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JPMorgan tat Bitcoin einst als spekulative Anlage ab. Nun prognostiziert der Wall-Street-Riese hohe langfristige Renditen und baut zugleich sein Blockchain-Geschäft aus. Hat eine der größten Banken der Welt ihre Meinung zu Kryptowährungen endlich geändert?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
JPMorgan Asset Management hat Bitcoin erstmals in seine langfristigen Anlageprognosen aufgenommen und erwartet über die nächsten 10 bis 15 Jahre eine annualisierte Rendite von 10 %. Die Schätzung aus dem jüngsten Bericht der Bank zu den langfristigen Kapitalmarkterwartungen sieht Bitcoin vor US-amerikanischen Large-Cap-Aktien, traditionellen Portfolios und Gold.
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JPMorgan erwartet für US-amerikanische Large-Cap-Aktien annualisierte Renditen von etwa 7,5 %, verglichen mit 7 % für ein klassisches Portfolio aus 60 % Aktien und 40 % Anleihen. Für Gold wird eine jährliche Rendite von 5,5 % prognostiziert.

Diese Prognosen sollen institutionellen Anlegern helfen, die potenziellen Renditen verschiedener Anlageklassen zu bewerten und langfristige Portfolios zu planen. Es handelt sich nicht um kurzfristige Kursziele; die Zahlen sind annualisierte Schätzungen und keine erwarteten Gewinne in einem einzelnen Jahr.
Die Bank empfiehlt Anlegern nicht, traditionelle Anlagen zugunsten von Bitcoin aufzugeben. Ihre Analysten schätzen die jährliche Volatilität der Kryptowährung auf 55 %, womit sie deutlich riskanter ist als Aktien oder Anleihen. Bitcoin ist außerdem weiterhin nicht in den Kernportfoliomodellen von JPMorgan enthalten, da die Korrelation mit anderen Anlageklassen nicht stabil genug ist.
Die Prognose von JPMorgan steht in starkem Kontrast zu den öffentlichen Äußerungen von CEO Jamie Dimon. Seit Jahren stellt Dimon den Wert und Nutzen von Bitcoin infrage. Im Januar 2024 bezeichnete er die Kryptowährung als „Pet Rock“ und bekräftigte damit seine langjährige Skepsis.
Die Geschäftsentscheidungen der Bank haben sich jedoch allmählich in eine andere Richtung entwickelt. Im Mai 2025 erklärte Dimon, JPMorgan werde seinen Kunden den Kauf von Bitcoin ermöglichen, obwohl er deutlich machte, dass sich seine persönliche Meinung nicht geändert habe. Die Ankündigung bedeutete eine deutliche Ausweitung des Angebots der Bank an Dienstleistungen rund um digitale Vermögenswerte.
Dieser Kurswechsel ist besonders bemerkenswert, weil JPMorgan direkte Krypto-Dienstleistungen zuvor gemieden hatte, während andere Finanzinstitute ihr Angebot ausbauten. Die zunehmende Verfügbarkeit regulierter Bitcoin-Anlageprodukte und das wachsende Interesse institutioneller Anleger machen digitale Vermögenswerte für große Banken immer schwerer zu ignorieren.
Das erklärt die scheinbar widersprüchliche Haltung von JPMorgan. Dimon bleibt Bitcoin als Anlage skeptisch gegenüber, während verschiedene Geschäftsbereiche der Bank Produkte und Dienstleistungen rund um digitale Vermögenswerte entwickeln.
Das Engagement von JPMorgan im Bereich Blockchain geht weit über Bitcoin hinaus. Am 19. Oktober gab die Bank bekannt, dass JPM Coin, ihr auf US-Dollar lautender Einlagen-Token, auf Ethereum gestartet ist. Damit können berechtigte institutionelle Kunden Gelder über das öffentliche Blockchain-Netzwerk transferieren.
