Alphabet-Aktie stürzt ab: Was steckt hinter dem Milliardenverlust?

Alphabet-Aktie stürzt ab: Was steckt hinter dem Milliardenverlust?
Warum fällt die Google-Aktie?

​Die Aktien von Alphabet, der Muttergesellschaft von Google, brachen um mehr als 10 % ein. Anleger zeigten sich enttäuscht von den Finanzergebnissen des Tech-Konzerns, obwohl das Cloud-Geschäft rasant wächst. Das Unternehmen investiert Rekordsummen in künstliche Intelligenz, doch genau diese Wette beginnt nun, seine wichtigste Einnahmequelle zu gefährden.

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Rekordumsatz kann Google nicht retten

Am 28. Oktober veröffentlichte Alphabet seine Finanzergebnisse für das dritte Quartal 2026. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 25 % auf 127,58 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten jedoch mit rund 128 Milliarden US-Dollar gerechnet. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse brachen die Alphabet-Aktien im nachbörslichen Handel um mehr als 10 % ein. Dadurch schmolz die Marktkapitalisierung um fast 400 Milliarden US-Dollar.

Alphabets Nettogewinn sank von 34,98 Milliarden US-Dollar auf 26,17 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn je Aktie lag bei 2,12 US-Dollar und damit unter den Erwartungen von rund 3 US-Dollar. Der Rückgang war teilweise auf eine Neubewertung der Investitionen des Unternehmens zurückzuführen, darunter die Beteiligung an SpaceX. Statt Anlagegewinne zu erzielen, verbuchte Alphabet einen Verlust von 8,66 Milliarden US-Dollar.

Auch das Werbegeschäft, das weiterhin Googles wichtigste Einnahmequelle ist, blieb hinter den Prognosen zurück. Die Werbeerlöse erreichten 82,01 Milliarden US-Dollar gegenüber den erwarteten 83,5 Milliarden US-Dollar. Auf Suchmaschinenwerbung entfielen 63,35 Milliarden US-Dollar, auf YouTube-Werbung 11,21 Milliarden US-Dollar. Beide Werte stiegen im Jahresvergleich, verfehlten jedoch die Schätzungen der Wall Street.

Besonders besorgniserregend war der Rückgang des freien Cashflows – also der Mittel, die einem Unternehmen nach Betriebs- und Investitionsausgaben verbleiben. Im zweiten Quartal belief sich der Wert auf minus 5,86 Milliarden US-Dollar, im dritten Quartal weitete sich das Defizit auf 9,07 Milliarden US-Dollar aus. Allein von Juli bis September gab Alphabet 51,36 Milliarden US-Dollar für Investitionen aus, vor allem für den Ausbau seiner technischen Infrastruktur.

Was bremst Googles Geschäft?

Der Hauptgrund für Alphabets steigende Ausgaben sind die massiven Investitionen in künstliche Intelligenz. Das Unternehmen baut Rechenzentren, kauft Ausrüstung und entwickelt eigene KI-Modelle der Gemini-Reihe. 2026 will Alphabet bis zu 205 Milliarden US-Dollar für diese und weitere Investitionsprojekte ausgeben – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Zur Finanzierung seiner ambitionierten Vorhaben greift Alphabet zunehmend auf Fremdkapital zurück. Zugleich belaufen sich die künftigen Verpflichtungen zum Kauf von Rechenkapazität und Energie bereits auf Hunderte Milliarden US-Dollar.

Gleichzeitig wirkt sich künstliche Intelligenz zunehmend auf Googles Werbegeschäft aus. Das Unternehmen integriert KI-generierte Antworten direkt in seine Suchmaschine, sodass Nutzer Informationen finden können, ohne andere Websites aufzurufen. Diese Suchanfragen erzielen derzeit jedoch geringere Werbeerlöse als herkömmliche Suchanfragen. Alphabets Chief Business Officer Philipp Schindler räumte ein, dass die wachsende Beliebtheit des KI-Modus zu den Faktoren gehörte, die das Wachstum der Sucherlöse verlangsamten.

Die Konkurrenz durch OpenAI, Anthropic und Meta verschärft die Lage. Ihre KI-Dienste ermöglichen es Nutzern nicht nur, Informationen zu suchen, sondern auch Produkte zu vergleichen, Empfehlungen zu erhalten und Einkäufe zu tätigen. Wenn sich Nutzer zunehmend an diese Assistenten statt an Google wenden, droht das Unternehmen einen Teil der Werbekunden zu verlieren, die sich bei der Kundengewinnung seit Langem vor allem auf seine Suchmaschine verlassen.

Cloud-Geschäft wird zu einer neuen Säule für Google

Trotz der Herausforderungen im Werbegeschäft entwickelt Alphabet andere Geschäftsbereiche weiter. Am erfolgreichsten ist nach wie vor Google Cloud, dessen Umsatz sich im dritten Quartal mehr als verdoppelte. Die Nachfrage nach Cloud-Diensten wächst, da Unternehmen Rechenleistung für die Entwicklung und den Einsatz künstlicher Intelligenz benötigen.

Zudem versucht Google, seine Position auf dem KI-Markt für Endverbraucher zu stärken. Laut Alphabet-CEO Sundar Pichai hat die Gemini-App 1 Milliarde Nutzer erreicht. Kurz vor der Veröffentlichung der Ergebnisse stellte das Unternehmen sein neues Modell Gemini 4 Carbon vor, das laut eigenen Angaben in den meisten Benchmarks besser abschneidet als die Vorgängerversion. Google baut außerdem den Vertrieb seiner eigenen KI-Prozessoren aus und bietet sie anderen Technologieunternehmen an.

Unterdessen steigt Google Cloud in den Markt für Kryptowährungsinfrastruktur ein. Das Unternehmen entwickelt Multi-party Compute, einen Dienst, mit dem Banken und Finanzinstitute Bitcoin-Transaktionen sicher verwalten können. Die Technologie ermöglicht es mehreren Parteien, Transaktionen gemeinsam zu autorisieren, ohne den vollständigen privaten Schlüssel an einem einzigen Ort zu speichern. Der Dienst befindet sich noch in der Vorschauphase, stößt aber bereits bei großen Finanzinstituten wie Morgan Stanley, Citi und Wells Fargo auf Interesse.

Anleger fordern Rendite auf KI-Ausgaben

Der Kursrückgang der Alphabet-Aktie zeigt, dass Anleger die Ausgaben der Tech-Giganten für künstliche Intelligenz zunehmend kritisch beurteilen. Rasantes Umsatzwachstum und beliebte neue Produkte reichen nicht mehr aus. Der Markt will sehen, dass sich Investitionen in Milliardenhöhe in Gewinne statt in höhere Schulden und schrumpfende Liquiditätsreserven niederschlagen.

Gleichzeitig lässt sich Googles Lage kaum als Krise bezeichnen. Das Unternehmen verfügt über ein profitables Werbegeschäft, baut seine Cloud-Dienste weiter aus und hat eine enorme Nutzerbasis. Es steht jedoch vor einer schwierigen Aufgabe: Mit KI ebenso hohe Erlöse wie mit der herkömmlichen Suche zu erzielen und sich zugleich gegen Wettbewerber zu behaupten. Andernfalls könnten selbst technologische Durchbrüche mit weiteren Kursverlusten einhergehen.

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