Meld-CEO: Stablecoins werden Banken nicht ersetzen, aber sie werden grenzüberschreitende Zahlungen verändern

Meld-CEO: Stablecoins werden Banken nicht ersetzen, aber sie werden grenzüberschreitende Zahlungen verändern
Interview mit Pankaj Bengani

​Stablecoins werden zu einem immer sichtbarer werdenden Bestandteil der Zahlungsbranche. Ihre Zukunft könnte jedoch weniger darin liegen, das bestehende Finanzsystem zu ersetzen, als vielmehr darin, den Geldtransfer innerhalb dieses Systems zu verbessern. Ihr entscheidender Vorteil besteht darin, Geld schnell und kostengünstig über Grenzen hinweg zu transferieren. In einem Interview mit Traders Union erklärt Pankaj Bengani, Mitgründer und CEO von Meld, warum Banken weiterhin Teil dieses Systems bleiben werden, wie sich grenzüberschreitende Zahlungen verändern könnten und warum Stablecoins letztlich zu einer nahezu unsichtbaren Infrastruktur werden könnten.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Von Zahlungen zu Krypto

Vor der Gründung von Meld arbeitete Pankaj Bengani im Produktbereich und in Partnerschaften bei Block, Yahoo und seinem eigenen Zahlungs-Startup Coin, das schließlich von Fitbit/Google übernommen wurde. Seine Branchenerfahrung machte ihn mit den Kosten und Verzögerungen vertraut, die beim grenzüberschreitenden Geldtransfer entstehen.

Bengani zufolge sind viele der Probleme im heutigen Zahlungssystem nicht auf technologische Einschränkungen zurückzuführen, sondern auf eine Infrastruktur, die sich im Laufe der Zeit angesammelt hat.

„Wenn man lange genug im Zahlungsverkehr arbeitet, entwickelt man eine ganz besondere Art von Frustration. Man sieht genau, wie viel Reibung, Kosten und Verzögerungen in den grenzüberschreitenden Geldtransfer eingebaut sind, und man erkennt, wie willkürlich das ist. Nur sehr wenig am Zahlungsverkehr ist so unveränderlich wie ein Gesetz, ein Code oder die Physik; es handelt sich einfach um angesammelte Geschichte.“

Seine Begegnung mit Bitcoin im Jahr 2012 wurde zu einem Wendepunkt und veränderte sein Verständnis davon, wie sich Werte transferieren lassen.

Wie Block seine Sicht auf Bitcoin prägte

Bengani war rund fünf Jahre bei Jack Dorseys Block tätig. Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit bezog sich jedoch nicht auf eine Wette auf einen bestimmten digitalen Vermögenswert. Vielmehr erkannte er das Potenzial einer offenen Geldinfrastruktur, den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu erweitern.

Seiner Ansicht nach ist dieses Potenzial vor allem für Menschen und kleine Unternehmen relevant, die vom traditionellen Finanzsystem nur unzureichend versorgt werden.

„Ich denke, das Argument für ein offenes, neutrales und erlaubnisfreies Geldprotokoll ist richtig. Wenn diese Idee jedoch einen kleinen Händler oder eine Person ohne ausreichenden Zugang zu Bankdienstleistungen erreichen soll, muss man die Menschen bei der Rechnungseinheit abholen, in der sie ihr Leben tatsächlich kalkulieren. Für den Großteil der Welt sind das derzeit Dollar oder Fiatgeld. Deshalb habe ich die Philosophie übernommen und auf eine andere Ebene des Stacks angewendet.“

Bengani betrachtet Bitcoin weiterhin als wichtigen Vermögenswert, unterscheidet jedoch klar zwischen seiner Rolle als Investment und seiner Eignung für Zahlungen.

