Trezor-Sicherheitschef: Nutzer zu täuschen ist leichter, als eine Krypto-Wallet zu hacken

Trezor-Sicherheitschef: Nutzer zu täuschen ist leichter, als eine Krypto-Wallet zu hacken
Interview mit Trezors Sicherheitschef Jan Komárek

​Hardware-Wallets gelten als eine der sichersten Möglichkeiten, digitale Vermögenswerte aufzubewahren. Jüngste Sicherheitsvorfälle haben jedoch selbst bei diesen Geräten Zweifel aufkommen lassen. In einem Interview mit Traders Union spricht Jan Komarek, Sicherheitschef von Trezor, über Schwachstellen von Cold Wallets, die Risiken von Bitcoin-ETFs und die Herausforderungen, Kryptowährungen an Erben weiterzugeben.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Warum Hardware-Wallets weiterhin anfällig sind

Trezor ist einer der Pioniere auf dem Markt für Hardware-Wallets für Kryptowährungen. Das Unternehmen stellte sein erstes Gerät bereits 2014 vor. Die Technologie zur Aufbewahrung digitaler Vermögenswerte hat sich seitdem deutlich weiterentwickelt, doch auch spezialisierte Geräte stehen weiterhin vor ernsthaften Sicherheitsherausforderungen.

Einer der bekanntesten Fälle war der Sicherheitsvorfall bei Coldcard im Juli 2026. Galaxy Research zufolge überstiegen die bestätigten Nutzerverluste 112 Millionen US-Dollar. Ursache des Vorfalls war ein Firmware-Fehler, der es Angreifern ermöglichte, private Schlüssel ohne physischen Zugriff auf die Geräte zu rekonstruieren.

Komarek ist der Ansicht, dass der Vorfall eine gravierende Schwäche der Sicherheitspraktiken im Kryptowährungsbereich offengelegt hat, die Argumente für die Selbstverwahrung jedoch nicht entkräftet.

„Das Problem bei Coldcard war ein Fehler in der eigenen Firmware von Coldcard. Eine Codeänderung im Jahr 2021 führte dazu, dass einige Geräte den Hardware-Zufallszahlengenerator übersprangen und stattdessen einen schwachen Software-Zufallszahlengenerator verwendeten. Die Seeds, die diese Geräte erzeugten, waren viel leichter zu erraten, als sie hätten sein dürfen.“

Schwachstellen dieser Art werden jedoch nicht immer entdeckt, bevor Angreifer sie ausnutzen. Das wirft für Hersteller grundsätzliche Fragen zur Zuverlässigkeit der Sicherheitsarchitektur ihrer Geräte auf.

„Die Lehre, die ich daraus ziehen würde, ist, dass kritische Sicherheitsfunktionen niemals von einer einzigen Verteidigungslinie abhängen sollten.“

Technische Schwachstellen sind jedoch nur ein Teil der Bedrohung. Angreifer versuchen zunehmend, Geräteschutzmaßnahmen zu umgehen, indem sie psychologische Manipulation und Fehler von Kryptowährungsinhabern ausnutzen.

„Der schwächste Punkt ist heute meist die Person, die das Gerät besitzt, und Angreifer wissen das. Einen sicheren Chip zu knacken, erfordert ein Labor und Spezialausrüstung, sofern es überhaupt möglich ist. Jemanden dazu zu bringen, seine Wiederherstellungsphrase auf einer gefälschten Website einzugeben, erfordert nur eine überzeugende E-Mail.“

Was ist sicherer: eine Hardware-Wallet oder ein Smartphone?

Fortschritte bei der Mobiltechnologie werfen die Frage auf, ob man überhaupt ein separates Gerät zur Aufbewahrung von Kryptowährungen benötigt. Moderne Smartphones verfügen über sichere Chips und können als Krypto-Wallets dienen, während einige Experten empfehlen, dafür ein separates Smartphone zu verwenden. Dieser Ansatz hat jedoch seine Grenzen.

„Smartphones verfügen heutzutage über gute Sicherheits-Hardware, daher ist dieses Argument nicht abwegig. Das Problem ist alles andere, was ein Smartphone kann. Es ist ständig online und läuft mit einem Betriebssystem, dem man vertrauen muss und das man größtenteils nicht überprüfen kann.“

Ein Smartphone vollständig offline zu halten, kann bestimmte Risiken verringern, erschwert aber auch Kryptowährungstransaktionen. Für viele Nutzer ist die Benutzerfreundlichkeit genauso wichtig wie die technische Sicherheit.

„Es gibt Fälle, in denen eine Wallet auf dem Smartphone das richtige Werkzeug ist. Für kleine Beträge, die man im Alltag ausgibt, ist sie wie Bargeld in der Tasche, und da zählt der Komfort. Für Ersparnisse würde ich eine Hardware-Wallet verwenden.“

Beeinflusst die Anzahl unterstützter Kryptowährungen die Sicherheit einer Wallet?

