Ein exklusiver Club: Brauchen Anleger Hedgefonds noch?

Ein exklusiver Club: Brauchen Anleger Hedgefonds noch?
Warum werden Hedgefonds benötigt?

​Jahrzehntelang galten Hedgefonds als Domäne der wohlhabendsten Anleger. Sie versprachen Schutz vor Marktturbulenzen und Zugang zu anspruchsvollen Strategien. Doch im Juli geschah etwas, das die Vorteile dieses „Clubs für die Elite“ weit weniger offensichtlich erscheinen ließ.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Die Wette auf KI geht nach hinten los

Der Juli wurde zu einem der schlechtesten Monate für Hedgefonds seit Jahrzehnten. Laut Goldman Sachs verzeichneten die beliebtesten Hedgefonds-Positionen im Vergleich zum S&P 500 ihre schlechteste Wertentwicklung seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als 20 Jahren.

Der Hauptgrund war eine Kehrtwende bei KI-bezogenen Aktien. Hedgefonds hatten ihr Engagement im Technologiesektor im zweiten Quartal aktiv erhöht, während die Portfolio-Umschlagshäufigkeit den höchsten Stand seit 2021 erreichte. Goldman wies darauf hin, dass Halbleiteraktien und Mega-Cap-Technologieunternehmen besonders beliebt waren. Im Juli begannen die Fonds, diese Positionen aggressiv abzubauen.

Spezialisierte Technologiestrategien wurden am stärksten getroffen. Laut Hedge Fund Research verloren technologieorientierte Hedgefonds im Juli rund 7 % – ihre schlechteste Monatsperformance seit Januar 2008. Zum Vergleich: Der Nasdaq 100 fiel im selben Zeitraum um mehr als 5 %, während Hedgefonds insgesamt durchschnittlich 1,1 % verloren.

Einige Manager erlitten deutlich größere Verluste. Altimeter Capital Management verlor im Monatsverlauf rund 11 %, während Marshalls Wace-Fonds Eureka um 6,9 % fiel. Das auffälligste Beispiel war Situational Awareness, ein auf KI fokussierter Fonds unter der Leitung des 24-jährigen Leopold Aschenbrenner. Sein Wert brach um rund 67 % ein, woraufhin der Manager den Großteil des Portfolios unter dem Druck der Kreditgeber an Citadel verkaufen musste.

Warum Anleger weiterhin Geld in Hedgefonds investieren

Der Rückschlag im Juli wirkt vor dem Hintergrund der Ergebnisse des vorangegangenen Quartals besonders auffällig. Laut Hedge Fund Research stieg das verwaltete Vermögen der Hedgefondsbranche zwischen April und Juni um 409,3 Milliarden US-Dollar – der größte Quartalszuwachs aller Zeiten. Ende Juni verwaltete die Branche ein Rekordvermögen von 5,6 Billionen US-Dollar.

Diese Zahlen spiegeln teilweise die Art von Anlegern wider, die Hedgefonds anziehen. Zu ihren Kunden zählen vor allem wohlhabende Privatpersonen, Family Offices, Pensionsfonds und andere große institutionelle Anleger. Sie sind bereit, Managern Geld anzuvertrauen, die mehr können, als lediglich Aktien und Anleihen zu kaufen: Hedgefonds können Märkte leerverkaufen, Leverage und Derivate einsetzen sowie mit Währungen und Rohstoffen handeln. Für die meisten Privatanleger bleibt dieses Format unerreichbar, da die Mindestanlagen häufig mehrere Hunderttausend US-Dollar betragen.

Im zweiten Quartal führte diese Freiheit, unterschiedliche Strategien einzusetzen, zu erheblichen Gewinnen. Von dem gesamten Vermögenszuwachs entfielen 364 Milliarden US-Dollar auf die Anlageperformance, während weitere 45,2 Milliarden US-Dollar aus neuen Kundengeldern stammten. Die Nettozuflüsse der vergangenen drei Quartale erreichten 134 Milliarden US-Dollar – der höchste Wert für einen solchen Zeitraum seit 2007.

