Von Bitcoin zu KI: Wie Kryptounternehmen ihre Geschäftsmodelle neu erfinden

Von Bitcoin zu KI: Wie Kryptounternehmen ihre Geschäftsmodelle neu erfinden
Warum Bitcoin-Unternehmen auf KI setzen

​Bitcoin-Miner wenden sich der KI zu, Kryptobörsen entwickeln Tools für autonome Software und Jack Dorseys Unternehmen Block hat ein Sprach-KI-Modell vorgestellt. Was treibt diesen Wandel an, und könnte KI zu einem größeren Geschäft werden als Bitcoin selbst?

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Blocks neues Sprach-KI-Modell steht für einen umfassenderen Wandel

Letzte Woche stellte Block Dessa vor, ein Sprach-KI-Modell, das gleichzeitig zuhören und sprechen kann. Anders als viele herkömmliche Sprachassistenten verarbeitet es gesprochene Sprache direkt und ermöglicht so natürlichere Gespräche mit Unterbrechungen, Lachen, Pausen und wechselnder Betonung.

Dessa kann lokal auf leistungsstarker Consumer-Hardware ausgeführt werden, befindet sich jedoch noch in einer begrenzten Testphase. Block hat keinen Termin für eine öffentliche Veröffentlichung bekannt gegeben; der Zugang ist derzeit ausgewählten Forschenden vorbehalten.

Die Ankündigung stammt von einem Unternehmen, dessen Mitgründer Jack Dorsey seit Langem zu den bekanntesten Unterstützern von Bitcoin zählt. Block war jedoch nie ausschließlich ein Kryptounternehmen. Neben Bitcoin-Produkten wie der Hardware-Wallet Bitkey und Mining-Ausrüstung von Proto betreibt das Unternehmen Square, eine Zahlungsplattform für Unternehmen, und Cash App, eine Finanzdienstleistungs-App. 2020 übernahm es das KI-Startup Dessa. Ehemalige Teammitglieder des Startups wirkten an der Entwicklung des neuen Sprachmodells mit.

Warum Bitcoin-Miner zu KI-Infrastrukturanbietern werden

Für Bitcoin-Miner geht es beim Einstieg in die KI vor allem darum, eine zunehmend wertvolle Ressource besser zu nutzen: Strom. Mining-Unternehmen haben sich jahrelang Stromversorgung, Grundstücke und Industrieanlagen gesichert. Mit der wachsenden Nachfrage nach KI-Rechenleistung sind diese Vermögenswerte für Rechenzentrumsentwickler attraktiv geworden.

Der Wandel verändert bereits ganze Unternehmen. Im April 2026 wurde Bitfarms Teil der neu gegründeten Keel Infrastructure Group, die ihren Schwerpunkt vom Bitcoin-Mining auf KI-Rechenzentren verlagert. Bit Digital fährt unterdessen das Bitcoin-Mining zurück und baut über WhiteFiber Ethereum-Staking und KI-Infrastruktur aus. Beide Unternehmen verringern damit ihre Abhängigkeit von einem Geschäft, dessen Erträge aufgrund der Bitcoin-Kurse und des Wettbewerbs im Mining stark schwanken können.

Galaxy Digital zeigt anschaulich, wie der Übergang funktioniert. Aus dem früheren Bitcoin-Mining-Standort des Unternehmens in Texas ist der KI-Rechenzentrumscampus Helios geworden, dessen Rechenkapazität an CoreWeave vermietet wird. Statt auf Bitcoin-Mining zu setzen, erzielt die Anlage nun Einnahmen, indem sie einem KI-Rechenunternehmen Infrastruktur bereitstellt.

Ein Mining-Standort lässt sich jedoch nicht über Nacht in ein KI-Rechenzentrum umwandeln. KI-Anwendungen erfordern fortschrittlichere Kühlsysteme, Hochgeschwindigkeitsnetzwerke und spezialisierte Rechenausrüstung. Bestehende Stromanschlüsse sind ein Vorteil, doch die Anlagen müssen weiterhin umfassend modernisiert werden.

Warum einige Miner an Bitcoin festhalten

Nicht jedes Unternehmen betrachtet KI als Ersatz für das Mining. MARA und HIVE Digital Technologies bauen ihre KI-bezogene Infrastruktur aus und halten zugleich an umfangreichen Bitcoin-Aktivitäten fest. So können sie von möglichen Bitcoin-Kurssteigerungen profitieren und gleichzeitig zusätzliche Einnahmequellen erschließen.

