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MoneyGram hilft Menschen seit Jahrzehnten dabei, Geld rund um die Welt zu senden. Nun verfügt das Unternehmen über einen eigenen Stablecoin und eine neue Visa-Karte, die mit digitalen Dollar verknüpft ist. Warum expandiert ein Unternehmen, das auf traditionelle Geldtransfers ausgerichtet ist, jetzt so stark in den Kryptobereich?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Am 10. September führte MoneyGram die MoneyGram Card ein, eine von Stablecoins gedeckte Visa-Karte, die gemeinsam mit dem Zahlungsunternehmen Rain entwickelt wurde. Die virtuelle Karte ist zunächst in Kolumbien verfügbar und ermöglicht es Kunden, überall dort USDC auszugeben, wo Visa akzeptiert wird – auch über Apple Pay und Google Pay. Eine physische Version und die Ausweitung auf weitere Märkte sind geplant.
Die Karte ist mit dem Stablecoin-Guthaben in der MoneyGram-App verbunden. Dadurch können Kunden digitale Dollar halten und sie über Visa ausgeben. Außerdem können sie Geld von ihrem Guthaben transferieren und über das Bargeldnetz von MoneyGram in Landeswährung abheben, wodurch digitale Dollar mit den physischen Standorten verbunden werden, die Kunden bereits kennen.
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„Wir geben unseren Kunden mehr Freiheit und Kontrolle bei der Verwaltung ihres Geldes – alles an einem Ort“, sagte CEO Anthony Soohoo. Er fügte hinzu, dass die Karte ein stabiles Dollar-Guthaben, alltägliche Ausgaben und den Zugang zu Bargeld miteinander verbinde.
Die neue Karte ist der jüngste Schritt einer Krypto-Strategie, die bereits Jahre zuvor begann. 2021 schloss MoneyGram eine Partnerschaft mit der Stellar Development Foundation, um sein globales Bargeldnetz mit USDC zu verbinden. Dadurch konnten Kunden schließlich an teilnehmenden Standorten zwischen digitalen Dollar und physischem Bargeld wechseln.
Die Idee war eher praktisch als spekulativ. MoneyGram wollte Überweisungskunden nicht zu Krypto-Tradern machen. Stattdessen nutzte die Partnerschaft Stablecoins als weitere Möglichkeit, Geld grenzüberschreitend zu transferieren und gleichzeitig digitale Vermögenswerte mit dem bestehenden Bargeldnetz von MoneyGram zu verbinden.
Diese Beziehung wurde weiter ausgebaut, während MoneyGram zusätzliche Dienstleistungen rund um Stablecoins entwickelte. In unterstützten Märkten können Kunden inzwischen Gelder in einem auf Dollar lautenden Stablecoin-Guthaben empfangen, dort halten und selbst entscheiden, wann sie es in Bargeld umwandeln möchten.
MoneyGram ging im Juni 2026 mit der Einführung von MGUSD einen größeren Schritt. Dabei handelt es sich um den eigenen, durch den US-Dollar gedeckten Stablecoin auf Stellar. Der Token wird von dem zu Stripe gehörenden Unternehmen Bridge ausgegeben und wurde für den Einsatz im gesamten Zahlungsnetzwerk von MoneyGram konzipiert.
Ein eigener Stablecoin eröffnet dem Unternehmen eine weitere Möglichkeit, Finanzdienstleistungen rund um digitale Dollar aufzubauen, anstatt lediglich als Brücke zwischen Krypto und Bargeld zu dienen. Die neue Visa-Karte nutzt zunächst USDC, MoneyGram plant jedoch, MGUSD hinzuzufügen und damit möglicherweise die eigene digitale Währung direkt mit alltäglichen Ausgaben zu verbinden.
Traditionelle Geldüberweisungen können den Transfer von Geld zwischen Ländern, Währungen, Banken und Zahlungsnetzwerken umfassen, wobei häufig mehrere Vermittler beteiligt sind. Stablecoins bieten eine weitere Möglichkeit, einen auf Dollar lautenden Wert rund um die Uhr grenzüberschreitend zu transferieren, ohne auf dieselbe Kette traditioneller Finanzintermediäre angewiesen zu sein.
