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Als Nutzer nach Alternativen zu X suchten, hatten Bitcoin-Anhänger eine andere Antwort: Nostr, ein dezentrales Netzwerk, in dem kein Unternehmen Ihr Konto besitzt oder kontrolliert, was Sie veröffentlichen können. Einige Jahre später hat es X bei Mainstream-Nutzern noch immer nicht herausgefordert. Aber war es jemals wirklich das Ziel, X zu ersetzen?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Im Juli gab Jack Dorseys Unternehmen Block Nostr eine unerwartete neue Rolle. Das Unternehmen startete Buzz, einen Open-Source-Arbeitsbereich, in dem Menschen und KI-Agenten zusammenarbeiten können.
Auf den ersten Blick wirkt Buzz eher wie Slack als wie X. Teams kommunizieren über Kanäle, während KI-Agenten neben menschlichen Mitarbeitern mit eigenen Profilen und kryptografischen Identitäten teilnehmen. Im Hintergrund basiert Buzz jedoch auf Nostr, dem dezentralen Protokoll, das vor allem als Bitcoin-Alternative zu herkömmlichen sozialen Medien bekannt ist.
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Nostr steht für Notes and Other Stuff Transmitted by Relays. Trotz seiner Verbindung zu Bitcoin ist es keine Blockchain. Es handelt sich um ein offenes Protokoll, über das Informationen zwischen Nutzern mithilfe unabhängiger Server, sogenannter Relays, übertragen werden.
Es gibt kein Nostr-Unternehmen und keinen zentralen Server. Nutzer werden durch kryptografische Schlüssel identifiziert und nicht durch Konten, die von einer Plattform kontrolliert werden. Sie greifen über Apps wie Damus, Primal oder Amethyst auf das Netzwerk zu. Diese kommunizieren mit Relays, die Beiträge speichern und verteilen.
Der Unterschied klingt technisch, aber die Idee ist einfach. Wenn eine herkömmliche Plattform Ihr Konto sperrt, bleiben Ihre Identität und Ihr Publikum innerhalb dieser Plattform gefangen. Bei Nostr gehört Ihre Identität Ihnen, sodass Sie zwischen kompatiblen Apps und Relays wechseln können, ohne wieder von vorn anfangen zu müssen.
Nostr teilt viele Grundsätze von Bitcoin, läuft aber nicht tatsächlich auf Bitcoin: keine zentrale Autorität, offene Infrastruktur und ein Schwerpunkt auf individueller Kontrolle.
Nostr hat außerdem etwas entwickelt, das herkömmliche soziale Netzwerke nur schwer natürlich umsetzen konnten: Menschen direkt für Inhalte zu bezahlen. Mit Nostr-Zaps können Nutzer kleine Bitcoin-Zahlungen über das Lightning Network an Personen senden, deren Beitrag ihnen gefällt. Man kann es sich als Like mit Geld dahinter vorstellen.
Die Beträge sind meist winzig, summieren sich aber. Von Nostr.band stammende Daten, die von Ökosystem-Trackern zitiert wurden, verzeichneten in einer einzigen Woche im Oktober 2025 mehr als 40.000 Zaps im Wert von rund 8,2 Millionen Satoshis von über 2.600 Absendern.
Nostr hat auch prominente Unterstützer gewonnen. Jack Dorsey hat die Entwicklung über OpenSats mitfinanziert, während Edward Snowden die dezentrale Struktur unterstützt. „Wenn eine Plattform ein Silo ist, ist ein Protokoll ein Fluss: Niemand besitzt ihn, und jeder kann frei darin schwimmen“, sagte Snowden. Der spezielle Nostr Fund von OpenSats ist weiterhin aktiv und kündigte im Mai seine siebzehnte Förderwelle an.
Nostr hat ein Problem bemerkenswert gut gelöst: Niemand besitzt Nostr. Leider macht das die Nutzung nicht automatisch einfach. Neue Nutzer stoßen auf kryptografische Schlüssel, Relays und mehrere Clients, bevor sie überhaupt ein soziales Netzwerk aufgebaut haben. Wer die Kontrolle über einen privaten Schlüssel verliert, kann damit auch die Kontrolle über seine Identität verlieren, während die Übertragung dieser Identität zwischen Geräten weiterhin umständlich sein kann.
