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Ein einziger Softwarefehler kann Tausende Unternehmen weltweit lahmlegen. In den vergangenen Jahren verursachten fünf große digitale Ausfälle geschätzte Verluste von 7 Milliarden US-Dollar. Warum führen Fehler einzelner Entwickler zu derart weitreichenden Folgen – und wer trägt letztlich die Kosten?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Moderne Unternehmen sind zunehmend auf wenige Anbieter von Cloud-Infrastruktur, Netzwerkdiensten und Unternehmenssoftware angewiesen. Fällt einer dieser Anbieter aus, greift das Problem schnell über den eigenen Betrieb hinaus: Händler verlieren Umsatz, Banken verlieren den Zugang zu ihren Kunden, Fluggesellschaften streichen Flüge und Unternehmen können ihre alltäglichen Geschäftssysteme stundenlang nicht nutzen.
Die genauen Kosten solcher Vorfälle zu berechnen, ist schwierig. Manche Schätzungen berücksichtigen entgangene Umsätze, andere konzentrieren sich auf Ausfallzeiten von Beschäftigten, Entschädigungen für Kunden, Kosten der Systemwiederherstellung oder Versicherungsansprüche.
Daher lassen sich diese Zahlen nicht einfach wie Posten einer Finanzbilanz addieren. Dennoch ermöglichen sie einen Vergleich der Größenordnung von fünf großen Vorfällen, deren geschätzte Verluste von mehreren Hundert Millionen bis zu mehreren Milliarden US-Dollar reichen.
Im November 2025 beeinträchtigte ein Ausfall bei Cloudflare mehrere Stunden lang Dienste weltweit. Betroffen waren OpenAI, Shopify, X, Spotify, Canva, Coinbase und zahlreiche weitere Unternehmen, die auf die Infrastruktur des Anbieters für die Bereitstellung von Inhalten, den Schutz von Websites und die Verwaltung des Internetverkehrs angewiesen sind.
Die Ursache war weitaus weniger dramatisch als die Folgen. Nach einer Änderung an der Konfiguration einer internen Datenbank erzeugte das System eine übergroße Konfigurationsdatei, die sich in der Cloudflare-Infrastruktur verbreitete und Fehler auslöste.
Für die Kunden war das Ergebnis eindeutig: Ein einzelner interner Fehler bei einem Anbieter machte die Dienste zahlreicher Unternehmen unerreichbar.
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Forrester schätzte die dadurch entstandenen Geschäftsverluste auf mehr als 250 Millionen US-Dollar. Ein erheblicher Teil dürfte auf den E-Commerce entfallen sein, wo jede Minute Ausfallzeit verpasste Bestellungen und entgangene Umsätze bedeutete.
Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich 2017 bei Amazon Web Services. Während Wartungsarbeiten gab ein AWS-Mitarbeiter einen falschen Parameter in einen Befehl ein und nahm dadurch versehentlich mehr Server als beabsichtigt vom Netz.
Der Ausfall in einer Amazon-S3-Region dauerte etwa vier Stunden – genug, um zahlreiche Websites und Unternehmensanwendungen zu beeinträchtigen. Laut dem Analyseunternehmen Cyence erlitten Unternehmen im S&P 500 Verluste von etwa 150 Millionen US-Dollar, während sich die geschätzten Verluste im US-Finanzsektor auf weitere 160 Millionen US-Dollar beliefen.
Die kombinierten Verluste dieser beiden Gruppen allein wurden auf etwa 310 Millionen US-Dollar geschätzt. In der Berechnung waren viele kleinere Unternehmen nicht berücksichtigt, sodass die tatsächlichen Kosten höher gewesen sein könnten.
Im April 2018 stellte die britische Bank TSB ihre Kunden auf eine neue IT-Plattform um. Doch die Migration verlief nicht wie geplant: Kunden verloren den Zugang zum Onlinebanking und zur mobilen App, bei Zahlungen und Kontostandsanzeigen traten Fehler auf, und die Störung dauerte weit länger als nur einige Stunden.
Probleme während der Infrastrukturumstellung machten aus einem routinemäßigen Betriebsablauf einen Wettlauf gegen die Zeit. Tausende Geschäftskunden beschwerten sich, dass sie wegen des Ausfalls keine Transaktionen durchführen konnten.
