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Tether schuf den weltweit größten Stablecoin, indem das Unternehmen einen anderen Weg als große Teile der Finanzbranche einschlug. Seitdem verfolgt es denselben Ansatz bei Regulierung, Investitionen und einer Expansion weit über den Kryptobereich hinaus. Die größere Frage lautet nun: Wie weit lässt sich diese Strategie ausdehnen?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Die Antwort ist wichtig, weil Tether längst nicht mehr nur das Unternehmen hinter USDT ist. Dank Gewinnen in Milliardenhöhe hat das Unternehmen in Energie, Bitcoin-Mining, Landwirtschaft, künstliche Intelligenz, Telekommunikation und weitere Geschäftsbereiche investiert. Uruguay sollte Teil dieser Expansion werden, doch das Projekt endete stattdessen in einem kostspieligen Streit.
Tether trat 2023 in den uruguayischen Markt ein, angelockt von den erneuerbaren Energiequellen des Landes und den Plänen, seine Mining-Präsenz in Lateinamerika auszubauen. Nach einem Streit mit dem staatlichen Versorger UTE über Stromverträge und unbezahlte Rechnungen wurden schließlich zwei Mining-Standorte vom Netz genommen. Das gescheiterte Projekt kostete Tether nach Angaben mit dem Vorgang vertrauter Personen rund 120 Millionen US-Dollar.
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Der Verlust ist im Vergleich zu Tethers Erträgen gering. Bedeutsam ist er vor allem deshalb, weil er zeigt, dass das Unternehmen zunehmend bereit ist, große Wetten weit außerhalb des Geschäfts einzugehen, das seinen Erfolg begründet hat.
Dem Rückschlag in Uruguay ging eine weitere unkonventionelle strategische Entscheidung voraus. Als die Europäische Union ihre Verordnung über Märkte für Kryptowerte einführte, entschied sich Tether gegen eine Zulassung von USDT und wandte sich insbesondere gegen die Anforderungen an die Stablecoin-Reserven. Circle schlug den entgegengesetzten Weg ein und sicherte sich eine Zulassung für USDC, während regulierte europäische Plattformen USDT zunehmend einschränkten.
Tether hat Europa jedoch nicht aufgegeben. Das Unternehmen investierte in den europäischen Stablecoin-Emittenten StablR, während seine Tokenisierungsplattform Hadron vom regulierten niederländischen Emittenten Quantoz eingesetzt wurde. Auch der Verzicht auf eine MiCA-Zulassung hat USDT bislang nicht ernsthaft geschwächt.
Bis Ende Juni hatte die USDT-Emission rund 184,6 Milliarden US-Dollar erreicht. Gleichzeitig meldete Tether einen operativen Gewinn von 1,5 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal und einen Reservepuffer von 4,11 Milliarden US-Dollar. In diesem Monat wurde zudem ein lange erwarteter Meilenstein erreicht: KPMG U.S. schloss Tethers erste vollständige Prüfung des Jahresabschlusses ab und erteilte ein uneingeschränktes Prüfungsurteil zu den Abschlüssen für 2025.
Tethers Erfolg hat dem Unternehmen ein ungewöhnliches Problem beschert: Was soll es mit dem verdienten Geld tun? Zunehmend lautet die Antwort: investieren.
Die Interessen des Unternehmens erstrecken sich inzwischen auf Bitcoin-Mining, erneuerbare Energien, künstliche Intelligenz, Telekommunikation, Landwirtschaft und weitere Branchen. Insbesondere das Mining ist zu einem bedeutenden Geschäftsbereich geworden. Tether meldet inzwischen mehr als 15 aktive Standorte.
Tether hat seine Mining-Ambitionen bereits zuvor deutlich größer dargestellt. Im Juni 2025 sagte CEO Paolo Ardoino voraus, dass das Unternehmen bis Ende desselben Jahres zum weltweit größten Bitcoin-Miner werden würde.
„Realistisch betrachtet wird Tether bis Ende dieses Jahres zum größten Bitcoin-Miner überhaupt werden“, sagte Ardoino.