Der Unterschied wird bei einem Blick auf die Einnahmequellen deutlich. HIVE erzielte im Geschäftsjahr bis März 2026 mit dem Mining von Kryptowährungen 278,3 Millionen US-Dollar, gegenüber 19,5 Millionen US-Dollar mit High-Performance-Computing-Dienstleistungen. Das KI-Geschäft wächst, doch der Großteil der Einnahmen stammt weiterhin aus dem Mining.

Andere Unternehmen sind bereits weiter. TeraWulf meldete im zweiten Quartal 2026 Leasingerlöse aus High-Performance-Computing in Höhe von 31,9 Millionen US-Dollar, was rund 71 % des Gesamtumsatzes entsprach.  

Kryptounternehmen erschließen neue Einsatzfelder im KI-Bereich

Die Verbindung zwischen Kryptowährungen und KI reicht über Mining-Anlagen hinaus. Einige Unternehmen entwickeln Finanztools, mit denen KI-Systeme Transaktionen ausführen, Vermögenswerte verwalten und für Online-Dienste bezahlen können.

Anfang dieses Jahres führte Coinbase Coinbase for Agents ein, mit dem KI-Assistenten innerhalb von von Nutzern festgelegten Grenzen handeln können. Im September erweiterte das Unternehmen den Dienst um Aktien, ETFs sowie Zahlungen für Marktdaten und KI-Modelle.

Unabhängig davon entwickelt Coinbase eine Zahlungsinfrastruktur, über die KI-Agenten digitale Dienste kaufen können. Mit seinem x402-Protokoll können Agenten kleine Beträge für Daten, Software und Rechenressourcen in Stablecoins bezahlen. Außerdem arbeitet das Unternehmen mit Amazon Web Services an einer Infrastruktur für Zahlungen durch autonome Systeme.

Auch traditionelle Zahlungsunternehmen erproben KI-gestützte Transaktionen. Im Oktober demonstrierte Mastercard, wie ein KI-Agent im Rahmen einer beispielhaften Marketingkampagne neun Zahlungen an zwei Dienstleister ausführte. Coinbase stellte die Wallet-Infrastruktur bereit, während sein Base-Netzwerk die Abwicklung auf der Blockchain übernahm. Die Demonstration zeigte, wie ein KI-System innerhalb eines von seinem Betreiber genehmigten Budgets Dienstleistungen kaufen kann.

Warum KI für Unternehmen mit Krypto-Wurzeln attraktiv ist

Das wachsende Interesse an KI spiegelt ein Problem wider, das Kryptounternehmen gut kennen: Die Einnahmen können unvorhersehbar sein. Bitcoin-Miner sind von Kryptowährungskursen, Stromkosten und dem Wettbewerb im Mining abhängig, während Börsen oft mehr verdienen, wenn die Handelsaktivität zunimmt. KI bietet die Möglichkeit, Geschäftsbereiche aufzubauen, die diesen Schwankungen weniger stark ausgesetzt sind.

Strom ist dabei ein besonders wichtiger Faktor. KI-Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Energie, doch der Anschluss ans Stromnetz kann Jahre dauern. Bitcoin-Miner, die bereits über geeignete Standorte verfügen, können daher gegenüber Unternehmen im Vorteil sein, die neue Anlagen errichten. Langfristige Verträge mit KI-Kunden könnten zudem für besser planbare Einnahmen sorgen.              Für Kryptoplattformen liegt eine Chance zum Teil darin, wie KI-Systeme Zahlungen abwickeln. Autonome Agenten müssen möglicherweise Daten, Software und Rechenressourcen kaufen, ohne dass Menschen ständig eingreifen. Stablecoins könnten solche Transaktionen ermöglichen, insbesondere wenn Zahlungen klein, häufig oder grenzüberschreitend sind. Eine breite Nutzung hängt jedoch davon ab, ob diese Systeme sicher funktionieren und Vorteile gegenüber bestehenden Zahlungsmethoden bieten.

Finanziell steht viel auf dem Spiel. Die Umrüstung von Mining-Anlagen zu KI-Rechenzentren erfordert teure Ausrüstung, ausgefeilte Kühlsysteme und Kunden, die sich langfristig binden. Unternehmen, die solche Verträge abschließen, könnten weniger vom Bitcoin-Kurs abhängig werden. Wer hingegen hohe Investitionen tätigt, ohne genügend Nachfrage anzuziehen, riskiert, ein volatiles Geschäft gegen ein anderes einzutauschen.

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