CryptoQuant-Experte: Verluste in Bitcoin-Bärenmärkten fallen zunehmend geringer aus

CryptoQuant-Experte: Verluste in Bitcoin-Bärenmärkten fallen zunehmend geringer aus
Interview mit CryptoQuants Forschungsleiter Julio Moreno

​Der Kryptowährungsmarkt folgt seit Jahren vertrauten Zyklen. Doch können Anleger Warnsignale für einen Kurssturz erkennen, bevor er eintritt? In einem Interview mit Traders Union erläutert CryptoQuant-Forschungsleiter Julio Moreno, welche Indikatoren vor einem bevorstehenden Kursrückgang warnen können und was Bitcoin braucht, um zu seinen Allzeithochs zurückzukehren.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Wie sich Bitcoin-Bärenmärkte verändert haben

Im Laufe seiner Geschichte hat Bitcoin mehrere Phasen starken Wachstums und Rückgangs durchlaufen. Auf starke Kursanstiege folgten in der Regel lang anhaltende Bärenmärkte, in denen Anleger erhebliche Verluste erlitten.

Die Struktur des Kryptowährungsmarkts hat sich in den vergangenen Jahren jedoch verändert. Die Einführung von Spot-ETFs und die zunehmende Beteiligung institutioneller Anleger haben neue Nachfragequellen geschaffen. Könnten diese Entwicklungen die traditionellen Marktzyklen von Bitcoin durchbrechen? Julio Moreno ist skeptisch.

„Das Muster hält im Allgemeinen weiterhin an. Nachdem die Nachfrage nachgelassen hatte und zu schrumpfen begann, erlebte Bitcoin 2026 einen weiteren erwarteten Bärenmarkt.“

Für Anleger ist das Ausmaß der Verluste während länger anhaltender Abschwünge ein wichtiger Maßstab dafür, wie sich Bitcoin-Bärenmärkte im Laufe der Zeit verändert haben. Der Vergleich der Kursrückgänge über verschiedene Marktzyklen hinweg hilft dabei, die Schwere des aktuellen Rückgangs einzuordnen.

„Bärenmärkte sind jedoch weniger stark ausgeprägt: Im Bärenmarkt 2026 betrug der Kursrückgang 53 %, verglichen mit 76–83 % in früheren Bärenmärkten.“

Bitcoin-Kursrückgänge in verschiedenen Marktzyklen. Quelle: CryptoQuant.

Welchen Bedrohungen ist der Kryptowährungsmarkt ausgesetzt?

Kryptowährungen reagieren weiterhin empfindlich auf politische Entwicklungen, regulatorische Änderungen und die Stimmung der Anleger. Selbst bei anhaltend starker langfristiger Nachfrage können unerwartete Ereignisse starke Kursschwankungen auslösen.

Eine der bevorstehenden Unsicherheitsquellen sind die für November 2026 angesetzten Zwischenwahlen in den USA. Moreno zufolge verdient die politische Lage des Landes besondere Aufmerksamkeit von den Teilnehmern am Kryptowährungsmarkt.

„Kurzfristig könnten die US-Wahlen im November für eine gewisse Kursvolatilität sorgen, insbesondere wenn die Demokraten gewinnen, da sie in der Vergangenheit eine kryptowährungsfeindliche Politik verfolgt haben.“

Politische Risiken hält Moreno jedoch nicht für die größte Herausforderung der Branche. Seiner Ansicht nach stellen technologische Entwicklungen, die bestehende Sicherheitsmechanismen für digitale Vermögenswerte bedrohen könnten, ein deutlich größeres langfristiges Risiko dar.

„Langfristig ist Quantencomputing die größte Bedrohung für Kryptowährungen.“

Gemeint ist die potenzielle Fähigkeit hinreichend leistungsstarker Quantencomputer, bestimmte kryptografische Algorithmen zu knacken. Auch wenn diese Bedrohung noch in weiter Ferne liegen mag, müssen Blockchain-Entwickler sie bei der Verbesserung der Sicherheit ihrer Netzwerke berücksichtigen.

Lassen sich Bitcoin-Kursstürze vorhersagen?

Einer der Vorteile der Kryptowährungsmärkte ist die Verfügbarkeit von Blockchain-Daten. Analysten können Transaktionen zwischen Wallets, die Aktivitäten großer Marktteilnehmer und das Volumen der auf Handelsplattformen transferierten Vermögenswerte verfolgen.

Diese Indikatoren helfen Forschern, das Verhalten der Marktteilnehmer einzuschätzen, bevor Veränderungen in den Kursen sichtbar werden. Besonderes Augenmerk gilt den Bitcoin-Zuflüssen zu Börsen, da solche Transfers Verkaufsaktivitäten vorausgehen können.

Moreno hebt zwei Fälle hervor, in denen Blockchain-Daten frühzeitig Warnsignale lieferten.

