichert 🙂.
Das britische Unternehmen Nscale bereitet sich auf einen Börsengang vor und verhandelt gleichzeitig über einen milliardenschweren Deal mit Anthropic. Das Unternehmen, das aus einem Bitcoin-Mining-Geschäft hervorgegangen ist, hat sich rasch zu einem bedeutenden Akteur im Markt für KI-Infrastruktur entwickelt. Hinter dem schnellen Wachstum stehen jedoch Probleme, die die Pläne durchkreuzen könnten.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Nscale verhandelt mit Anthropic, dem Entwickler des KI-Modells Claude, über die Bereitstellung von Rechenkapazität im Wert von rund 45 Milliarden Dollar. Laut Bloomberg-Quellen könnte in den kommenden Tagen eine Vereinbarung erzielt werden, eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus.
Beitrag auf X ansehen Wird geladen...
Der Deal umfasst den Bau eines zweiten großen Rechenzentrums auf dem Monarch-Campus im US-Bundesstaat West Virginia. Die Anlage soll eine Kapazität von 460 Megawatt haben und voraussichtlich mit den neuesten Vera-Rubin-KI-Chips von Nvidia ausgestattet werden.
Dies ist nicht das erste gemeinsame Projekt der Unternehmen. Laut offiziellen Unternehmensunterlagen von Nscale hat Anthropic bereits Vereinbarungen über die Nutzung seiner Infrastruktur im Wert von rund 44,6 Milliarden Dollar unterzeichnet. Sollten beide Seiten einen neuen Deal abschließen, könnte der Gesamtwert ihrer Vereinbarungen fast 90 Milliarden Dollar erreichen.
Darüber hinaus hat sich Anthropic das Vorkaufsrecht für ein drittes Monarch-Rechenzentrum gesichert, das ebenfalls auf dem Gelände geplant ist. Der Campus könnte letztlich eine Gesamtkapazität von mehr als 8 Gigawatt erreichen.
Noch vor wenigen Jahren hatten nur wenige Menschen von Nscale gehört. Das Unternehmen entstand 2024 aus einem Bitcoin-Mining-Geschäft, verlagerte seinen Schwerpunkt jedoch schnell auf den Aufbau von Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Heute entwickelt Nscale Rechenzentren für einige der weltweit größten Technologieunternehmen. Der Gesamtwert seiner mehrjährigen Verträge übersteigt 103 Milliarden Dollar.
Das Geschäftsmodell von Nscale basiert auf der Bereitstellung von Rechenkapazität für das Training und den Betrieb von KI-Modellen. Das Unternehmen baut Rechenzentren, stattet sie mit leistungsstarken Nvidia-Chips aus und vermietet die Infrastruktur an Kunden. Neben Anthropic gehören Microsoft und ByteDance, der Eigentümer von TikTok, zu den Kunden. Nscale entwickelt Projekte in den USA, Großbritannien, Norwegen und Portugal.
Zur Finanzierung seiner Expansion hat das Unternehmen aktiv Investoren gewonnen. Im September 2026 gab Nscale bekannt, in einer von der Investmentgesellschaft Third Point angeführten Finanzierungsrunde 3,36 Milliarden Dollar eingeworben zu haben. Zu den Teilnehmern gehörten Nvidia, Apollo Global Management, Citadel, Hudson Bay Capital und der Abu Dhabi Investment Council.
Beitrag auf X ansehen Wird geladen...
Gleichzeitig verstärkt Nscale sein Führungsteam mit erfahrenen Technologie-Managern. Justin Osofsky, der 18 Jahre bei Meta tätig war, wurde Chief Operating Officer des Unternehmens. Dem Verwaltungsrat gehören außerdem die frühere Meta-COO Sheryl Sandberg, der ehemalige stellvertretende britische Premierminister Nick Clegg und die frühere OpenAI-Managerin Fidji Simo an.
Trotz seines umfangreichen Vertragsportfolios steht Nscale beim Bau seiner Rechenzentren vor erheblichen Schwierigkeiten. Bis August 2026 hatte das Unternehmen weniger als 1 % der Rechenkapazität gebaut oder angemietet, die es künftig bereitstellen will. Einige Projekte liegen bereits mehrere Monate hinter dem Zeitplan.
