Elena Nikulina

Banken oder Kryptounternehmen: Wer schützt Ihr Geld besser vor Hackern?

Banken oder Kryptounternehmen: Wer schützt Ihr Geld besser vor Hackern?
Wer ist besser vor Hackern geschützt?

​Kryptobörsen werden häufig wegen Sicherheitsmängeln kritisiert, während traditionelle Banken allgemein als sicherere Orte für die Aufbewahrung von Geld gelten. Doch Hacker greifen beide Branchen an und nutzen dabei oft ähnliche Schwachstellen aus. Sind Banken wirklich besser geschützt oder sehen die Risiken einfach nur anders aus?

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Französische Bank im Verdacht, Kryptowerte im Wert von 133 Millionen US-Dollar verloren zu haben

Ein großer Kryptodiebstahl hat eine der französischen Bankengruppen ins Visier der Ermittler gerückt und neue Fragen zur Sicherheit traditioneller Finanzinstitute aufgeworfen. Crédit Mutuel Arkéa hat einen Angriff bestätigt, der betrügerische Transaktionen ermöglichte; zu den finanziellen Auswirkungen machte die Bank jedoch keine Angaben. Der Blockchain-Ermittler ZachXBT identifizierte die Bank am 4. November als mutmaßliches Opfer, nachdem er verdächtige Abhebungen bei mehreren großen Kryptobörsen zurückverfolgt hatte.

ZachXBT machte zunächst auf verdächtige Abhebungen von mehr als 106 Millionen US-Dollar bei einem nicht genannten europäischen Finanzinstitut aufmerksam. Später wurden weitere 27 Millionen US-Dollar identifiziert, wodurch die geschätzten Verluste auf mehr als 133 Millionen US-Dollar stiegen. Der Ermittler warnte, dass zusätzliche Transaktionen außerhalb von Kryptobörsen die Summe erhöhen könnten.

Das Blockchain-Analyseunternehmen Bitquery verfolgte unabhängig davon rund 108,8 Millionen US-Dollar in USDC, die innerhalb von etwa 21 Stunden von Konten bei Kraken, Crypto.com und OKX abgehoben wurden. Ein Teil der Gelder wurde in Ether umgetauscht und über mehrere Wallets weitergeleitet. Kraken und Crypto.com teilten mit, Konten mit Bezug zum mutmaßlichen Diebstahl eingeschränkt beziehungsweise Gelder blockiert zu haben.

Crédit Mutuel Arkéa erklärte, bestimmte Transaktionen vorübergehend ausgesetzt, die Behörden informiert und die Lage unter Kontrolle gebracht zu haben. Die Bank versicherte ihren Kunden außerdem, dass ihnen keine finanziellen Nachteile entstehen würden. Wie die Angreifer Zugriff auf die Gelder erlangten, ist weiterhin unklar.

Warum traditionelle Banken für Hacker weiterhin attraktive Ziele sind

Banken wickeln ein großes Volumen an Zahlungen ab und verwalten sensible Kundendaten, was sie zu attraktiven Zielen für Cyberkriminelle macht. Die Risiken beschränken sich jedoch nicht auf die von ihnen verwahrten Gelder. Das moderne Bankwesen ist auf vernetzte Systeme, externe Technologieanbieter und Mitarbeiter mit Zugriff auf kritische Abläufe angewiesen. Angreifer müssen nur eine Schwachstelle finden, um möglicherweise Dienste zu stören, Daten zu stehlen oder nicht autorisierte Überweisungen auszulösen.

Aktuelle Zahlen deuten darauf hin, dass Banken weiterhin gefährdet sind, auch wenn sich ihre Abwehrmaßnahmen verbessern könnten. Ein Bericht der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde vom Juni 2026 ergab, dass 44 % der befragten Banken im ersten Halbjahr des Jahres Cyberangriffe erlebt hatten, die zu erheblichen IT-Ausfällen führten oder solche drohten. Anfang 2025 waren es noch 58 % gewesen. Das deutet auf eine Verbesserung der Sicherheit hin, obwohl schwerwiegende Bedrohungen weiterhin weit verbreitet sind. 

Ein besonders schwieriges Problem besteht darin, dass Banken nicht jedes System kontrollieren können, auf das sie angewiesen sind. Ein Sicherheitsvorfall bei einem externen Anbieter kann mehrere Institute gleichzeitig betreffen. Das Cybersicherheitsunternehmen Black Kite verzeichnete 2025 insgesamt 202 Ransomware-Angriffe auf Finanzinstitute – 30 % mehr als im Vorjahr. In Südkorea betraf ein Angriff auf einen Technologieanbieter 32 Finanzinstitute und legte mehr als zwei Terabyte an Daten offen.

