ELTIFs stoßen bei Vermögensverwaltern wegen Risiken und Kosten auf Kritik
Die Debatte um ELTIFs für Privatanleger gewinnt an Schärfe, weil illiquide Fondsprodukte aus Sicht von Branchenvertretern oft nicht zu den Bedürfnissen durchschnittlicher Anleger passen. Neben eingeschränkter Handelbarkeit und schwer nachvollziehbaren Bewertungen stehen dabei auch hohe Gebühren und mögliche Fehlanreize im Vertrieb im Fokus.
Das Wichtigste
- Vermögensverwalter Stefan Schmitt kritisiert ELTIFs als für Privatanleger ungeeignet wegen Illiquidität, schwer prüfbarer Bewertungen, hoher Kosten und Totalverlustrisiko.
- Bafin-Präsident Mark Branson warnte im Mai 2026 vor unpassenden Investoren in ELTIFs und betont die Notwendigkeit gezielter Zielmarkt- und Geeignetheitsprüfungen.
- Schmitt fordert konsequentere Regulierung und schlägt Mindestinvestments von 50.000 Euro vor, um Fehlanreize und ungeeignete Kleinanlegerinvestments einzudämmen.
Risiken, Gebühren und Zweifel am Massengeschäft
Laut Cash. wird im Gastkommentar ausgeführt, sieht Vermögensverwalter Stefan Schmitt von Inno Invest ELTIFs für durchschnittliche Privatanleger als ungeeignet an. Er verweist auf Illiquidität, schwer nachvollziehbare Bewertungen, hohe Kosten, eingeschränkte Rückgabemöglichkeiten und im Extremfall den vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals.ELTIFs, also European Long-Term Investment Funds, ermöglichen Investitionen in Anlageklassen wie Private Equity, Private Debt, Immobilien und Infrastruktur. Schmitt stellt jedoch infrage, ob die Öffnung dieser Produkte für den Massenmarkt in erster Linie Anlegern dient oder vor allem neue Absatzmärkte und Gebührenquellen für Banken, Anbieter und Vertriebe schafft.
Besonders kritisch bewertet er, dass bei manchen Produkten die Werthaltigkeit der enthaltenen Anlagen nur schwer zu prüfen ist. Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass Fondsmanager teils bereits auf Buchwertsteigerungen Erfolgsprämien erhalten können, obwohl noch keine realisierten Gewinne vorliegen.
Auch die Kostenstruktur steht in seiner Kritik. Vertriebsagios von fünf Prozent seien keine Seltenheit und kämen zusätzlich zu laufenden Verwaltungskosten hinzu, während professionelle Investoren solche Gebühren nach seiner Darstellung kaum akzeptieren würden.
Aufsichtswarnungen und Folgen für den Vertrieb
Zusätzlichen Rückenwind erhält die Kritik durch Warnungen der Finanzaufsicht. Im Mai 2026 mahnte Bafin-Präsident Mark Branson im Interview mit dem Handelsblatt zur Vorsicht und sagte, es sei wichtig sicherzustellen, dass nicht die falschen Kundinnen und Kunden in diese Investments hineinstolpern.Schmitt erklärt, Inno Invest biete Privatkunden ELTIFs aus diesen Gründen nicht an. Auch Vertriebspartner, die zunächst Interesse gezeigt hätten, seien inzwischen zurückhaltend, weil das Verhältnis von Aufwand, Kosten und Ertrag in vielen Fällen nicht überzeuge.
Zwar betont er, dass die Produktpalette breit ist und Risiken je nach Struktur und Vermögenswerten variieren. Dennoch verweist er auf die Vorgaben aus MIFID II und der ELTIF-Verordnung, wonach Zielmarktbestimmung, Geeignetheitsprüfung und ausdrückliche Zustimmung des Kunden zentrale Schutzmechanismen sind, wenn ein Produkt außerhalb des definierten Zielmarkts vertrieben wird.
Nach seiner Einschätzung reichen die bestehenden Regeln in der Praxis dennoch nicht aus, um Fehlanreize wirksam zu begrenzen. Statt neuer Gesetze plädiert er für eine konsequentere Durchsetzung bestehender Vorgaben und hält höhere Mindesteinstiegssummen von 50.000 Euro für sinnvoll, um solche Produkte stärker auf Anleger mit entsprechender Risikotragfähigkeit zu begrenzen.
Für vermögende Anleger könnten ausgewählte ELTIFs im Rahmen eines professionellen Financial Plannings zwar eine ergänzende Rolle spielen, sofern Risiken verstanden werden und der Portfolioanteil begrenzt bleibt. Für die meisten Privatanleger sieht Schmitt Diversifikation jedoch eher mit kostensensitiven ETFs als angemessenes Instrument.
In unserem früheren Beitrag zum Haushaltsbegleitgesetz 2027 haben wir erläutert, wie die Bundesregierung mit Umschichtungen von Einnahmen, Einschnitten bei Sozialausgaben und Änderungen im Haushaltsrecht den Bundeshaushalt konsolidieren will. Dabei stand auch die Kritik von Sachverständigen im Fokus, die einen begrenzten Konsolidierungseffekt, steigende Zinslasten und Transparenzprobleme bei Etatverschiebungen und Mittelverwendung sehen. Diese Einordnung zeigt, wie stark politische Entscheidungen und Aufsichts- bzw. Regelwerke den finanziellen Handlungsspielraum und die Rahmenbedingungen für Marktteilnehmer prägen.
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