Für MoneyGram könnte die Chance über effizientere Transfers hinausgehen. Traditionell sendet ein Kunde Geld oder hebt Bargeld ab, und die Transaktion ist beendet. Wenn dieser Kunde digitale Dollar empfangen, sie auf einem MoneyGram-Guthaben halten, mit einer Visa-Karte ausgeben und bei Bedarf Bargeld abheben kann, bleibt das Unternehmen auch nach Abschluss des ursprünglichen Transfers eingebunden.
Sein physisches Netzwerk könnte in diesem Modell besonders wertvoll sein. MoneyGram ist in mehr als 200 Ländern und Gebieten tätig und verfügt weltweit über Hunderttausende Einzelhandelsstandorte. Krypto-Unternehmen können Stablecoins online transferieren, doch die Umwandlung digitaler Dollar in nutzbares lokales Bargeld bleibt in vielen Märkten, die von Überweisungsunternehmen bedient werden, wichtig.
MoneyGram ist nicht allein. Sein langjähriger Rivale Western Union brachte im Mai auf Solana den eigenen, durch den US-Dollar gedeckten Stablecoin USDPT auf den Markt. Im August folgte Stablecard, eine Kombination aus digitaler Wallet und einer durch USDPT gedeckten Visa-Karte.
Die beiden Rivalen entwickeln nun ähnliche Produkte. Beide kombinieren Stablecoins mit Visa-verknüpften Karten und bestehenden Überweisungsnetzwerken, und beide setzen bei der Karteninfrastruktur auf Rain. Western Union führte Stablecard in 37 Märkten ein und plant, bis Ende 2026 mehr als 60 Märkte zu erreichen. MoneyGram beginnt den Rollout seiner Karte dagegen in Kolumbien, bevor eine weitere Expansion erfolgt.
Der Wettbewerb geht über traditionelle Überweisungsunternehmen hinaus. PayPal hat rund um PYUSD ein wachsendes Zahlungsökosystem aufgebaut, während Visa und Mastercard ihre Stablecoin-Kompetenzen ausweiten. Auch Stripe wird über Bridge, das Unternehmen hinter der Ausgabe von MoneyGrams MGUSD, zunehmend Teil dieser Infrastruktur.
Es ist durchaus ironisch, dass MoneyGram und Western Union Blockchain annehmen. Krypto basierte teilweise auf der Idee, Geld könne ohne traditionelle Finanzintermediäre direkt zwischen Menschen transferiert werden – und stellte damit scheinbar Unternehmen infrage, deren Geschäftsmodell vom grenzüberschreitenden Geldtransfer abhing.
Stattdessen integrieren diese Unternehmen die Technologie in bereits bestehende Netzwerke. Ihr Vorteil besteht darin, dass Kunden nicht unbedingt Blockchains oder die Infrastruktur für die Abwicklung verstehen müssen. Sie sehen digitale Dollar in einer App, geben sie mit einer vertrauten Karte aus oder wandeln sie an einem physischen Standort in Bargeld um.
Damit sind nicht alle Probleme gelöst. Der Umtausch zwischen Stablecoins und lokalen Währungen kann weiterhin Kosten verursachen, während sich Regulierung und Zugang von Markt zu Markt unterscheiden. Für viele Kunden könnte Blockchain jedoch zunehmend im Hintergrund vertrauter Finanzprodukte stehen, anstatt ein vollständig separates Krypto-Erlebnis zu erfordern.
MoneyGram wird traditionelle Transfers oder Bargeld wohl nicht so bald aufgeben. Sein physisches Netzwerk bleibt einer seiner größten Vorteile, insbesondere in Märkten, in denen Kunden weiterhin stark auf Bargeld angewiesen sind. Stablecoins könnten diesem Netzwerk eine digitale Ebene hinzufügen, anstatt es zu ersetzen.
Die größere Veränderung könnte die Beziehung von MoneyGram zu seinen Kunden betreffen. Das Unternehmen half Menschen jahrzehntelang dabei, Geld zu senden und zu empfangen. Nun bietet es ihnen zunehmend auch eine Möglichkeit, dieses Geld zu halten und auszugeben sowie problemlos zwischen digitalen Dollar und Bargeld zu wechseln. Wenn diese Strategie fortgesetzt wird, könnte MoneyGram allmählich zu etwas werden, das über das Überweisungsunternehmen hinausgeht, als das es ursprünglich aufgebaut wurde.