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Indien erlebt einen der größten Börsengänge seiner Geschichte. Die National Stock Exchange des Landes, kurz NSE, hat bereits Gebote von mehr als 10 Mrd. $ für ein Angebot im Volumen von 2,3 Mrd. $ erhalten. Doch der wichtigste Wachstumsmotor der Börse verliert bereits seit einiger Zeit an Dynamik.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Der IPO der NSE wurde abgeschlossen, wobei die Nachfrage das Angebot deutlich übertraf. Über drei Tage gaben Anleger Gebote für 505,8 Millionen Aktien ab, während lediglich 88,6 Millionen Aktien angeboten wurden. Der IPO war damit insgesamt 5,7-fach überzeichnet.
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Der Großteil der Nachfrage kam von Großanlegern. Institutionelle Investoren boten für das 12,7-Fache der ihnen zugeteilten Aktien. Vermögende und andere nicht institutionelle Anleger zeichneten das 6,6-Fache ihres Kontingents, während der Anteil für Privatanleger 1,4-fach überzeichnet war.
Noch bevor der eigentliche IPO begann, verkaufte die NSE Aktien im Wert von rund 703 Mio. $ an Ankerinvestoren. Zu den Käufern gehörten Staatsfonds aus Abu Dhabi und Norwegen, während die Life Insurance Corporation of India der größte Teilnehmer war.
Die NSE-Aktien wurden zu einem Preis zwischen 17,72 $ und 18,60 $ je Aktie angeboten, was einer Bewertung von rund 46 Mrd. $ entspricht. Der Handelsstart wird für den 24. September erwartet. Die NSE selbst erhält keine Erlöse aus dem IPO, da sämtliche Aktien von bestehenden Aktionären verkauft werden.
Gemessen am Gewinn ist die NSE deutlich höher bewertet als ihre US-Konkurrenten. Zum IPO-Preis wird die Börse mit dem 42,9-Fachen des Jahresgewinns bewertet, verglichen mit etwa dem 23,6-Fachen bei Nasdaq und dem 21,9-Fachen bei Intercontinental Exchange.
Das höhere Gewinnmultiple bedeutet jedoch nicht, dass die NSE die weltweit größten Börsenbetreiber gemessen an der Größe bereits überholt hat. Zum Vergleich: Intercontinental Exchange wird mit etwa 90,5 Mrd. $ bewertet, Hong Kong Exchanges mit 64,5 Mrd. $ und Nasdaq mit 53,1 Mrd. $.
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Anleger sind bereit, diesen Aufschlag zu zahlen, weil die NSE in Indien eine dominante Stellung einnimmt. Die Börse wickelt rund 93 % des indischen Kassahandels mit Aktien und nahezu den gesamten Handel mit Aktienfutures ab. In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der registrierten Anleger auf der Plattform um etwa 40 % auf mehr als 129 Millionen gestiegen.
Das Wachstum der NSE fiel mit einer deutlichen Expansion des indischen Aktienmarkts zusammen. Der Anteil von Aktien und Investmentfonds an den jährlichen finanziellen Ersparnissen der Haushalte stieg von 2 % im Jahr 2012 auf 15,2 % im Geschäftsjahr bis März 2025.
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Auch der Wert der Beteiligungen früher NSE-Investoren ist stark gestiegen. Der Investmentfonds von Azim Premji erwarb 2008 für rund 100 Mio. $ einen Anteil von 3 % an der Börse. Vor dem IPO wurde diese Beteiligung mit mehr als 1 Mrd. $ bewertet.
Ein weiterer Großaktionär, Avenue-Supermarts-Gründer Radhakishan Damani, besitzt 39 Millionen NSE-Aktien. Seine Beteiligung war vor der Börsennotierung rund 835 Mio. $ wert. Zu den weiteren Großaktionären gehören die Familien der Infosys-Gründer, mit Motilal Oswal und der IIFL Group verbundene Investoren sowie mit der Hero Group und Haldiram verbundene Unternehmen.
Die NSE hat jedoch eine Schwachstelle: ihre Abhängigkeit vom Derivatehandel. Rund 80 % der Börsenerlöse stammen aus der Handelstätigkeit, wobei Optionen einen erheblichen Teil dieses Geschäfts ausmachen. Nach strengeren Vorschriften und höheren Steuern sind die Handelsvolumina bei Derivaten gegenüber ihrem Höchststand von 2024 um etwa 27 % gefallen.
Diese Verlangsamung hat sich bereits auf die Geschäftsergebnisse ausgewirkt. Im Geschäftsjahr bis März 2026 sanken die operativen Erlöse der NSE um 3,1 %, während der Gewinn um 15,5 % zurückging. Analysten von Bernstein erwarten, dass sich das Wachstum des indischen Derivatemarkts im Geschäftsjahr 2027 auf etwa 5 % verlangsamt.
Die NSE versucht, ihre Abhängigkeit von Derivaten zu verringern. In den vergangenen 15 Monaten hat die Börse Strom- und Erdgas-Futures, elektronische Goldquittungen sowie eine nationale Kohlebörse eingeführt. Das Unternehmen hofft, dass neue Produkte und andere Marktsegmente das langsamere Wachstum im Optionshandel ausgleichen werden.
Trotz der Verlangsamung bei ihrer wichtigsten Einnahmequelle und ihrer hohen Bewertung war die Nachfrage nach NSE-Aktien um ein Mehrfaches größer als das Angebot. Anleger setzen nicht nur auf die Börse selbst, sondern auch auf die anhaltende Expansion des indischen Aktienmarkts und die wachsende Zahl von Privatanlegern.