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Meta versucht seit mehr als einem Jahrzehnt, Virtual Reality zum Mainstream zu machen. Die Technologie hat sich dramatisch verbessert, doch klobige VR-Headsets sind noch immer nichts, was Menschen täglich tragen möchten. Mit VR Glasses will Meta das ändern.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Meta hat VR Glasses vorgestellt – ein 1.299-$-Gerät mit einem Gewicht von rund 100 Gramm und damit etwa einem Fünftel des Gewichts der Quest 3. Die für Frühjahr 2027 angekündigte Brille sieht eher wie eine übergroße Brille aus als wie die festgeschnallten Headsets, die Virtual Reality geprägt haben.
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Die deutliche Gewichtsreduzierung hat jedoch einen wichtigen Haken. Meta hat kein komplettes High-End-VR-Headset in diese Brillenfassung gepackt. Stattdessen wurden Prozessor, Akku und Speicher in einen separaten Puck ausgelagert, der per Kabel verbunden ist und an einer Tasche oder einem Kleidungsstück befestigt werden kann. Der Puck selbst wiegt rund 300 Gramm.
Was auf dem Gesicht bleibt, ist dennoch ungewöhnlich leistungsfähig. Die Brille von Meta nutzt Micro-OLED-Displays, bietet eine kombinierte 5K-Auflösung und unterstützt Augen- und Handtracking ohne Controller. Das Unternehmen positioniert sie für 3D-Filme, immersive Live-Sportübertragungen, Gaming, holografische Videoanrufe und die Arbeit mit mehreren virtuellen Bildschirmen.
Das Gerät ist außerdem das erste VR-Produkt mit Zertifizierung für IMAX-Enhanced-Inhalte. Meta zufolge ermöglicht der Akku bis zu drei Stunden kontinuierliche Medienwiedergabe in hoher Auflösung.
VR-Hardware ist deutlich leistungsfähiger geworden, doch ein hartnäckiges Problem sitzt weiterhin auf dem Kopf der Nutzer. Die Quest 3 wiegt rund 500 Gramm, während Apples Vision Pro noch schwerer ist. Beim Gaming mag das vertretbar sein, doch wenn ein Gerät stundenlang Fernseher oder Computerbildschirm ersetzen soll, fällt das Gewicht stärker ins Gewicht.
Das Gewicht beeinflusst auch, wie lange Menschen VR nutzen möchten. Ein Gerät, das für einen kompletten Film oder ein Live-Sportereignis gedacht ist, muss deutlich länger bequem bleiben als während einer kurzen Gaming-Session. Weniger Druck auf Gesicht und Kopf könnte VR daher alltagstauglicher machen.
Das leichtere Design bringt weiterhin Kompromisse mit sich. Die Brille bleibt per Kabel mit einem externen Puck verbunden und ist damit noch weit davon entfernt, so mühelos wie eine gewöhnliche Brille zu wirken. Meta hat das Gewicht auf dem Gesicht deutlich reduziert, die Hardware aber noch nicht vollständig im Alltag verschwinden lassen.
Das neue Gerät kommt zusammen mit einer deutlich umfassenderen Brillenoffensive auf den Markt. Meta baut seine Partnerschaften mit Ray-Ban und Oakley aus und erklärt, dass das Sortiment bis Jahresende mehr als 100 Brillenvarianten umfassen soll.
Auch KI wird zunehmend Teil dieser Strategie. Meta will Muse, seinen kürzlich eingeführten KI-Assistenten, auf seine Smart Glasses bringen. Nutzer sollen damit etwa Flüge suchen oder Termine buchen können, ohne zum Smartphone greifen zu müssen. Muse kann noch mehr und im Namen der Nutzer E-Mails bearbeiten, Reisen buchen und Transaktionen abwickeln.
Metas Smart Glasses und VR Glasses besetzen sehr unterschiedliche Bereiche des Wearable-Marktes. Smart Glasses bleiben gewöhnlichen Brillen relativ ähnlich und ergänzen sie um Kameras, Audio und KI. VR Glasses verzichten zugunsten immersiver Displays auf einen Teil dieser Unauffälligkeit und können physische Bildschirme vollständig ersetzen.