„Bitcoin ist meiner Meinung nach ein leistungsfähiger und tiefgreifend transformierender Wertspeicher sowie ein langfristiges Investment; aber noch keine Rechnungseinheit.“

Warum Meld auf Stablecoins setzt

Bengani hält Stablecoins für einen der vielversprechendsten Bereiche des Kryptomarktes, weil ihr Nutzen nicht davon abhängt, ob Menschen Krypto als Investment betrachten.

Im Gegensatz zu volatilen digitalen Vermögenswerten können Stablecoins für normale Nutzer einen klaren Zweck erfüllen: Geld zu transferieren und Zahlungen zu tätigen.

„Stablecoins sind der einzige Bereich von Krypto, bei dem der Anwendungsfall keine persönliche Meinung zu Krypto voraussetzt. Niemand möchte seine Gegenpartei in einem Vermögenswert bezahlen, der sich innerhalb weniger Stunden um 15 % bewegen könnte. Volatilität ist bei einem Investment ein Merkmal und bei einer Zahlung ein Fehler – und der Zahlungsverkehr ist ein weitaus größerer Markt als Spekulation.“

Bengani schätzt, dass der Stablecoin-Markt bereits rund 313 Milliarden US-Dollar wert ist, ihre Nutzung in der Realwirtschaft jedoch weiterhin relativ begrenzt bleibt. Ein großer Teil der Aktivitäten steht nach wie vor mit dem Trading und dem Transfer von Geldern zwischen Börsen und Krypto-Wallets in Verbindung.

Deshalb sieht er die größte Chance darin, ihre Nutzung für Zahlungen auszuweiten.

Nutzer sollten sich nicht für eine Blockchain entscheiden müssen

Die Fragmentierung stellt eine weitere Herausforderung dar. Neben Hunderten lokaler Zahlungsmethoden, die in verschiedenen Ländern genutzt werden, gibt es Dutzende Blockchains und Stablecoins. Entwickler, die in einen neuen Markt eintreten, müssen die Netzwerke, Token und Liquiditätsanbieter häufig selbst auswählen.

Bengani ist überzeugt, dass diese Komplexität letztlich aus der Nutzererfahrung verschwinden sollte. Er vergleicht dieses Modell mit Kartenzahlungen: Ein Visa-Nutzer muss nicht wissen, welcher Acquirer, welches Zahlungsnetzwerk oder welcher Korrespondenzpartner hinter einer Transaktion steht.

„Wenn Sie Ihre Karte in einem Café an ein Terminal halten, wissen Sie nicht, welcher Acquirer die Zahlung verarbeitet hat, welches Netzwerk sie weitergeleitet hat, wie hoch die Interchange-Gebühr war oder welcher Korrespondenzpartner sie abgewickelt hat. Diese Intransparenz ist kein Fehler – sie ist das Produkt. Die Infrastruktur hat die Komplexität absorbiert, damit der Nutzer sie nicht selbst tragen musste.“

Bitcoin, Gold und der Dollar erfüllen unterschiedliche Zwecke

Der Aufstieg dollarbesicherter Stablecoins mag scheinbar im Widerspruch zur Idee von Bitcoin als Alternative zum traditionellen Währungssystem stehen. Bengani sieht beide jedoch nicht als unvereinbar an.

Er trennt die Frage, welches Asset sich besser zur Werterhaltung eignet, von der Frage, welche Infrastruktur für alltägliche Zahlungen praktischer ist.

„Bitcoin und Gold sind Spitzen-Assets, die souverän und von keinem Nationalstaat kontrolliert sind. Daran sollte der Wert gekoppelt sein, und wenn man die Geschichte betrachtet, wurde „hartes Geld“ größtenteils als durch Gold gedecktes Geld definiert.“

Gleichzeitig ist er der Ansicht, dass der US-Dollar attraktiver bleibt als viele Landeswährungen, die schneller an Wert verlieren.