Die Softwareberatung Very Good Ventures, die an Nostr-Anwendungen gearbeitet hat, fasste das Problem treffend zusammen: „Nostrs Identitätsmodell ist kryptografisch elegant und praktisch schmerzhaft.“ Wenn etwas schiefgeht, gibt es weder eine herkömmliche Passwortzurücksetzung noch einen Kundensupport.
Nostr-Entwickler erkennen zunehmend, dass ein Großteil dieser Komplexität aus dem Blickfeld verschwinden muss. „Keine App sollte jemals über Nostr oder Bitcoin sprechen. Sie sollte einfach das sein, was sie ist“, sagte Vitor Pamplona, der Entwickler von Amethyst. Sein Punkt war einfach: Menschen sollten eine App nutzen können, ohne sich Gedanken über die Technologie im Hintergrund machen zu müssen.
Die Ironie ist kaum zu übersehen: Einige der Funktionen, die Nostr für Menschen attraktiv machen, die herkömmlichen sozialen Medien misstrauen, erschweren zugleich den Verkauf an Menschen, die einfach nur eine funktionierende App wollen.
Diese Frage ist überraschend schwer zu beantworten. Nostr hat Millionen öffentlicher Schlüsselidentitäten angesammelt. Eine akademische Studie aus dem Jahr 2024 beschrieb das Netzwerk als eines, das in seinen ersten zwei Jahren rund 4 Millionen Nutzer und 60 Millionen Beiträge erreicht hatte. Die Erstellung einer Identität erfordert jedoch kaum mehr als die Generierung eines kryptografischen Schlüsselpaares. Daher sagt diese Zahl wenig darüber aus, wie viele Menschen das Netzwerk tatsächlich nutzen.
Die tatsächliche Nutzung ist deutlich geringer. Aktuelle Tracker verorten die aktive Nutzung im Allgemeinen im Zehntausenderbereich. Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln, da verschiedene Tracker unterschiedliche Teile eines dezentralen Netzwerks ohne zentrale Datenbank erfassen.
Der Kontrast ist auffällig: Millionen Identitäten wurden erstellt, doch Nostr verfügt über einen vergleichsweise kleinen Kern regelmäßiger Nutzer. Von der Größe her ist es weit von X, Threads oder Bluesky entfernt, dennoch veröffentlichen Menschen weiterhin Beiträge, senden Bitcoin und entwickeln neue Software darauf.
Buzz deutet darauf hin, dass Nostrs Zukunft über soziale Medien hinausgehen könnte. Portable kryptografische Identitäten und signierte Nachrichten können soziale Feeds unterstützen, aber auch Messaging, Zahlungen, Marktplätze und die Kommunikation zwischen KI-Agenten.
Auch die Entwicklung rund um das Protokoll geht weiter. OpenSats kündigte zwischen Februar und Mai 2026 drei Wellen von Nostr-Förderungen an und finanzierte 13 Projekte in den Bereichen Anwendungen und Infrastruktur.
Nostrs derzeitige Nutzerbasis bleibt im Vergleich zu herkömmlichen sozialen Netzwerken winzig. Kryptografische Schlüssel und Relays sind weiterhin schwer vermittelbar, wenn die Alternative darin besteht, einfach eine App herunterzuladen und eine E-Mail-Adresse einzugeben.
Vielleicht hängt Nostrs Zukunft deshalb weniger davon ab, Millionen Menschen zum Beitritt zu einem neuen sozialen Netzwerk zu bewegen, sondern vielmehr davon, das Protokoll in Produkten verschwinden zu lassen, die sie einfach nutzen möchten. Buzz bietet einen ersten Eindruck davon, wie das aussehen könnte. Sollte Nostr irgendwann ein Mainstream-Publikum erreichen, wissen viele dieser Nutzer möglicherweise nicht einmal, dass sie es verwenden.