Eine der größten Gewinnquellen war derselbe KI-Boom, der den Fonds später im Juli schadete. Der HFRI Equity Hedge Fund Technology Index legte in der ersten Jahreshälfte um 19 % zu. Auch andere Strategien entwickelten sich gut: Event-Driven-Fonds gewannen 7,4 %, während Strategien für notleidende Schuldtitel um 12,4 % zulegten.

Zusätzliche Gelder flossen in Hedgefonds, als Kapital aus Private Equity und Private Credit abzog. Bei diesen Anlagen kann das Geld fünf bis sieben Jahre gebunden bleiben, während viele Hedgefonds Anlegern ermöglichen, ihr Kapital innerhalb weniger Monate zurückzufordern.

Große Anleger werden auch von der Diversifizierung angezogen, die Hedgefonds bieten können. Manager können Kapital auf verschiedene Märkte verteilen und nicht nur dann Gewinne anstreben, wenn Vermögenswerte steigen, sondern auch, wenn sie fallen oder Preisunterschiede entstehen.

Was ohne 1 Million US-Dollar auf dem Bankkonto möglich ist

Für die meisten Privatanleger bleiben Hedgefonds ein verschlossener Markt. Das bedeutet jedoch nicht, dass es unmöglich ist, ohne sie ein diversifiziertes Portfolio aufzubauen. Die direkteste Möglichkeit besteht darin, Aktien zu kaufen und Anleihen eigenständig zu erwerben. Aktien bieten die Chance, von Unternehmenswachstum und Dividenden zu profitieren, während Staats- und Unternehmensanleihen ein planbareres Einkommen ermöglichen können.

Wer keine einzelnen Unternehmen auswählen möchte, findet eine große Auswahl an Index-ETFs. Ein einzelner Fonds kann Hunderte von Aktien halten und beispielsweise den S&P 500 oder den breiteren Markt abbilden. Die Einstiegshürde beschränkt sich in der Regel auf den Preis eines einzelnen Anteils, und die Anlage kann während des Handelstags verkauft werden. Die Gebühren von Indexfonds sind zudem typischerweise deutlich niedriger als die Verwaltungskosten von Hedgefonds.

Der defensive Teil eines Portfolios kann mit anderen Instrumenten aufgebaut werden. Anleger nutzen Gold, kurzfristige Staatsanleihen, Geldmarktfonds und Bankeinlagen. REITs bieten eine weitere Möglichkeit, in Immobilien zu investieren. Anleger erhalten dadurch einen Anteil an den Einnahmen aus Büros, Lagerhäusern, Einkaufszentren oder Wohnimmobilien, ohne die Immobilien direkt kaufen zu müssen.

Die Realität ohne Hollywood-Glamour

Viele Menschen haben die Fernsehserie Billions gesehen, die die Welt der Hedgefonds romantisierte: riesige Vermögen, komplexe Geschäfte und Manager, die dem Markt scheinbar immer einen Schritt voraus sind. Die Realität ist deutlich härter. Der Juli zeigte, dass selbst Fonds mit Zugang zu Top-Analysten, teuren Daten und ausgefeilten Strategien sich zu stark auf eine einzige Idee festlegen und dadurch erhebliche Verluste erleiden können.

Das macht Hedgefonds nicht nutzlos. Für große Kapitalpools bleiben sie eine Möglichkeit, auf Strategien zuzugreifen, die sich nur schwer eigenständig nachbilden lassen. Die meisten Privatanleger benötigen dieses Maß an Komplexität jedoch schlicht nicht. Aktien, Anleihen, ETFs, Gold und andere zugängliche Instrumente ermöglichen den Aufbau eines diversifizierten Portfolios, ohne einem teuren „Club für die Elite“ beizutreten.

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