„Der US-Dollar ist wohl besser als viele globale Währungen, die schneller an Wert verlieren. Meiner Meinung nach ist der US-Dollar langfristig nicht so robust wie Gold oder Bitcoin. Aber das ist nicht die These, auf der wir Meld aufbauen. Bei Meld geht es darum, die Möglichkeiten für den Zugang zu Geld günstiger, schneller und besser zu machen. Der Markt wird entscheiden, ob „hartes Geld“ durch Gold, Bitcoin oder ein anderes Asset gedeckt sein wird.“

Stablecoins werden Banken nicht abschaffen

Trotz des Wachstums blockchainbasierter Zahlungen erwartet Bengani nicht, dass Banken aus dem System verschwinden. Die Reserven von Stablecoins bleiben an Bankeinlagen und staatliche Wertpapiere gebunden, während die Regulierung diese Beziehung zunehmend formalisiert.

„Stablecoins werden größtenteils eine darüberliegende Ebene sein – und ich glaube nicht, dass das eine Niederlage ist. Die Reserven liegen in US-Staatsanleihen und Bankeinlagen, und im Rahmen des GENIUS Act ist diese Beziehung nun gesetzlich festgeschrieben, statt umgangen zu werden. Jeder Gründer, der Ihnen erzählt, Stablecoins würden Banken vollständig aus der Vermittlung drängen, verkauft Ihnen etwas.“

Einige Teile der Bankeninfrastruktur könnten jedoch deutlich kleiner werden. Bengani verweist auf das Korrespondenzbankwesen, das für internationale Zahlungen nach wie vor weit verbreitet ist, als eines der deutlichsten Beispiele.

„Teile des Banking-Stacks werden jedoch „ersetzt“: Das Korrespondenzbankwesen wird schlanker werden. Die Kette aus Nostro- und Vostro-Konten, die eine grenzüberschreitende Zahlung heute durchläuft, ist langsam, teuer, hinsichtlich der endgültigen Kosten intransparent und schrumpft. Stablecoins reduzieren diese Kette auf ein einziges Settlement-Ereignis.“

Von Banken ausgegebene Stablecoins könnten den Markt beschleunigen

Bengani sieht die Aussicht, dass große Banken ihr eigenes digitales Geld herausgeben, eher als Chance für Infrastrukturplattformen denn als Bedrohung.

Er zieht einen Vergleich zu Visa, das unverzichtbar wurde, als immer mehr Banken ihre eigenen Karten herausgaben und eine gemeinsame Infrastruktur benötigten, um diese miteinander zu verbinden.

„Betrachten Sie die Analogie richtig. Visa hat nicht verloren, als jede Bank der Welt begann, ihre eigenen Karten herauszugeben. Genau in diesem Moment wurde Visa unverzichtbar, denn hundert Herausgeber mit hundert Kartenprogrammen schaffen genau ein Problem, dessen Lösung sich lohnt: Interoperabilität.“

Aus Bengani’s Sicht könnte eine stärkere Ausgabe von Stablecoins durch Banken die Verbreitung unter Einlegern und Händlern ebenfalls ausweiten und dadurch den Bedarf an einer Infrastruktur erhöhen, die verschiedene Herausgeber miteinander verbindet.

Stablecoins sollten unsichtbar werden

Langfristig erwartet Bengani nicht, dass die meisten Nutzer bei jedem Kauf oder Geldtransfer bewusst einen bestimmten Stablecoin auswählen. Wie bei den heutigen Kartenzahlungen sollte die zugrunde liegende Technologie in den Hintergrund treten.

„Die günstigsten, schnellsten und am besten kombinierbaren Primitives werden sich durchsetzen. Derzeit sind das zufällig Stablecoins.“

Das letztendliche Ziel sei, so Bengani, dass Nutzer überhaupt nicht mehr über die Technologie nachdenken, die die Zahlung ermöglicht.

„Das Ziel lautet: unsichtbar. Zahlungsinfrastruktur ist nur dann erfolgreich, wenn niemand über sie spricht.“
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