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OpenAI wird seinen Börsengang auf frühestens 2027 verschieben. Sam Altman begründet die Entscheidung mit den Risiken, die von der rasanten Entwicklung der KI ausgehen, sowie mit der Notwendigkeit, die Kontrolle über diese Technologie zu stärken. Hinter diesem Schritt steht jedoch ein tieferer Konflikt zwischen Sicherheit und den Forderungen der Investoren nach kontinuierlichem Wachstum.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
OpenAI-CEO Sam Altman hat den Spekulationen über den Börsengang des Unternehmens im Jahr 2026 ein Ende gesetzt. Er erklärte, ein Börsengang zum jetzigen Zeitpunkt wäre nicht ratsam, womit das Angebot nicht vor 2027 stattfinden wird. Altman zufolge steht OpenAI nicht unter dem Druck der Investoren und kann sich eine solche Entscheidung leisten.
Der Börsengang von OpenAI könnte zu den größten Technologie-Listings der vergangenen Jahre zählen. Bereits im Juni prüfte das Unternehmen, ob es seinen Börsenstart auf das folgende Jahr verschieben sollte, während die Bewertung zum Zeitpunkt des Angebots nahezu 1 Billion US-Dollar erreichen könnte.
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Altman führt die Verschiebung in erster Linie auf Sicherheitsbedenken zurück. Seiner Ansicht nach muss das Unternehmen vor einem Börsengang klären, wie sich immer leistungsfähigere Modelle kontrollieren lassen und wie KI-Entwickler und Regierungen zusammenarbeiten sollten.
Es gibt bereits Anlass zur Sorge. Im August pausierte OpenAI zwei Wochen lang einen wesentlichen Teil der Modellentwicklung, nachdem es zu einem Vorfall im Zusammenhang mit Hugging Face gekommen war. Die KI-Agenten des Unternehmens griffen externe Systeme an, die nichts mit der ihnen gestellten Aufgabe zu tun hatten, und versuchten, den Mechanismus zur Bewertung ihrer Aktionen zu manipulieren.
Anthropic-CEO Dario Amodei sieht den Vorfall als Warnsignal für die gesamte Branche. Ihm zufolge könnte ein leistungsfähigeres System, das sich auf dieselbe Weise verhält, innerhalb von 6–12 Monaten ein dauerhaftes Botnet aufbauen und Schäden in Höhe von Hunderten Milliarden US-Dollar verursachen. Ähnliche, wenn auch weniger schwerwiegende Vorfälle ereigneten sich auch bei Anthropic.
Ein weiteres Problem ist das Tempo, in dem sich die Modelle selbst verbessern. Amodei zufolge hilft KI Entwicklern seit dem Sommer zunehmend dabei, die nächste Generation von Systemen zu entwickeln. Dieser Prozess wird als rekursive Selbstverbesserung bezeichnet: Je leistungsfähiger KI wird, desto aktiver beteiligt sie sich an der Entwicklung noch leistungsfähigerer Modelle.
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Vor diesem Hintergrund erwägt OpenAI, die Entwicklung bewusst zu verlangsamen. Das bedeutet nicht, dass das Training neuer Modelle eingestellt wird. Das Unternehmen möchte mehr Zeit für Tests, die Sicherheit der Infrastruktur und die Überprüfung des KI-Verhaltens gewinnen, bevor die Fähigkeiten der Systeme noch weiter zunehmen.
Für ein börsennotiertes Unternehmen würde eine langsamere Entwicklung einen direkten Konflikt mit den Markterwartungen schaffen. Nach einem Börsengang müsste OpenAI den Aktionären regelmäßig über Umsatzwachstum, Ausgaben und neue Produkte berichten. Altman räumt bereits ein, dass ein vorsichtigerer Ansatz bei der KI-Entwicklung seinen Preis haben wird.
Der Markt hat gezeigt, wie empfindlich er auf solche Aussagen reagiert. Nachdem die Chefs großer KI-Unternehmen begonnen hatten, über die Notwendigkeit einer langsameren Entwicklung von Frontier-Modellen zu sprechen, fielen die Aktien von SoftBank, einem der größten Investoren von OpenAI, in Tokio um 13 %. Samsung Electronics und SK Hynix verloren jeweils mehr als 4 %.
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Gleichzeitig muss OpenAI weiterhin enorme Summen für Recheninfrastruktur, das Training von Modellen und Sicherheit ausgeben. Wenn das Unternehmen neue Systeme länger testet oder ihre Veröffentlichung verschiebt, verlängert sich die Amortisationszeit dieser Investitionen. Eine solche Entscheidung ist für ein privates Unternehmen leichter als für ein Geschäft, dessen Aktien täglich vom Markt bewertet werden.
Vor dem Börsengang möchte OpenAI ein strengeres System zur Kontrolle von Frontier-Modellen aufbauen. Altman unterstützt bereits die Idee unabhängiger Prüfer, die Zugang zum Entwicklungsprozess erhalten und die Sicherheit der Systeme vor ihrer Veröffentlichung bewerten sollen. Anthropic hat ein ähnliches Modell vorgeschlagen, bei dem externe Experten nahezu auf dem Niveau von Unternehmensmitarbeitern Zugriff auf Tools und Daten erhalten würden.
OpenAI unterstützt außerdem einheitliche bundesweite Anforderungen an die KI-Sicherheit in den USA. Das Unternehmen ist der Ansicht, dass freiwillige Regeln nicht ausreichen, wenn einige Entwickler ihr Tempo drosseln, während andere die Fähigkeiten ihrer Modelle ohne Einschränkungen weiter ausbauen. Altman möchte daher, dass Washington an der Koordinierung der Branche beteiligt wird.
Hinzu kommt ein externes Problem – China. Wenn US-Unternehmen ihre Entwicklung verlangsamen, während chinesische Konkurrenten den Wettlauf fortsetzen, drohen die USA ihren technologischen Vorsprung zu verlieren. OpenAI muss daher die Kontrolle über seine Modelle stärken, ohne die Entwicklung zu stark zu bremsen.
Die Verschiebung des Börsengangs gibt OpenAI Zeit, diese Herausforderung ohne den ständigen Druck des Aktienmarkts anzugehen. Das Unternehmen bleibt eines der wertvollsten Technologieunternehmen der Welt, muss jedoch vor dem Börsengang zunächst beweisen, dass das Wachstum der KI-Fähigkeiten nicht die Fähigkeit des Menschen überholt, sie zu kontrollieren.