Trump will, dass AI zu SI wird: Warum das nicht so einfach ist

Trump will, dass AI zu SI wird: Warum das nicht so einfach ist
Was ist falsch an Trumps AI-Idee?

Künstliche Intelligenz hat wissenschaftliche Durchbrüche, spektakuläre Fehlschläge und jahrzehntelange Hollywood-Dystopien überlebt. Nun muss sie Donald Trump überstehen, der beschlossen hat, dass eines ihrer Probleme ihr Name ist. Doch zwei Buchstaben zu ändern, könnte deutlich schwieriger sein, als eine Executive Order zu unterzeichnen.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Trump verabschiedet sich von AI

Trump unterzeichnete eine Executive Order, die Bundesbehörden anweist, „Artificial Intelligence“ und „AI“ in offizieller Kommunikation, auf Websites und in anderen nicht gesetzlich vorgeschriebenen Dokumenten durch „Super Intelligence“ und „SI“ zu ersetzen. Bestehende Vorschriften, Verträge, Fördermittel und andere historische Dokumente müssen nicht neu verfasst werden.

Trumps Problem betrifft vor allem das Wort „artificial“. Seiner Ansicht nach lässt es die Technologie künstlich wirken, während „super“ besser widerspiegele, was zunehmend leistungsfähige Systeme leisten können. Es gibt durchaus Gründe, den Namen infrage zu stellen: Artificial Intelligence war noch nie eine besonders präzise Bezeichnung für Technologien, die von Empfehlungsalgorithmen bis hin zu Chatbots und Bildgeneratoren reichen.

Forscher diskutieren über die Bedeutung von Intelligenz fast ebenso lange, wie sie versuchen, sie in Maschinen nachzubilden. 

Wie kam AI überhaupt zu ihrem Namen?

Die Geschichte beginnt 1955, als der Mathematiker John McCarthy von der Dartmouth University gemeinsam mit den Forschern Marvin Minsky, Nathaniel Rochester und Claude Shannon einen Sommer-Workshop zu einer ambitionierten Idee vorschlug: Maschinen könnten eines Tages Aufgaben ausführen, die mit menschlicher Intelligenz verbunden sind.

Sie nannten ihn „Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence“. Das Treffen fand 1956 statt und wurde zu einem der Gründungsmomente von AI als wissenschaftlichem Fachgebiet. Andere Begriffe waren bereits im Umlauf, darunter machine intelligence und Kybernetik, doch McCarthys Bezeichnung setzte sich durch.

Sie verließ auch das Labor. In den folgenden Jahrzehnten wurde AI nicht nur zu einem wissenschaftlichen Begriff, sondern zu einer Idee, der Millionen Menschen durch Bücher, Fernsehen und Kino begegneten.

Wir stellten uns AI vor, bevor es sie tatsächlich gab

Science-Fiction präsentierte dem Publikum intelligente Maschinen, lange bevor Ingenieure auch nur annähernd Vergleichbares bauen konnten. Isaac Asimov untersuchte bereits, wie Menschen intelligente Roboter kontrollieren könnten, bevor der Begriff AI überhaupt existierte. Später konnte HAL 9000, die künstliche Intelligenz in „2001: Odyssee im Weltraum“, sprechen, schlussfolgern, täuschen und töten, während „The Terminator“ eine Welt entwarf, in der sich Maschinenintelligenz gegen die Menschheit wendet.

Diese Geschichten unterhielten das Publikum nicht nur. Sie warfen Fragen auf, die die AI-Debatte bis heute prägen: Kann eine Maschine denken? Könnte sie ein Bewusstsein entwickeln? Was passiert, wenn sie intelligenter wird als wir? Und könnten Menschen sie weiterhin kontrollieren?