Ein Beispiel ist das Rechenzentrum im norwegischen Glomfjord, das Nscale für ByteDance baut. Das Projekt liegt sechs Monate hinter dem Zeitplan, und von den geplanten 30 Megawatt sind nur 6,4 Megawatt in Betrieb. Die Verzögerungen wurden durch Lecks im Flüssigkühlsystem, Probleme mit der Ausrüstung, einen Brand und Rückschläge beim Bau verursacht. Dadurch entstanden für Nscale gegenüber dem Kunden Vertragsstrafen in Millionenhöhe.
Beitrag auf X ansehen Wird geladen...
Ein weiterer Rückschlag erfolgte, als Microsoft sich aus einem Projekt im britischen Loughton in Essex zurückzog. Das Unternehmen sollte Hauptmieter des Rechenzentrums werden, doch das Projekt stieß auf Engpässe im lokalen Stromnetz. Die Sicherung der erforderlichen Stromkapazität könnte sich bis in die frühen oder mittleren 2030er-Jahre verzögern.
Die Abhängigkeit von Großkunden stellt ein weiteres Risiko dar. Laut den Unterlagen von Nscale entfallen rund 85 % der Verträge auf nur zwei Unternehmen – Microsoft und Anthropic.
Auch bei der Expansion in den USA sind Probleme aufgetreten. Am Standort Monarch in West Virginia spülten starke Regenfälle Wasser und Schlamm vom Baugelände auf benachbarte Grundstücke und in Richtung Wohnhäuser. Die örtlichen Behörden stellten Verstöße gegen die Anforderungen an das Regenwassermanagement fest und zwangen das Unternehmen, zusätzliche Schutzbarrieren zu installieren.
Trotz dieser Herausforderungen treibt Nscale die Vorbereitungen für seinen Börsengang voran. Im September 2026 reichte das Unternehmen Unterlagen für die Notierung seiner Aktien an der New York Stock Exchange (NYSE) unter dem Ticker NSCL ein. Dabei sollen bis zu 3 Mrd. Dollar aufgenommen werden; Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley führen das Angebot an.
Die Bewertung des Unternehmens ist jedoch umstritten. Das Management von Nscale strebt eine Bewertung von rund 30 Mrd. Dollar an, doch einige potenzielle Investoren halten diese Zahl für zu hoch. Sie haben vorgeschlagen, die Bewertung auf 16 bis 19 Mrd. Dollar zu senken – nahezu die Hälfte des ursprünglichen Ziels.
Unterdessen bleiben die Finanzergebnisse von Nscale weit hinter dem Umfang seiner Verträge zurück. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 141 Mio. Dollar, schloss den Zeitraum jedoch mit einem Nettoverlust von etwa 1 Mrd. Dollar ab.
Die zunehmende Skepsis der Anleger gegenüber KI-Infrastrukturunternehmen erhöht den Druck zusätzlich. So verloren die Aktien des US-Rechenzentrumsbetreibers CoreWeave in der vergangenen Woche 25 % ihres Wertes. Die Aktien eines weiteren wichtigen Akteurs, Nebius, fielen innerhalb von zwei Wochen um 32 %. Das ebenfalls von Nvidia unterstützte australische Unternehmen Firmus gab seinen geplanten Börsengang vollständig auf, nachdem es zum vorgesehenen Preis nicht genügend Interesse von Investoren geweckt hatte.
Obwohl Nscale seine IPO-Unterlagen am 18. September eingereicht hat, hat das Unternehmen noch nicht mit der formellen Vermarktung seiner Aktien bei Investoren begonnen. Nscale arbeitet weiterhin die Anmerkungen der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) zu seinem Antrag ab.
In nur zwei Jahren hat sich Nscale vom Bitcoin-Mining zu einem Unternehmen entwickelt, das Verträge mit einigen der weltweit größten Technologiekonzernen abschließt. Vor seinem Börsengang muss das Unternehmen die Investoren jedoch davon überzeugen, dass es mehr kann, als milliardenschwere Vereinbarungen zu unterzeichnen. Es muss auch zeigen, dass es Rechenzentren termingerecht in Betrieb nehmen, Kundenverpflichtungen erfüllen und massive Investitionen in Gewinne verwandeln kann.