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Jahrelang waren humanoide Roboter beeindruckende Maschinen ohne klaren Einsatzzweck. Nun halten sie Einzug in Fabriken, ziehen Milliardeninvestitionen an und lernen, mehr zu tun, als nur zu laufen, zu tanzen oder einen Rückwärtssalto zu schlagen. Hat künstliche Intelligenz eines der ältesten Versprechen der Technologie endlich in ein tragfähiges Geschäftsmodell verwandelt?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Unitree Robotics aus China lieferte diese Woche einen eindrucksvollen Test für diesen Optimismus. Der Hersteller humanoider Roboter legte bei seinem Börsendebüt in Shanghai kräftig zu, nachdem er rund 900 Millionen US-Dollar aufgenommen hatte, während Investoren um Zugang zu dem buhlten, was viele als nächste Entwicklungsstufe der künstlichen Intelligenz betrachten. Unitree ist bereits profitabel und lieferte im vergangenen Jahr mehr als 5.500 humanoide Roboter aus.
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Die Begeisterung geht weit über einen einzigen Börsengang hinaus. Morgan Stanley erwartet, dass die Auslieferungen humanoider Roboter aus China in diesem Jahr 50.000 erreichen und bis 2030 um fast das Neunfache steigen. Investoren richten ihren Blick zunehmend über Software, Chips und Rechenzentren hinaus, die den ersten KI-Boom vorangetrieben haben, hin zu Maschinen, die diese Intelligenz in der physischen Welt einsetzen können.
Humanoide Roboter sind keineswegs neu. Honda stellte im Jahr 2000 ASIMO vor und demonstrierte eine Maschine, die laufen, Treppen steigen und mit Menschen interagieren konnte. Später machte Boston Dynamics Humanoide mit Videos von Atlas, der lief, sprang und Parkour machte, zu einem viralen Phänomen.
Der kommerzielle Nutzen war weniger überzeugend. Ingenieure konnten Maschinen bauen, die bemerkenswerte Bewegungen ausführten, doch ihnen beizubringen, unbekannte Umgebungen zu verstehen und verschiedene Aufgaben zuverlässig zu erledigen, blieb deutlich schwieriger.
KI könnte diese Gleichung verändern. Neue Modelle können Sprache und Bilder interpretieren, Handlungen planen und aus Demonstrationen lernen. Statt jede Bewegung einzeln zu programmieren, arbeiten Entwickler an Robotern, die Anweisungen verstehen und ihr Verhalten anpassen können.
China hat sich zum Zentrum des Produktionswettlaufs entwickelt. Unitree produziert bereits Humanoide in großem Maßstab, während Wettbewerber wie AgiBot und UBTech ihre Produktion ausweiten. Chinesische Hersteller profitieren zudem von einer Lieferkette für Motoren, Batterien, Sensoren und andere Komponenten, die sich rund um Branchen wie Elektrofahrzeuge und Unterhaltungselektronik entwickelt hat.
Die Aktien von Unitree schlossen am ersten Handelstag 460 % über ihrem Ausgabepreis. Das zeigt, wie groß die Begeisterung für den Sektor bereits ist.
Die populäre Vorstellung ist ein humanoider Roboter, der kocht, putzt und alltägliche Hausarbeiten erledigt. Die kurzfristige Geschäftschance wirkt deutlich weniger glamourös.
Fabriken und Lager bieten kontrollierte Umgebungen, sich wiederholende Aufgaben und klare Arbeitskosten, an denen ein Roboter gemessen werden kann. Tesla entwickelt Optimus teilweise für den Einsatz in der Produktion, während Figure AI und andere Entwickler auf industrielle Anwendungen und Logistik setzen.
Einige Roboter werden bereits einem ernsthaften Praxistest unterzogen. Während eines elfmonatigen Einsatzes im BMW' s-Werk in Spartanburg, South Carolina, arbeitete Figure AIs Figure 2 an einer laufenden Produktionslinie, bewegte mehr als 90.000 Komponenten und trug zur Produktion von über 30.000 Fahrzeugen bei.
Die humanoide Form bietet zudem einen praktischen Vorteil. Fabriken, Treppen, Werkzeuge und Arbeitsplätze wurden für Menschen konzipiert, sodass eine Maschine mit ungefähr menschlichen Abmessungen in der bestehenden Infrastruktur eingesetzt werden könnte.
Dieses Versprechen ist im Massenmarkt noch nicht bewiesen. Auf der dieswöchigen World Robot Conference in Peking boxten, tanzten und spielten Humanoide Tischtennis. Ein Roboter, der etwas Alltäglicheres versuchte, hatte Schwierigkeiten, ein Hemd zu falten.
Chinas rasche Expansion macht es zudem schwieriger, die echte kommerzielle Nachfrage von der Begeisterung für die Branche zu unterscheiden. Staatliche Unterstützung und ein wachsendes Startup-Ökosystem helfen der Technologie bei der Reifung, während die Hersteller weiterhin beweisen müssen, dass Humanoide Unternehmen einen ausreichenden Mehrwert bieten, damit diese sie in großem Maßstab einsetzen.
Unitree verkörpert diese Spannung. Das Unternehmen ist über den Verkauf von Robotern als technologische Kuriositäten hinausgewachsen, doch ein großer Teil der Branche hängt weiterhin von Demonstrationen, Forschung und Pilotprojekten ab und nicht von kommerziellen Einsätzen im großen Maßstab.
Humanoide bieten Investoren etwas, das Software-KI nicht kann: Zugang zur physischen Wirtschaft. Erfolgreiche Maschinen könnten künftig in der Produktion, Logistik, Gesundheitsversorgung und im Dienstleistungssektor eingesetzt werden, während alternde Bevölkerungen in vielen Industrieländern den Druck erhöhen, Arbeitsplätze zu automatisieren, die zunehmend schwer zu besetzen sein könnten.
Sie könnten zudem die KI-Investitionskette erweitern. Rechenzentren schufen Nachfrage nach Chips, Energie und Kühlung; physische KI bringt Motoren, Sensoren, Batterien und Produktionskapazitäten hinzu.
Die Branche hat bereits bewiesen, dass humanoide Roboter außergewöhnliche Demonstrationen liefern können. Der Börsengang von Unitree deutet darauf hin, dass Investoren zunehmend glauben, dass daraus auch ein echtes Geschäft werden kann. Die nächste Phase wird von etwas deutlich Alltäglicherem abhängen: ob genügend Unternehmen nützliche Aufgaben für diese Roboter finden.