Als ChatGPT generative AI einem Massenpublikum zugänglich machte, brauchte die Öffentlichkeit keine Einführung in die Grundidee. Jahrzehnte voller Wissenschaft, Fiktion, Filme und technologischer Versprechen hatten „AI“ bereits eine Bedeutung verliehen, die weit über die ursprüngliche akademische Definition hinausging.

Jemand war „Superintelligence“ bereits zuvorgekommen

Auch Trumps bevorzugter Ersatzbegriff hat eine Geschichte. Der Oxford-Philosoph Nick Bostrom trug mit seinem 2014 erschienenen Bestseller „Superintelligence: Paths, Dangers, Strategies“ dazu bei, „Superintelligence“ im Mainstream zu etablieren, obwohl er den Begriff bereits Jahre zuvor verwendet hatte und die zugrunde liegende Idee noch älter ist.

Bostrom beschrieb etwas weitaus Spezifischeres als AI im Allgemeinen. Superintelligence bezeichnet einen Intellekt, der die kognitiven Fähigkeiten der besten menschlichen Köpfe in praktisch jedem wichtigen Bereich deutlich übertrifft. In seinem Buch untersuchte er, wie ein solches System entstehen könnte und was geschehen würde, wenn Menschen es nicht kontrollieren könnten.

Trumps Executive Order verwendet „Super Intelligence“ deutlich breiter. Derzeit umfasst der Begriff Technologien, die bereits unter die bestehende Definition von AI durch die US-Bundesregierung fallen, und stellt damit heutige AI-Systeme sowie eine hypothetische, die menschlichen Fähigkeiten übertreffende Intelligenz unter Varianten desselben Namens.

Der Golf von Mexiko kennt dieses Gefühl

AI ist bei Weitem nicht der erste geläufige Name, den Trump für verbesserungswürdig hält. Kurz nach seiner Rückkehr ins Amt im Jahr 2025 wies er die US-Bundesregierung an, für den Golf von Mexiko die Bezeichnung „Gulf of America“ zu verwenden, und führte Mount McKinley als offiziellen Bundesnamen für Denali wieder ein.

Das erinnert unmittelbar an die Komödie „The Dictator“ aus dem Jahr 2012. Darin ordnet Admiral General Aladeen an, Hunderte von Wörtern der fiktiven Sprache Wadiyas durch „Aladeen“ zu ersetzen. Dazu gehören „positiv“ und „negativ“, was zu der denkwürdigen Filmszene führt, in der ein Patient das Ergebnis eines HIV-Tests erhält und nicht erkennen kann, ob die Nachricht gut oder schlecht ist.

Kann man AI tatsächlich umbenennen?

Die US-Bundesregierung verfügt über beträchtliche Macht über ihre eigene Terminologie. Behörden können SI in Berichten verwenden, Amtsträger können den Begriff in Reden nutzen, und Regierungswebsites können eine Abkürzung durch eine andere ersetzen. Außerhalb Washingtons hat die Regierung jedoch deutlich weniger Einfluss darauf, wie die Menschen die Technologie nennen.

AI ist weltweit in Universitätsabteilungen, Unternehmensstrategien, Gesetzen, Anlageprodukten, Berufsbezeichnungen und alltäglichen Gesprächen verankert. Der Begriff erscheint in Unternehmensnamen und Produktbeschreibungen, und seine Bedeutung wurde von Forschern, Unternehmen, Autoren, Filmemachern und Generationen von Menschen geprägt, die der Idee lange vor dem heutigen AI-Boom begegneten.

Nichts davon macht „artificial intelligence“ zu einem perfekten Namen. Die Technologie hat sich seit der Wahl dieser Worte durch vier Forscher im Jahr 1955 enorm verändert, und die Debatte darüber, was als Intelligenz gilt, ist weiterhin ungelöst. McCarthy und seine Kollegen hatten bei der Namensgebung jedoch einen enormen Vorteil: Fast niemand hatte zuvor von dem Fachgebiet gehört. Trump versucht, es genau in dem Moment umzubenennen, in dem es fast jeder kennt.

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