Der Tweet wurde vom Autor gelöscht.
Aber wir haben alles gespeichert 🙂.
Kryptowährungen versprachen, Geldtransaktionen transparenter zu machen. In der Praxis haben sie der Korruption jedoch neue Werkzeuge gegeben, mit denen Millionenbeträge außerhalb traditioneller Bankkanäle bewegt werden können. Doch dieses System hat einen Schwachpunkt: Digitales Geld hinterlässt eine Spur, die sich kaum löschen lässt.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Im Jahr 2026 veröffentlichte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) einen umfangreichen Bericht über die Korruptionsbekämpfung in mehr als 50 Ländern. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass in vielen Ländern nicht das Fehlen von Antikorruptionsgesetzen das Problem ist, sondern ihre praktische Umsetzung.
Beitrag auf X ansehen Wird geladen...
Die öffentliche Auftragsvergabe gehört weiterhin zu den anfälligsten Bereichen. Regierungen kaufen darüber Medikamente ein und bauen Straßen, Schulen und Infrastruktur, wobei sie Aufträge im Wert gewaltiger Summen vergeben. Allein in den OECD-Ländern entfallen rund 13 % des BIP auf die öffentliche Auftragsvergabe. Nach Schätzungen, die von der Organisation angeführt werden, können Korruption und schlechtes Management weltweit zum Verlust von 8 % bis 25 % der öffentlichen Investitionen führen.
Die OECD ist der Ansicht, dass digitale Technologien dabei helfen können, verdächtige Geschäfte zu erkennen. Systeme können beispielsweise feststellen, wenn ein Unternehmen ungewöhnlich viele Ausschreibungen gewinnt, wenn sich wiederholt zu wenige Bieter beteiligen oder wenn ein bestimmter Beamter regelmäßig Aufträge an dieselben Lieferanten vergibt. Solche Instrumente werden jedoch bislang nur in begrenztem Umfang eingesetzt. Von den 40 untersuchten Ländern nutzt nur die Hälfte Datenanalyse, KI, Blockchain oder andere digitale Technologien, um Risiken bei der öffentlichen Auftragsvergabe zu erkennen. Datenanalyse wird von 16 Ländern eingesetzt, KI dagegen nur von drei.
Die Blockchain ist noch weniger verbreitet. Das einzige konkrete Beispiel in der Studie ist Peru. Seit 2019 erfasst die staatliche Behörde Perú Compras Bestellungen aus elektronischen Katalogen und Gebote von Lieferanten auf einer Blockchain. Diese Aufzeichnungen lassen sich schwerer unbemerkt verändern, während die Echtheit der Dokumente mithilfe eines QR-Codes überprüft werden kann.
Doch dieselbe Technologie, die Regierungen dabei hilft, Transaktionen zu erfassen und Dokumente zu überprüfen, hat korrupten Akteuren auch eine neue Möglichkeit gegeben, Geld zu transferieren. Ein Bestechungsgeld erfordert nicht mehr zwingend Bargeld, ein Bankkonto oder ein Offshore-Unternehmen. Kryptowährung kann innerhalb weniger Minuten direkt an eine Wallet gesendet werden.
Eines der bekanntesten Beispiele betrifft den FTX-Gründer Sam Bankman-Fried. Nach Angaben des US-Justizministeriums genehmigten er und seine Mitarbeiter eine Kryptowährungszahlung von rund 40 Millionen US-Dollar, die für chinesische Beamte bestimmt war. Ziel war es, die Freigabe von Krypto-Konten von Alameda Research im Wert von etwa 1 Milliarde US-Dollar zu erwirken.
Beitrag auf X ansehen Wird geladen...
Es gab auch direktere Fälle. Im Jahr 2022 beschuldigten US-Staatsanwälte zwei chinesische Geheimdienstmitarbeiter, versucht zu haben, einen US-Regierungsmitarbeiter zu bestechen. Sie zahlten ihm rund 41.000 US-Dollar in Bitcoin im Austausch für ein vertrauliches Dokument. Der Empfänger arbeitete in Wirklichkeit mit dem FBI zusammen, sodass die Zahlung Teil der Beweismittel in dem Fall wurde.
Ein weiteres Problem entsteht, wenn Beamte Kryptowährungen nutzen, um die Herkunft ihres Vermögens zu erklären. Jemand kann beispielsweise behaupten, Bitcoin vor vielen Jahren gekauft zu haben, als der Kurs zehn- oder hundertmal niedriger war. Eine solche Behauptung zu überprüfen, ist schwieriger als die Prüfung eines Bankkontos oder einer Immobilie: Ermittler benötigen das Kaufdatum, die Wallet-Adresse und die Transaktionshistorie.