Es gibt keine öffentlich zugänglichen Belege dafür, dass Tether dieses Ziel erreicht hat. Das Unternehmen veröffentlicht nicht genügend Informationen zu seiner Mining-Hashrate, um einen direkten Vergleich mit den größten Betreibern zu ermöglichen, und hat später nicht behauptet, die Spitzenposition erreicht zu haben. Einen Monat nach Ardoinos Prognose trennte UTE Tethers zwei Mining-Anlagen in Uruguay vom Netz.
Das unmittelbare Problem war die Stromversorgung. Tether und UTE waren sich uneinig darüber, wie viel Strom die Anlagen beziehen durften. Das Unternehmen beantragte zusätzliche Kapazitäten, während der Versorger die vertraglich vereinbarten Mengen als Obergrenzen betrachtete. Als der Streit eskalierte, wurden die Zahlungen eingestellt, und die meisten lokalen Beschäftigten wurden schließlich entlassen.
Möglicherweise gab es auch ein grundlegenderes Problem mit dem Standort. Uruguay verfügt über ein weitgehend erneuerbares und zuverlässiges Stromsystem, doch Bitcoin-Mining hängt stark davon ab, Strom günstig genug zu beziehen, um profitabel zu bleiben.
Der Mining-Spezialist Nicolas Ribeiro brachte es unverblümt auf den Punkt: „Uruguay ist für Mining nicht rentabel.“
Der Vorfall verdeutlicht ein allgemeineres Problem der Diversifizierung. Expertise im Bereich digitaler Dollar lässt sich nicht automatisch auf Stromverträge, Energieinfrastruktur oder industrielle Abläufe übertragen.
Bitcoin-Mining bleibt Teil dieser Ambitionen. Im April stellte das Unternehmen neue modulare Systeme vor, die gemeinsam mit Canaan und ACME Swisstech entwickelt wurden und eine bessere Kontrolle über Energieverbrauch, Kühlung und Betriebskosten ermöglichen sollen.
Das Unternehmen dringt auch in andere Bereiche vor. In diesem Monat kündigte Tether eine Partnerschaft in Saudi-Arabien an, bei der seine Hadron-Plattform zur Tokenisierung institutioneller Immobilien eingesetzt werden soll. Außerdem baut das Unternehmen seine Aktivitäten in den Bereichen künstliche Intelligenz, Gold und weiteren Geschäftsfeldern aus, die weit von dem Stablecoin entfernt sind, mit dem es bekannt wurde.
Einige dieser Geschäftsbereiche passen natürlicher zusammen als andere. Energie kann das Mining unterstützen, während Zahlungen und Tokenisierung weiterhin eng mit Tethers ursprünglicher Expertise verbunden sind. Künstliche Intelligenz, Landwirtschaft und andere Investitionen führen das Unternehmen deutlich weiter von seinen Ursprüngen weg.
Bislang gibt es kaum Anzeichen dafür, dass der Verzicht auf MiCA oder die Expansion über Stablecoins hinaus Tethers Kerngeschäft geschwächt hat. USDT bleibt dominant, die Gewinne bleiben beträchtlich, und ein Verlust von 120 Millionen US-Dollar ist für ein Unternehmen von Tethers Größe verkraftbar.
Mit der Ausweitung seines Portfolios ähnelt Tether jedoch zunehmend einer privat kontrollierten Investmentgruppe, deren äußerst profitables Stablecoin-Geschäft das Kapital für Vorhaben in zahlreichen Branchen bereitstellt. Der Erfolg in diesen Geschäftsbereichen erfordert Fähigkeiten, die die Ausgabe von USDT nicht zwangsläufig vermittelt.
Geld zu haben, um in eine Branche einzusteigen, und zu wissen, wie man darin erfolgreich ist, sind zwei verschiedene Dinge. Mit der Ausweitung von Tethers Ambitionen stellt sich daher zunehmend die Frage, ob das Unternehmen seine Milliarden ebenso erfolgreich investieren kann, wie es sie erwirtschaftet hat.