Überschwemmungen, Erdbeben und Hurrikans: Wie Kryptowährungen humanitäre Hilfe beschleunigen können

Überschwemmungen, Erdbeben und Hurrikans: Wie Kryptowährungen humanitäre Hilfe beschleunigen können
Kryptowährungen gegen Naturkatastrophen

​Krypto-Unternehmen sind nach Erdbeben, Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen zunehmend in den Fokus gerückt und spenden weltweit Millionen für Nothilfemaßnahmen. Ripple ist das jüngste Unternehmen, das nach den verheerenden Überschwemmungen in Nepal und Tibet Hilfe leistet. Doch kann Kryptotechnologie über die Spenden hinaus tatsächlich dazu beitragen, humanitäre Hilfe effizienter zu gestalten?

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Ripple teilte mit, 300.000 US-Dollar an World Central Kitchen und Mercy Corps zu spenden, die betroffene Gemeinden mit Mahlzeiten, sauberem Wasser und Unterstützung bei der Sanitärversorgung versorgen. Die durch einen Gletscherabbruch ausgelösten Überschwemmungen am 26. August haben mehr als 900 Menschen das Leben gekostet. Tausende gelten weiterhin als vermisst, während Rettungsteams nur schwer in Gebiete vordringen können, die durch beschädigte Straßen und Brücken abgeschnitten sind.

World Central Kitchen arbeitet mit lokalen Restaurants zusammen, um in Nepals Distrikten Rasuwa und Nuwakot Mahlzeiten zu verteilen, während Mercy Corps die Unterstützung bei der Wasser- und Sanitärversorgung koordiniert. Die Spende baut zudem Ripples bestehendes Engagement für beide Organisationen aus, darunter Projekte, bei denen Blockchain-Technologie zur Weiterleitung humanitärer Gelder eingesetzt wird.

Krypto-Unternehmen haben bereits früher auf Katastrophen reagiert

Ripple unterstützt World Central Kitchen seit 2020 und gibt an, nach Hurrikans und anderen Katastrophen Geld sowie XRP gespendet zu haben. Andere Krypto-Unternehmen haben sowohl konventionelle Spenden als auch die direkte Übermittlung digitaler Vermögenswerte an von Notlagen betroffene Menschen erprobt.

Nach den Erdbeben in der Türkei und Syrien im Jahr 2023 verteilte Binance BNB im Wert von rund 100 US-Dollar an berechtigte Nutzer in den am stärksten betroffenen Gebieten. Später spendete das Unternehmen dem Spanischen Roten Kreuz 3 Millionen US-Dollar nach den Überschwemmungen in Valencia, während Binance Charity nach dem Erdbeben in Myanmar und Thailand bis zu 1,5 Millionen US-Dollar zusagte.

Warum können Kryptowährungen nach einer Katastrophe nützlich sein?

Geschwindigkeit ist vielleicht der deutlichste Vorteil, denn internationale humanitäre Gelder können Banken, Korrespondenznetzwerke und lokale Finanzinstitute durchlaufen, bevor sie Organisationen oder Einzelpersonen erreichen. Blockchain-Zahlungen können rund um die Uhr abgewickelt werden und Grenzen überschreiten, ohne dieselbe Kette von Vermittlern zu durchlaufen.

Das kann entscheidend sein, wenn Stunden statt Tage zählen. World Central Kitchen testet Ripple Payments und RLUSD, um lokale Restaurants und andere Partner zu bezahlen. Die Organisation erklärt, dass die Technologie die Abwicklungszeiten von Tagen auf Stunden verkürzen kann.

Der Vorteil besteht nicht darin, dass digitales Geld beschädigte physische Infrastruktur ersetzen kann. Katastrophenhilfe ist weiterhin auf Rettungskräfte, Krankenhäuser, Lebensmittelzulieferer, Straßen und funktionierende lokale Organisationen angewiesen. Blockchain könnte stattdessen einen bestimmten Teil dieses Systems verbessern: Finanzielle Mittel schneller zu diesen Organisationen und Menschen zu bringen.

Bargeld ist bereits eine wichtige Form humanitärer Hilfe, weil Empfänger und lokale Organisationen selbst entscheiden können, was sie am dringendsten benötigen. UNICEF verteilte 2024 Bargeldhilfen in Höhe von 688 Millionen US-Dollar an 3,5 Millionen Haushalte und vermittelte damit einen Eindruck von der Größenordnung, in der humanitäre Zahlungen bereits erfolgen.