Doch Kryptowährung an die Wallet einer anderen Person zu senden, ist bei Weitem nicht die einzige Möglichkeit, davon zu profitieren. Wenn ein Politiker oder ihm nahestehende Organisationen ihren eigenen Token herausgeben, können interessierte Parteien den Vermögenswert am Markt kaufen. Ein solcher Kauf ist an sich keine Bestechung, kann jedoch einen Interessenkonflikt schaffen – insbesondere dann, wenn Token-Inhaber Zugang zu dem Politiker erhalten.
Das bekannteste Beispiel ist der TRUMP -Memecoin, der kurz vor Donald Trumps Amtseinführung im Januar 2025 gestartet wurde. Einige Monate später lud das Projektteam die 220 größten Token-Inhaber zu einem Abendessen mit dem Präsidenten in dessen Golfclub in Virginia ein. Die größten Investoren erhielten zusätzliche Privilegien, darunter Zugang zu einem separaten Empfang.
Die Situation weckte bei Demokraten und Ethikexperten Bedenken. Sie argumentierten, dass Token-Käufer, darunter ausländische Investoren, große Summen in einen mit dem Präsidenten verbundenen Vermögenswert investieren und zugleich die Möglichkeit erhalten könnten, ihn persönlich zu treffen. Gleichzeitig wird die Identität von Inhabern von Kryptowährungs-Wallets nicht auf dieselbe Weise offengelegt wie Informationen über traditionelle politische Spenden.
Im Jahr 2026 wurde diese Debatte über Interessenkonflikte Teil des umfassenderen Streits über die Krypto-Regulierung. Während der Beratungen über den CLARITY Act schlugen Senatoren vor, gewählten Bundesbeamten und ihren Ehepartnern die Ausgabe digitaler Vermögenswerte zu verbieten und zugleich zu verlangen, dass große Krypto-Bestände verkauft oder in einen Blind Trust eingebracht werden. Donald Trump stimmte einigen dieser Beschränkungen zu, obwohl die Meinungsverschiedenheiten über seine Krypto-Vermögenswerte bestehen blieben.
Krypto-Schemata haben eine Eigenschaft, die Bargeld nicht besitzt: Die meisten Transaktionen auf öffentlichen Blockchains können noch Jahre später eingesehen werden. Das Netzwerk erfasst die Absender- und Empfängeradressen, den Betrag und den Zeitpunkt der Übertragung. Der Name des Wallet-Inhabers wird nicht angezeigt, doch Ermittler können eine Adresse anhand von Kryptobörsen, Banktransaktionen, beschlagnahmten Geräten und anderen Daten einer Person zuordnen.
Diese Methoden werden bereits in der Praxis eingesetzt. Im Jahr 2026 deckte die italienische Guardia di Finanza ein System auf, bei dem es um nicht deklarierte Kryptowährungsgewinne von mehr als 1 Million € ging. Die Ermittler gingen von der Hardware-Wallet des Verdächtigen aus, rekonstruierten die Transaktionskette und ordneten einige der Überweisungen zentralisierten Kryptobörsen zu. Diese Anhaltspunkte können Ermittlern dabei helfen, von einer anonymen Adresse zu einem konkreten Besitzer zu gelangen.
Kriminelle machen Geldströme ständig komplizierter, indem sie Gelder zwischen verschiedenen Blockchains verschieben, Transaktionen in kleinere Beträge aufteilen und Krypto-Geldwäschedienste nutzen. Laut Chainalysis erhielten bekannte illegale Krypto-Adressen im Jahr 2025 mindestens 154 Milliarden US-Dollar – 162 % mehr als im Vorjahr. Doch selbst eine lange Transaktionskette bleibt auf der Blockchain erhalten und kann noch Jahre später rekonstruiert werden.
Die Blockchain zeigt jedoch lediglich die Bewegung des Geldes. Sie kann nicht feststellen, ob eine Überweisung von 1 Million US-Dollar eine Investition, die Bezahlung einer Dienstleistung oder ein Bestechungsgeld an einen Beamten war. Ermittler müssen weiterhin die Inhaber der Wallets identifizieren und nachweisen, dass das Geld im Austausch für eine konkrete Entscheidung oder Dienstleistung übertragen wurde. Kryptowährungen allein können Korruption nicht stoppen – sie verändern lediglich die Art und Weise, wie Geld transferiert wird. Im Gegensatz zu Bargeld bewahren öffentliche Blockchains jedoch eine digitale Spur, auf die Ermittler selbst Jahre später zurückgreifen können.