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Amazon-Gründer Jeff Bezos argumentiert, dass Erfolg und enormer Reichtum einen Menschen nicht automatisch zu einem schlechten Menschen machen. Die öffentliche Haltung gegenüber Milliardären wird jedoch zunehmend geteilt. Warum löst Reichtum bei manchen Bewunderung und bei anderen Ressentiments aus?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Die umstrittene Aussage fiel in einem Interview mit Fox News, in dem Jeff Bezos das Gaststättengewerbe als Beispiel anführte. Seiner Ansicht nach kann ein Unternehmer mit einem kleinen Imbiss beginnen, der 10 Menschen beschäftigt, daraus eine Kette mit Tausenden Standorten aufbauen und schließlich zum Milliardär werden. Als Beispiel nannte er Raising Cane's, eine beliebte amerikanische Fast-Food-Restaurantkette.
„Es ist nichts falsch daran, unglaublich gutes Hähnchen zuzubereiten, das die Menschen lieben. Und das macht ihn nicht zu einem schlechten Menschen“, sagte Bezos. Er kritisierte außerdem die Vorstellung, unternehmerischer Erfolg gehe zwangsläufig auf Kosten anderer.
Bezos selbst gründete Amazon 1994 als Online-Buchhandlung; heute steht das Unternehmen auf Platz eins der Fortune-500-Liste. Sein persönliches Vermögen wird auf rund 380 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der Unternehmer ist der Ansicht, Politiker sollten sich auf die Lösung realer wirtschaftlicher Probleme konzentrieren, statt wohlhabende Unternehmer zu beschuldigen.
Der ehemalige Starbucks-CEO Howard Schultz, dessen Vermögen auf 3,4 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, vertritt eine ähnliche Ansicht. Bei einer Anhörung im US-Senat im Jahr 2023 erinnerte er daran, in staatlich gefördertem Wohnraum aufgewachsen zu sein, und merkte an, dass seine Eltern nie ein eigenes Haus besaßen. „Ja, ich habe Milliarden Dollar. Ich habe sie verdient. Niemand hat sie mir gegeben“, sagte Schultz.
Auch Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase und mit einem Vermögen von rund 3 Milliarden US-Dollar, hat sich dagegen ausgesprochen, Menschen allein wegen ihrer finanziellen Erfolge zu verurteilen. In einem Interview argumentierte er, die Gesellschaft solle diejenigen nicht als Schurken darstellen, die hart für ihren Erfolg gearbeitet haben.
Nicht jeder teilt Bezos' Ansichten. Laut einer Studie des Pew Research Center halten 18 % der Amerikaner extremen Reichtum für moralisch falsch. Bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren steigt dieser Anteil auf 33 %, verglichen mit nur 10 % bei Amerikanern ab 65 Jahren.
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Ein Grund für diese Unzufriedenheit liegt in der Verteilung des globalen Vermögens. Laut dem World Inequality Report 2026 besitzen die reichsten 10 % der Bevölkerung 75 % des weltweiten Vermögens. Auf das reichste 1 % entfallen allein 37 %, während die ärmere Hälfte der Menschheit nur 2 % besitzt.
Ein Grund für diese Kluft ist, dass sich große Kapitalbeträge wesentlich leichter vermehren lassen. Bei einer jährlichen Rendite von 10 % würde jemand, der 10.000 US-Dollar investiert, 1.000 US-Dollar verdienen, während eine Person mit 1 Milliarde US-Dollar 100 Millionen US-Dollar erzielen würde. Wohlhabende Anleger können ihre Vermögenswerte zudem diversifizieren, Kredite gegen ihre Beteiligungen aufnehmen und sich an Anlagegeschäften beteiligen, die den meisten Menschen nicht offenstehen.
Deshalb ist es oft schwieriger, die erste Million zu verdienen, als die nächsten. Der Aufbau dieser ersten Summe kann jahrelange Arbeit oder den Aufbau eines Unternehmens erfordern, während ein etabliertes Vermögen Einkommen generieren kann, ohne dass sein Eigentümer direkt daran beteiligt ist.
Elon Musk bleibt einer der umstrittensten wohlhabenden Menschen der Welt. Am 5. Oktober überschritt sein Vermögen erneut 1 Billion US-Dollar, nachdem die SpaceX-Aktien um knapp 8 % gestiegen waren. Mit seinem Vermögen nahm jedoch auch die Kritik an seinen Handlungen zu.