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In US-Dollar umgerechnet bezifferte TSB die Kosten und entgangenen Umsätze auf etwa 420 Millionen US-Dollar. Darin enthalten waren Entschädigungen für Kunden, zusätzliche Personalkosten, Ausgaben für die Systemwiederherstellung, erlassene Gebühren und Verluste durch Betrug.
Die Aufsichtsbehörden verhängten später eine separate Geldstrafe von etwa 62 Millionen US-Dollar gegen die Bank, weil es bei der Vorbereitung und Durchführung der Migration Mängel gegeben hatte.
Im Oktober 2025 kam es erneut zu einem großen Ausfall bei Amazon Web Services, das bereits zuvor erwähnt wurde. Die Probleme begannen in der Region US-East-1 und betrafen zahlreiche Unternehmen, die AWS für Datenspeicherung, das Hosting von Anwendungen und andere Cloud-Dienste nutzen.
Selbst Kunden, deren eigene Systeme einwandfrei funktionierten, konnten sie praktisch nicht nutzen, weil die benötigten Dienste nicht verfügbar waren. Parametrix schätzte die Verluste für US-Unternehmen durch den Vorfall auf etwa 500 bis 650 Millionen US-Dollar.
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Der teuerste Vorfall auf unserer Liste ereignete sich ein Jahr zuvor. Im Juli 2024 veröffentlichte CrowdStrike ein Update für seine Sicherheitssoftware Falcon, das dazu führte, dass etwa 8,5 Millionen Windows-Computer abstürzten oder nicht ordnungsgemäß hochfuhren.
Der Ausfall betraf Fluggesellschaften, Banken, Krankenhäuser, Händler und andere Organisationen weltweit. Delta Air Lines strich Tausende Flüge und bezifferte die eigenen Verluste später auf etwa 500 Millionen US-Dollar, einschließlich entgangener Umsätze und Kosten für die Wiederherstellung des Betriebs.
Die finanziellen Gesamtauswirkungen waren jedoch deutlich größer. Laut Parametrix erlitten allein die Fortune-500-Unternehmen – Microsoft ausgenommen – Verluste von etwa 5,4 Milliarden US-Dollar. Auf das Gesundheitswesen entfielen rund 1,9 Milliarden US-Dollar, während die Finanzdienstleister mehr als 1 Milliarde US-Dollar verloren.
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Anders als bei den übrigen Vorfällen waren beim CrowdStrike-Ausfall die Computer der Kunden direkt betroffen. Dadurch wurde eine zentrale Wiederherstellung erschwert, da viele Geräte manuell wiederhergestellt werden mussten. Den größten Teil der finanziellen Belastung trugen letztlich die betroffenen Unternehmen selbst.
Experten schätzten, dass Versicherungen nur etwa 10–20% der Verluste der Fortune 500 abdecken würden. Ein Anbieter kann einen Teil seiner Servicegebühren erstatten und ein Versicherer bestimmte Ausgaben übernehmen. Entgangene Umsätze, Ausfallzeiten von Beschäftigten und Betriebsstörungen gehen jedoch häufig weiterhin zulasten der Kunden.
Die fünf untersuchten Vorfälle verursachten geschätzte Verluste von etwa 7 Milliarden US-Dollar, doch diese Zahl bildet die gesamten finanziellen Folgen digitaler Ausfälle nicht ab. Verschiedene Studien verwenden unterschiedliche Methoden, während Verluste kleinerer Unternehmen, Reputationsschäden und manche indirekten Kosten oft vollständig unberücksichtigt bleiben.
Die Kosten eines digitalen Ausfalls hängen heute weniger von der Größe des Unternehmens ab, bei dem er seinen Ursprung hat, als von der Zahl der Unternehmen, die auf dessen Infrastruktur angewiesen sind. Da Banken, Händler, Fluggesellschaften und Finanzdienstleister kritische Abläufe zunehmend auf eine Handvoll Anbieter konzentrieren, kann ein lokal begrenzter technischer Fehler leichter zu einem finanziellen Ereignis mit Kosten von Hunderten Millionen oder sogar Milliarden US-Dollar werden.