„Kurskorrekturen gehen typischerweise mit steigenden Zuflüssen zu Börsen einher. So schnellten die Bitcoin-Zuflüsse zu Börsen im März 2024 und im November 2024 in die Höhe, kurz bevor der Bitcoin-Kurs in den jeweils folgenden Monaten um 24 % beziehungsweise 28 % fiel.“

Zuflüsse von Bitcoin auf Börsen und Kursbewegungen. Quelle: CryptoQuant.

Ein Anstieg der Börsenzuflüsse bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass ein Ausverkauf bevorsteht. Großanleger können Vermögenswerte aus verschiedenen Gründen transferieren, während die Kurse auch von der Nachfrage, der Liquidität und den allgemeinen Bedingungen an den Finanzmärkten beeinflusst werden.

„Börsenflüsse sind natürlich einer von mehreren Indikatoren, die zusammen betrachtet werden müssen, um Marktkorrekturen vorherzusehen.“

Warum das Bitcoin-Mining trotz KI-Boom nicht verschwindet

Die wachsende Nachfrage nach Rechenkapazitäten für künstliche Intelligenz verändert die Geschäftsmodelle großer Bitcoin-Mining-Unternehmen. Immer mehr Rechenzentrumsbetreiber erwägen, ihre Infrastruktur für KI-Anwendungen statt für das Mining von Kryptowährungen einzusetzen.

Dieser Wandel wirft Fragen zur Zukunft des Bitcoin-Minings auf. Wenn große Mining-Unternehmen ihre Investitionen und Infrastruktur weiter auf KI ausrichten, könnte sich das langfristig auf die gesamte Hashrate des Bitcoin-Netzwerks auswirken.

Die Daten von CryptoQuant deuten derzeit nicht auf einen großflächigen Rückgang der Mining-Aktivitäten hin. Laut Moreno bleibt die Hashrate des Bitcoin-Netzwerks relativ hoch.

„Obwohl alle größten Bitcoin-Mining-Unternehmen zunehmend auf KI setzen, liegt die Hashrate des Bitcoin-Netzwerks nur 8 % unter ihrem Allzeithoch vom 11. November 2025.“

Ein Aktivitätsrückgang bei einigen Marktteilnehmern bedeutet nicht zwangsläufig, dass ihre Kapazitäten nicht ersetzt werden können. Moreno zufolge lässt sich anhand der Entwicklung der Netzwerk-Hashrate beurteilen, wie sich die Branche anpasst.

„Tatsächlich ist die Hashrate seit Ende Juli um 10 % gestiegen, kurz nachdem der Bitcoin-Kurs seinen Tiefstand im Jahr 2026 erreicht hatte. Das deutet darauf hin, dass andere Bitcoin-Mining-Unternehmen eingesprungen sind, um die Lücke zu schließen, die diese großen Unternehmen hinterlassen haben.“

Entwicklung der Hashrate des Bitcoin-Netzwerks im Verhältnis zu Kursschwankungen. Quelle: CryptoQuant.

Was braucht Bitcoin, um neue Höchststände zu erreichen?

Nach einem deutlichen Rückgang im Jahr 2026 lautet eine der wichtigsten Fragen, ob sich Bitcoin von seinen vorherigen Höchstständen erholen kann. Zwar hat sich die Kryptowährung wiederholt von starken Korrekturen erholt, doch historische Muster garantieren nicht, dass sich dieses Szenario erneut wiederholt.

Einer der wichtigsten Indikatoren von CryptoQuant ist die scheinbare Nachfrage nach Bitcoin. Sie hilft einzuschätzen, ob die Kaufaktivität ausreicht, um das verfügbare Angebot der Kryptowährung aufzunehmen. Negative Werte weisen auf eine unzureichende Nachfrage hin, während positive Werte bedeuten, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt.

Moreno hält es für möglich, dass Bitcoin seine Allzeithochs wieder erreicht. Entscheidend sei jedoch die weitere Entwicklung dieses Indikators.

„Ja. Dafür wäre eine anhaltende Erholung der Nachfrage erforderlich, die seit Juni zu beobachten ist. Das vierte Diagramm zeigt, dass die scheinbare Nachfrage nach Bitcoin Anfang Juni um 273.000 BTC zurückging. Dieser Rückgang hat sich inzwischen auf 47.000 BTC abgeschwächt.“

Scheinbare Nachfrage nach Bitcoin und Kursentwicklung im Jahr 2026. Quelle: CryptoQuant. 

Obwohl sich die scheinbare Nachfrage nach Bitcoin deutlich verbessert hat, ist der Indikator weiterhin negativ. Das deutet darauf hin, dass der Druck auf den Markt nachlässt, doch für eine vollständige Erholung der Kaufaktivität ist es noch zu früh.

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