Hersteller von Hardware-Wallets verfolgen unterschiedliche Ansätze bei der Unterstützung digitaler Vermögenswerte. Einige Geräte sind ausschließlich für Bitcoin ausgelegt, während andere es Nutzern ermöglichen, Dutzende oder sogar Hunderte von Kryptowährungen aufzubewahren. Beeinflusst diese Vielseitigkeit jedoch die Sicherheit?

„Jede unterstützte Kryptowährung erweitert die Firmware, und mehr Firmware bedeutet mehr Stellen, an denen sich ein Fehler verbergen kann. Das ist ein echter Zielkonflikt.“

Bei der Wahl einer Krypto-Wallet berücksichtigen Nutzer häufig die Anzahl der unterstützten Vermögenswerte, den Ruf des Herstellers und zusätzliche Funktionen. Ohne spezialisiertes technisches Wissen kann es jedoch schwierig sein, die Sicherheit eines Geräts zu beurteilen.

„Aber die Anzahl der Coins entscheidet nicht darüber, ob eine Wallet sicher ist. Coldcard ist ein reines Bitcoin-Gerät, und der Fehler, der dort auftrat, betraf die Seed-Generierung, die jede Wallet hat. Entscheidend ist vielmehr, wie sorgfältig der Kerncode geschrieben ist und ob Außenstehende ihn überprüfen können.“

Die andere Seite der Rivalität zwischen Trezor und Ledger

Trezor konkurriert mit dem französischen Hardware-Wallet-Hersteller Ledger. Die Rivalität geht jedoch weit über den Verkauf von Geräten hinaus. Sicherheitsexperten untersuchen regelmäßig die Software und Hardware von Wettbewerbern auf Schwachstellen.

Insbesondere das Forschungsteam Donjon von Ledger hat wiederholt potenzielle Probleme in Trezor-Geräten aufgedeckt. Solche Entdeckungen können Fragen zur Produktsicherheit aufwerfen, doch Komarek hält diese Praxis nicht für unlauteren Wettbewerb.

„Das ist wertvoll, unabhängig davon, für wen die Forscher arbeiten. Das Donjon-Team von Ledger hat uns seine Erkenntnisse im Rahmen einer verantwortungsvollen Offenlegung gemeldet. Wir haben die erforderlichen Fehler behoben und uns öffentlich bei ihnen bedankt.“

Als Beispiel verweist er auf Untersuchungen zum Trezor Safe 3. Für den Angriff mussten die Ledger-Forscher physischen Zugriff auf das Gerät haben; private Schlüssel oder PINs konnten sie nicht auslesen.

„Wir möchten, dass möglichst viele Menschen nach Problemen suchen. Ein Wettbewerber mit einem gut finanzierten Labor ist ein besonders motivierter Prüfer, den wir uns nur wünschen können. Ich würde mir wünschen, dass jede Wallet auf dem Markt einer derart gründlichen externen Prüfung unterzogen wird. Das ist viel einfacher, wenn der Code öffentlich ist.“

Warum Bitcoin-ETFs neue Risiken mit sich bringen

Die Einführung von Bitcoin-Spot-ETFs in den USA hat die Möglichkeiten für Anleger, an der Entwicklung der Kryptowährung teilzuhaben, erheblich verändert. Anleger können die Kursbewegungen von Bitcoin nun über herkömmliche Brokerkonten nachvollziehen, ohne eigene Wallets einrichten oder private Schlüssel verwalten zu müssen.

Die wachsende Beliebtheit dieser Produkte hat jedoch eine Debatte darüber ausgelöst, ob eine Investition in Bitcoin-ETFs als echte Alternative zum direkten Besitz von Kryptowährungen gelten kann. Besonders wichtig ist diese Frage für Befürworter der Dezentralisierung, die sich für die direkte Kontrolle über digitale Vermögenswerte einsetzen.

„Ich sehe da keinen Widerspruch. Ein ETF verschafft Ihnen Zugang zur Kursentwicklung von Bitcoin. Wenn Sie Ihre eigenen Schlüssel halten, besitzen Sie die Bitcoin. Das sind unterschiedliche Produkte für unterschiedliche Zwecke, und beide können nebeneinander bestehen.“

Die Ausweitung börsengehandelter Fonds verändert auch die Struktur des Bitcoin-Besitzes. Während einzelne Nutzer und Kryptowährungsbörsen zuvor eine wichtige Rolle am Markt spielten, gewinnen große Finanzintermediäre zunehmend an Einfluss.

„Aus Sicherheitssicht stellt sich auch die Frage der Konzentration. Eine kleine Zahl von Verwahrstellen hält den Großteil der Bitcoin in US-Spot-ETFs und ist damit ein sehr großes Angriffsziel. Bei der Selbstverwahrung verteilt sich dieses Risiko auf Millionen einzelner Geräte.“

Der Unterschied zwischen den beiden Ansätzen betrifft nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Möglichkeiten der Eigentümer, ihre Vermögenswerte zu kontrollieren und zu nutzen.