Als Facebook 2021 zu Meta wurde, präsentierte Zuckerberg Virtual und Augmented Reality als Grundlage einer neuen Computerplattform. Das Unternehmen steckte Milliarden in Reality Labs, während Horizon Worlds zu einem der sichtbarsten Ausdrucksformen seiner Ambition wurde, soziale Räume in VR zu schaffen.
Die Strategie entwickelte sich nicht wie ursprünglich geplant. Reality Labs häufte operative Verluste von mehr als 80 Mrd. $ an. Seitdem hat Meta in der Sparte Stellen abgebaut, VR-Studios geschlossen und sich von Teilen seiner Horizon-Strategie entfernt.
Die zugrunde liegende Hardwareentwicklung wurde jedoch fortgesetzt. Quest wurde weiterentwickelt, Meta expandierte in den Bereich der Smart Glasses und arbeitete weiter daran, tragbare Computer kleiner und komfortabler zu machen. Das neueste VR-Gerät spiegelt diesen veränderten Schwerpunkt wider: Statt Verbraucher vom Konzept einer virtuellen Welt überzeugen zu wollen, präsentiert Meta VR zunehmend als praktisches Gerät für Unterhaltung, Arbeit und Kommunikation.
Meta führt seine neueste Hardware zudem in einem Moment ein, in dem Anleger zunehmend von einem anderen Geschäftsbereich des Unternehmens begeistert sind. Die Aktie ist im vergangenen Monat um rund 35 % gestiegen, beflügelt durch die frühe Begeisterung für Muse und die Erwartung, dass der KI-Assistent langfristig eine weitere Umsatzquelle werden könnte. Allein am Montag legte die Aktie um 11,3 % zu – der beste Handelstag seit April 2025.
Diese Begeisterung macht Metas Hardwareambitionen nicht günstiger. Reality Labs verzeichnete im zweiten Quartal einen operativen Verlust von 4,6 Mrd. $, etwas mehr als ein Jahr zuvor, während Zuckerberg gleichzeitig massiv in KI-Infrastruktur investiert.
Da KI inzwischen einen Großteil der Aufmerksamkeit der Anleger auf sich zieht, steht das Metaverse nicht mehr im Zentrum von Metas Geschichte. Dennoch gibt das Unternehmen weiterhin Milliarden für die Technologien aus, auf denen seine ursprüngliche Vision beruhte. Die Frage lautet nun, ob leichtere und komfortablere Geräte endlich ausreichen werden, um Millionen von Menschen zu ihrer Nutzung zu bewegen.
James Cameron, dessen Filme zur Popularisierung des 3D-Kinos beigetragen haben, trat während der Präsentation von Meta auf und äußerte eine der bemerkenswerteren Reaktionen auf das neue Gerät.
„Mich inspiriert, was ihr geschaffen habt“, sagte Cameron. „Ich würde meine Werke gern mit dieser Brille sehen.“
Ob gewöhnliche Verbraucher genauso empfinden werden, ist deutlich schwerer zu sagen. Ein leichteres Gerät behebt eine der offensichtlichsten Schwächen von VR, löst aber nicht das Preisproblem. Ebenso wenig garantiert es, dass Menschen immersive Sportübertragungen, virtuelle Arbeitsräume oder digitale Welten unbedingt so sehr wollen, dass sie eine mit einem Computer in der Tasche verbundene Brille tragen.
Meta muss noch beweisen, dass die Menschen das Metaverse wollen, das sich das Unternehmen vor fünf Jahren vorgestellt hat. Die neuen VR Glasses deuten jedoch darauf hin, dass sich die Technologie dem nähert, was ein Mainstream-Gerät bieten müsste: leichter, komfortabler und im Alltag weniger aufdringlich. Wenn Menschen solche Geräte für Arbeit, Unterhaltung und Kommunikation wirklich nützlich finden, könnte das Metaverse eine zweite Chance bekommen – auch wenn Meta es nicht mehr so nennt.