Stablecoins verändern die Funktionsweise von Krypto-Hilfe

Bei der frühen Krypto-Philanthropie ging es größtenteils um Spenden in Bitcoin oder anderen volatilen Vermögenswerten. Stablecoins bieten einen anderen Ansatz, da sie über die Blockchain-Infrastruktur transferiert werden können, ohne eine Hilfsorganisation denselben Preisschwankungen auszusetzen. Eine NGO, die 10.000 US-Dollar erhält, kann vernünftigerweise davon ausgehen, bei der Bezahlung von Lieferanten noch nahezu denselben Betrag zur Verfügung zu haben.

UNICEF experimentiert seit dem Start seines CryptoFund im Jahr 2019 mit Kryptowährungen und hat das Programm 2026 um die Annahme von USDC erweitert. Die Organisation hält Stablecoins für potenziell nützlich bei humanitären Zahlungen, weil sie Blockchain-Abwicklung mit relativer Preisstabilität verbinden.

Ripple und Mercy Corps testen in Kenia ein stärker automatisiertes Modell. Ihr Programm nutzt Satellitendaten zur Überwachung von Dürrebedingungen und Smart Contracts, um RLUSD-Hilfen auszulösen, sobald vordefinierte Bedingungen erfüllt sind. Empfänger können über Kenias M-Pesa-System auf den Wert zugreifen, wodurch Blockchain-Infrastruktur mit einer lokal bereits weit verbreiteten Zahlungsmethode verbunden wird.

Direkte Krypto-Zahlungen bringen ebenfalls Probleme mit sich

Die direkte Übermittlung digitaler Vermögenswerte an Katastrophenopfer kann beim letzten Schritt Probleme verursachen. Empfänger benötigen möglicherweise ein Smartphone, Internetzugang und ein gewisses Verständnis digitaler Wallets, während auf Börsen basierende Verteilungen davon abhängen können, dass die Menschen bereits verifizierte Konten besitzen. Nach dem Erdbeben in der Türkei und Syrien hatten einige Empfänger zudem Schwierigkeiten, gespendete Kryptowährungen in die lokale Währung umzutauschen oder direkt damit zu bezahlen.

Eine Möglichkeit besteht darin, einen Großteil der Krypto-Infrastruktur im Hintergrund zu halten. In einem UNHCR-Programm für vertriebene Ukrainer wurde USDC an digitale Wallets übertragen und konnte anschließend über MoneyGram in die lokale Währung umgewandelt werden. Ziel war es nicht, Flüchtlinge zu Krypto-Nutzern zu machen, sondern einen weiteren Zugang zu Bargeld bereitzustellen, wenn der Zugang zu herkömmlichen Bankdienstleistungen schwierig war.

Blockchain kann auch die Nachverfolgung von Transfers erleichtern, wobei diese Transparenz Grenzen hat. Ein Ledger kann zeigen, dass 50.000 US-Dollar eine bestimmte Wallet erreicht haben, aber nicht beweisen, dass das Geld Medikamente gekauft hat oder die Hilfe tatsächlich die Menschen erreicht hat, die sie am dringendsten benötigten.

Kryptowährungen sind möglicherweise dann am nützlichsten, wenn die Menschen sie kaum bemerken

Der Beitrag für Nepal und Tibet zeigt, dass traditionelle Spenden weiterhin wertvoll sind. Ripples 300.000 US-Dollar müssen nicht in XRP oder RLUSD ankommen, um Mahlzeiten, Wasser und Sanitärversorgung zu finanzieren, während etablierte Organisationen vor Ort weiterhin bestimmen, wo diese Ressourcen benötigt werden. Die interessantere Entwicklung findet hinter diesen Spenden statt, da Stablecoins für die Bezahlung von Lieferanten, die Auszahlung von Bargeldhilfen und die Freigabe von Unterstützung bei vordefinierten Bedingungen getestet werden.

Der überzeugendste Anwendungsfall im humanitären Bereich könnte daher einer sein, bei dem Katastrophenopfer kaum mit Kryptowährungen in Berührung kommen. Für eine Familie ist weit weniger wichtig, ob Geld über eine Blockchain transferiert wurde, als ob die Hilfe rechtzeitig eintraf und tatsächlich genutzt werden konnte. Wenn Kryptowährungen diesen Weg zuverlässig verkürzen können, ohne den letzten Schritt schwieriger zu machen, könnten Naturkatastrophen zu einem der deutlichsten Tests dafür werden, ob die Technologie Probleme jenseits der Kryptowelt lösen kann.

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