Künstliche Intelligenz verschafft Angreifern unterdessen neue Werkzeuge, um diese Schwachstellen auszunutzen. Kriminelle können KI nutzen, um überzeugende Phishing-Nachrichten zu verfassen, sich als Mitarbeiter auszugeben oder Teile eines Angriffs zu automatisieren. Binance-Gründer Changpeng Zhao vermutete kürzlich, dass Banken mit der Weiterentwicklung von Cyberbedrohungen anfälliger sein könnten als Kryptobörsen. Seine Einschätzung lässt sich jedoch nur schwer überprüfen, da vergleichbare Daten keinen Aufschluss darüber geben, welche Branche stärker gefährdet ist.

Warum Krypto-Hacks sichtbarer und schwerer rückgängig zu machen sind

Kryptounternehmen sind ähnlichen Bedrohungen ausgesetzt, darunter gestohlene Zugangsdaten, kompromittierte Geräte und unbefugter Zugriff auf interne Systeme. Der Unterschied liegt darin, was geschieht, sobald Angreifer die Kontrolle über Vermögenswerte erlangen. Auf einer Blockchain bestätigte Überweisungen lassen sich in der Regel nicht rückgängig machen, und gestohlene Gelder können schnell zwischen Wallets verschoben werden.

Das Ausmaß potenzieller Verluste wurde am 29. Oktober deutlich, als Binance eine Sicherheitsverletzung mit digitalen Vermögenswerten im Wert von rund 6,3 Milliarden US-Dollar meldete. Vorläufige Erkenntnisse deuteten auf kompromittierte Geräte von Mitarbeitern, interne Systeme und Berechtigungen für Wallet-Transaktionen hin; die Untersuchung dauerte jedoch noch an. Binance erklärte, die Verluste der Kunden zu übernehmen, und arbeitete mit anderen Plattformen und Stablecoin-Emittenten zusammen, um betroffene Gelder einzufrieren.

Banken können verdächtige Überweisungen oft verzögern oder über etablierte Netzwerke versuchen, Zahlungen zurückzurufen. Kryptobörsen können Auszahlungen ebenfalls blockieren, bevor Vermögenswerte ihre Plattformen verlassen; danach ist die Wiederbeschaffung jedoch schwieriger. Gleichzeitig ermöglichen öffentliche Blockchains Ermittlern, Überweisungen zwischen Wallets nachzuverfolgen, selbst wenn die Personen dahinter unbekannt bleiben.

Diese Transparenz half Forschern, verdächtige Transaktionen im Fall Crédit Mutuel Arkéa nachzuverfolgen. Sie garantiert jedoch keine Wiederbeschaffung: Angreifer können Gelder auf mehrere Wallets verteilen, in andere Vermögenswerte umtauschen oder Dienste nutzen, die ihre Spuren verwischen. Transaktionen nachzuverfolgen und Kriminelle zu identifizieren sind zwei unterschiedliche Herausforderungen.

Was schützt das Geld der Kunden tatsächlich besser?

Für Kunden ist entscheidend, was nach einem Angriff geschieht. Traditionelle Banken verfügen in der Regel über Verfahren, um nicht autorisierte Zahlungen zu untersuchen und anspruchsberechtigte Kunden zu entschädigen. Europäische Zahlungsvorschriften bieten in bestimmten Fällen Schutz; die Einlagensicherung greift hingegen bei einer Bankeninsolvenz und nicht bei jeder Art von Cyberverlust.

Kryptobörsen setzen Schutzmaßnahmen wie Auszahlungslimits, Transaktionsüberwachung, mehrfache Genehmigungen und Offline-Verwahrung ein. Einige halten Mittel bereit, um Nutzer nach Sicherheitsvorfällen zu entschädigen. Der Schutz unterscheidet sich jedoch je nach Plattform und Rechtsraum, und Kryptobestände genießen im Allgemeinen nicht dieselben Garantien wie versicherte Bankeinlagen.

Keine der beiden Branchen ist vor Cyberkriminalität gefeit, und die verfügbaren Daten belegen nicht, dass Banken grundsätzlich sicherer sind als Kryptounternehmen. Für Kunden zeigt sich die Sicherheit nicht daran, ob ein Institut jeden Angriff verhindern kann, sondern daran, ob ihr Geld geschützt bleibt, wenn ein Angriff gelingt.

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