„Am schlimmsten wäre es, wenn alle entscheiden würden, dass ein ETF-Anteil dasselbe ist wie der Besitz von Bitcoin. Mit einem ETF können Sie Ihre Bitcoin weder transferieren noch ausgeben oder von der Plattform abziehen. Die Schlüssel liegen bei jemand anderem.“

So vererben Sie Kryptowährungen

Bei der Selbstverwahrung haben Besitzer digitaler Vermögenswerte die volle Kontrolle über ihre Guthaben, sind aber auch selbst dafür verantwortlich, ihre privaten Schlüssel zu schützen. Besonders schwierig wird das, wenn Kryptowährungen an Erben weitergegeben werden sollen.

Anders als bei Bankkonten lässt sich der Zugang zu einer Krypto-Wallet häufig weder über ein Finanzinstitut noch per Gerichtsbeschluss wiederherstellen. Stirbt der Eigentümer, ohne die erforderlichen Informationen zu hinterlassen, können die Guthaben dauerhaft unzugänglich werden.

Komarek räumt ein, dass es für dieses Problem noch keine allgemeingültige Lösung gibt.

„Es gibt heute kein einzelnes Produkt, das dieses Problem löst, und ich finde, wir sollten uns dringend damit befassen. Das Schwierige ist: Alles, was Ihrer Familie den Zugang erleichtert, macht ihn auch für andere einfacher.“

Eine Möglichkeit besteht darin, eine Wallet-Sicherung in mehrere Teile aufzuteilen. Für die Wiederherstellung des Zugangs ist eine festgelegte Anzahl dieser Teile erforderlich, beispielsweise zwei von drei. Sie können an verschiedenen Orten aufbewahrt oder unterschiedlichen Erben anvertraut werden.

Eine weitere Möglichkeit ist, mit verschiedenen Passphrasen auf separate versteckte Wallets zuzugreifen. So kann der Eigentümer im Voraus festlegen, welche Vermögenswerte die einzelnen Erben erhalten sollen.

Doch selbst eine sorgfältig geplante Nachlassregelung kann mögliche Konflikte zwischen den Beteiligten nicht vollständig verhindern.

„Beide Möglichkeiten setzen ein gewisses Vertrauen zwischen Ihnen und den Erben voraus.“

Was hindert Hardware-Wallets am Durchbruch?

Trotz des Wachstums der Kryptowährungsbranche sind Hardware-Wallets weiterhin ein Nischenprodukt. Die meisten Anleger bewahren ihre Vermögenswerte lieber auf Börsen auf oder nutzen mobile Apps, statt ihre privaten Schlüssel selbst zu verwalten.

Schätzungen zufolge, die Komarek anführt, nutzen weltweit nur 12 Millionen bis 13 Millionen der rund 600 Millionen Kryptowährungsbesitzer Hardware-Wallets. Das entspricht etwa 2 % des Marktes.

„Die meisten Menschen halten Selbstverwahrung noch immer für etwas für Ingenieure. Und sie machen sich Sorgen um die Wiederherstellungsphrase. Was, wenn ich sie verliere? Was, wenn ich sie falsch aufschreibe?“

Die Herausforderung beschränkt sich nicht auf die technologische Komplexität. Nutzer sind Finanzdienstleistungen gewohnt, bei denen Banken oder andere Institutionen teilweise Verantwortung dafür übernehmen, den Zugang wiederherzustellen und Probleme zu lösen. Bei der Selbstverwahrung gibt es keinen solchen Vermittler.

„Eine Bankkarte fühlt sich vertraut an, weil eine Bank dahintersteht. Bei einer Hardware-Wallet haben Sie selbst die Kontrolle, und das muss man beim ersten Mal erklären. Die Branche muss also besser darin werden, dies in einfacher Sprache und persönlich zu vermitteln.“

Plant Trezor einen Börsengang?

Währenddessen entwickeln Hardware-Wallet-Hersteller ihre Geschäfte weiter und sondieren neue Wachstumschancen. Da immer mehr Kryptounternehmen an die Börse gehen, stellt sich die Frage, ob auch Trezor einen Börsengang anstreben könnte.

Komarek nennt keine konkreten Pläne für einen Börsengang, betont aber, wie wichtig die Unabhängigkeit des Unternehmens ist.

„Trezor ist unabhängig, und darauf sind wir stolz. Das bedeutet, dass wir externen Investoren nicht Rechenschaft ablegen müssen. Sicherheit hatte für uns immer oberste Priorität, und unsere Unabhängigkeit bedeutet, dass niemand außerhalb des Unternehmens sie nach hinten schieben kann.“

Letztlich ist Selbstverwahrung ein Kompromiss zwischen der Kontrolle über digitale Vermögenswerte und der persönlichen Verantwortung für deren Sicherheit. Auch wenn Hardware-Wallets immer ausgefeilter werden, können sie Betrug, das Risiko des Zugangsverlusts und die Herausforderungen bei der Vererbung von Kryptowährungen nicht vollständig ausschließen.

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