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Eine der wichtigsten Kontroversen betrifft Twitter, das Musk 2022 für 44 Milliarden US-Dollar übernahm und später in X umbenannte. Nach der Übernahme entließ er einen erheblichen Teil der Belegschaft und lockerte die Regeln zur Inhaltsmoderation. Die Plattform sah sich zunehmender Kritik wegen Fehlinformationen und Hassrede ausgesetzt, während mehrere große Werbetreibende ihre Partnerschaften aussetzten. Musk verteidigte die Änderungen als Maßnahme zum Schutz der Meinungsfreiheit.
Eine weitere große Kontroverse betraf das Starlink-Satellitensystem, das ukrainische Streitkräfte zur Kommunikation nutzen. Wie die Financial Times berichtete, kam es während der ukrainischen Gegenoffensive im Herbst 2022 bei einigen Militäreinheiten zu Starlink-Ausfällen, die Kampfhandlungen erschwerten. Später wurden Berichte bekannt, wonach Musk persönlich Einschränkungen der Starlink-Abdeckung in bestimmten Frontabschnitten angeordnet habe. Seine direkte Beteiligung an diesen konkreten Ausfällen wurde jedoch nie nachgewiesen.
Kritiker verweisen außerdem auf Musks enge Beziehungen zur US-Regierung. SpaceX hat Verteidigungsaufträge im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar erhalten, während Musk Beziehungen zur Regierung von Donald Trump unterhält. Bis Oktober 2026 hatte SpaceX Aufträge des US-Verteidigungsministeriums im Wert von mehr als 12,7 Milliarden US-Dollar erhalten.
Debatten über die Vermögen von Milliardären führen zunehmend zu Diskussionen über die Besteuerung. Im Mai 2026 schlug Jeff Bezos vor, die Bundeseinkommensteuer für die Hälfte der Amerikaner mit den niedrigsten Einkommen abzuschaffen. Seiner Ansicht nach trägt diese Gruppe nur 3 % zu den Einnahmen aus der Bundeseinkommensteuer bei, sodass der Staat auf dieses Geld verzichten könne.
Als Beispiel nannte Bezos eine Krankenschwester in New York City, die 75.000 US-Dollar im Jahr verdient und monatlich mehr als 1.000 US-Dollar an Steuern zahlt. Der Milliardär glaubt, dieses Geld wäre besser für Wohnen, Lebensmittel und andere alltägliche Ausgaben eingesetzt. Laut der Tax Foundation entfallen unterdessen rund 40 % der Einnahmen aus der individuellen Bundeseinkommensteuer in den USA auf das reichste 1 % der Steuerzahler.
Ein anderer Ansatz besteht jedoch darin, Milliardäre stärker zu besteuern. 2024 schlug Brasilien vor, dass die G20-Staaten eine jährliche Mindeststeuer in Höhe von 2 % des Vermögens von Milliardären einführen. Berechnungen des Ökonomen Gabriel Zucman zufolge könnte eine solche Maßnahme weltweit jährlich 200 bis 250 Milliarden US-Dollar für Regierungen einbringen und rund 3.000 der reichsten Menschen der Welt betreffen. Der Vorschlag ist bisher nicht zu einer verbindlichen internationalen Regel geworden. Befürworter glauben, er könne zur Verringerung der Ungleichheit beitragen, während Gegner vor Schwierigkeiten bei der Bewertung von Vermögenswerten und einer möglichen Verlagerung von Kapital in Länder mit niedrigeren Steuern warnen.
Reichtum allein macht einen Menschen nicht schlecht, und ein erfolgreiches Unternehmen kann Millionen von Menschen zugutekommen. Enorme Vermögen bringen jedoch auch große Macht mit sich, die nicht immer leicht zur Rechenschaft gezogen werden kann. Musks Geschichte zeigt, wie die Entscheidungen eines einzelnen Unternehmers die Interessen ganzer Länder beeinflussen können. Deshalb richtet sich die öffentliche Kritik an Milliardären nicht nur danach, wie viel Geld sie angehäuft haben, sondern auch danach, wie sie ihren Reichtum und Einfluss einsetzen.