EZB-Verbraucherumfrage signalisiert höhere Inflationserwartungen und schwächere Wachstumsaussichten für den Euroraum

EZB-Verbraucherumfrage signalisiert höhere Inflationserwartungen und schwächere Wachstumsaussichten für den Euroraum
EZB signalisiert gemischte Aussichten

Die Haushalte im Euroraum melden im September 2026 leicht höhere kurzfristige Inflationserwartungen sowie stärkere Erwartungen für das Einkommens- und Ausgabenwachstum. Die jüngste Umfrage der Europäischen Zentralbank zeigt außerdem schwächere Wachstumsaussichten für die kommenden 12 Monate, eine höhere erwartete Arbeitslosenquote und eine als restriktiver wahrgenommene Kreditvergabe.

Das Wichtigste

  • EZB-Umfrage im September: Median der Inflationserwartungen für 12 Monate steigt von 3,0% auf 3,1%, während die Fünfjahreserwartungen unverändert bei 2,5% bleiben.
  • Haushalte erwarten für den Euroraum in den kommenden 12 Monaten nun ein Wirtschaftswachstum von -1,5%, nach -1,2% im August, sowie eine höhere Arbeitslosenquote von 11,3% gegenüber 11,0%.
  • Verbraucher erwarten, dass der Preis ihres Eigenheims in den kommenden 12 Monaten um 3,5% steigt. Die Erwartungen zu den Hypothekenzinsen bleiben mit 4,9% stabil, während mit einer Verschärfung der Kreditbedingungen gerechnet wird.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

September-Umfrage zeigt unterschiedliche Erwartungen der Haushalte

Wie die Europäische Zentralbank berichtet, steigt die mediane Wahrnehmung der Inflation in den vergangenen 12 Monaten durch Verbraucher im September auf 3,6% gegenüber 3,5% im August. Die Erwartungen für die Inflation in den kommenden 12 Monaten erhöhen sich leicht von 3,0% auf 3,1%. Die Inflationserwartungen für die kommenden drei Jahre bleiben unverändert bei 2,9%, während die Fünfjahreserwartungen bei 2,5% verharren. Die Unsicherheit bezüglich der Inflationserwartungen für die kommenden 12 Monate nimmt leicht zu und bleibt über dem Niveau vor Beginn des Konflikts im Nahen Osten.

Befragte im untersten Einkommensquintil berichten im Durchschnitt weiterhin von einer höheren wahrgenommenen Inflation und höheren Inflationserwartungen als Befragte im obersten Quintil. Auch jüngere Befragte im Alter von 18 bis 34 Jahren geben weiterhin eine niedrigere wahrgenommene Inflation und niedrigere Inflationserwartungen an als ältere Altersgruppen.

Die Erwartungen zum nominalen Einkommenswachstum in den kommenden 12 Monaten steigen von 1,0% auf 1,1%, während die Erwartungen zum Ausgabenwachstum von 3,6% auf 3,7% zunehmen. Auch das wahrgenommene Ausgabenwachstum in den vergangenen 12 Monaten steigt, und zwar von 5,2% auf 5,3%. Haushalte mit geringerem Einkommen weisen erneut höhere Erwartungen zum Einkommenswachstum auf als Haushalte mit höherem Einkommen.

Unterschiedliche Aussichten für Wachstum, Arbeitsmarkt und Wohnimmobilien

Im September blicken die Haushalte vorsichtiger auf die Wirtschaft: Die Erwartungen zum Wirtschaftswachstum in den kommenden 12 Monaten sinken von -1,2% im August auf -1,5%. Gleichzeitig steigt die erwartete Arbeitslosenquote in 12 Monaten von 11,0% auf 11,3%. Die Verbraucher gehen jedoch weiterhin davon aus, dass die künftige Arbeitslosenquote nur leicht über der wahrgenommenen aktuellen Quote von 10,6% liegen wird. Dies deutet insgesamt auf stabile Arbeitsmarktaussichten hin.

Die Einkommensunterschiede zeigen sich auch bei den Erwartungen zum Arbeitsmarkt: Haushalte im untersten Einkommensquintil rechnen in 12 Monaten mit einer Arbeitslosenquote von 13,6%, verglichen mit 9,7% im obersten Quintil. Auf dem Wohnungsmarkt erwarten Verbraucher, dass der Preis ihres Eigenheims in den kommenden 12 Monaten um 3,5% steigt, gegenüber 3,4% im August. Die Erwartungen zu den Hypothekenzinsen in 12 Monaten bleiben gegenüber Juli unverändert bei 4,9%.

Haushalte mit geringerem Einkommen rechnen weiterhin mit einem stärkeren Anstieg der Eigenheimpreise von 4,0% und höheren Hypothekenzinsen von 5,7% als Haushalte mit höherem Einkommen, die einen Anstieg der Eigenheimpreise um 3,2% und Hypothekenzinsen von 4,4% erwarten. Der Nett Anteil der Haushalte, die in den vergangenen 12 Monaten einen erschwerten Kreditzugang melden, steigt gegenüber August. Auch der Nettoanteil der Haushalte, die in den kommenden 12 Monaten mit einer Verschärfung der Kreditbedingungen rechnen, nimmt zu.

In unserem früheren Artikel zu Mario Draghis Warnung vor dem Zielkonflikt zwischen Inflationsbekämpfung und langfristigem Wachstum erläuterten wir seine Ansicht, dass es die Schuldendynamik verschärfen und letztlich die Inflationsrisiken erhöhen kann, wenn die Zinsen zu lange über dem Wachstum gehalten werden. Außerdem verwiesen wir auf seine Forderung, dass Zentralbanken die Zinsen nicht höher als nötig halten sollten, um die mittelfristige Inflation zu stabilisieren. Zugleich sollten sie auf wachstumsfördernde Maßnahmen (wie die Integration des EU-Marktes und gezielte Investitionsförderung) setzen, um Produktivität und Widerstandsfähigkeit zu sichern.

Dieses Material kann Meinungen Dritter enthalten, keine der Daten und Informationen auf dieser Webseite stellt eine Anlageberatung gemäß unserem Haftungsausschluss dar. Obwohl wir uns an strikte redaktionelle Integrität halten, kann dieser Beitrag Verweise auf Produkte unserer Partner enthalten.