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JPM Coin repräsentiert bei JPMorgan gehaltene US-Dollar-Einlagen und ermöglicht Zahlungen und Finanztransaktionen zwischen zugelassenen institutionellen Teilnehmern. Anders als Bitcoin ist der Token keine spekulative Anlage. Er soll Geldtransfers effizienter machen, auch außerhalb der üblichen Banköffnungszeiten.
Der Token wurde zunächst im November 2025 auf dem Base-Netzwerk von Coinbase eingeführt. Vor der Ausweitung auf Ethereum führte JPMorgan gemeinsam mit Coinbase, Mastercard und dem Unternehmen für den Handel mit digitalen Vermögenswerten B2C2 Testtransaktionen durch.
„Tokenisierte Finanzinfrastruktur ist keine Theorie mehr. Sie verändert bereits die Liquidität, den Zahlungsverkehr und die Abläufe im Bereich digitaler Vermögenswerte“, sagte Emma Landriault, globale Leiterin von Kinexys Labs bei JPMorgan.
Die Blockchain-Aktivitäten der Bank haben bereits einen beträchtlichen Umfang. JPMorgan berichtete, dass über seine Kinexys-Plattform kumulierte Transaktionen im Wert von mehr als 4 Billionen US-Dollar abgewickelt wurden; das durchschnittliche tägliche Volumen lag bei etwa 7 Milliarden US-Dollar. Diese Zahlen beziehen sich auf Blockchain-basierte Finanzdienstleistungen und nicht auf den Bitcoin-Handel.
Das wachsende Engagement von JPMorgan spiegelt einen breiteren Wandel in der Haltung von Finanzinstituten gegenüber digitalen Vermögenswerten wider. Banken erkennen zunehmend Chancen nicht nur darin, Kunden bei Krypto-Investitionen zu unterstützen, sondern auch in der Entwicklung der Infrastruktur für deren Handel, Transfer und Verwaltung.
JPMorgan hat tokenisierte Geldmarktfonds aufgelegt und damit traditionelle Anlageprodukte auf Blockchain-Netzwerke gebracht. Diese Fonds investieren in herkömmliche kurzfristige Finanzinstrumente, die Anteile daran werden jedoch in digitaler Form gehalten. Die Technologie kann die Übertragung von Fondsanteilen erleichtern und Anlageprodukte in Blockchain-basierte Zahlungssysteme integrieren.
Die Bank hat außerdem Investmentbanking-Dienstleistungen für Kryptounternehmen erbracht, unter anderem im Zusammenhang mit dem Börsengang von Circle im Jahr 2025. Circle gibt USDC heraus, einen der weltweit größten durch US-Dollar gedeckten Stablecoins, der für Zahlungen und den Handel mit Kryptowährungen verwendet wird.
Die Kryptoindustrie zu unterstützen ist nicht dasselbe wie direkt in digitale Vermögenswerte zu investieren. JPMorgan kann mit Zahlungen, Anlageprodukten und Unternehmensdienstleistungen Einnahmen erzielen, ohne dieselben Marktrisiken einzugehen wie Anleger, die Bitcoin oder andere Token halten.
Auch der Wettbewerb spielt eine Rolle. Da Kryptobörsen, Stablecoin-Emittenten und Fintech-Unternehmen neue Zahlungssysteme entwickeln, geraten traditionelle Banken unter Druck, vergleichbare Dienstleistungen anzubieten. Durch die Zusammenarbeit mit Blockchain-Netzwerken kann JPMorgan an diesen Märkten teilhaben, statt sie ganz neuen Wettbewerbern zu überlassen.
Das wachsende Kryptogeschäft von JPMorgan bedeutet nicht, dass die Bank ihre Bedenken gegenüber Bitcoin aufgegeben hat. Ihre langfristige Prognose erkennt das Anlagepotenzial der Kryptowährung an, während sich ihre Blockchain-Aktivitäten auf praktische Finanzdienstleistungen konzentrieren. Dabei geht es weniger darum, Jamie Dimons Meinung zu ändern, als vielmehr darum, sich an eine Branche anzupassen, die das traditionelle Finanzwesen nicht länger ignorieren kann.