Von Börsen zu Banken: Spaniens Kryptomarkt im Wandel

Von Börsen zu Banken: Spaniens Kryptomarkt im Wandel
Wie sich Spaniens Kryptomarkt entwickelt

​Spanische Banken engagieren sich zunehmend im Kryptowährungsbereich: Sieben große Finanzinstitute unterstützen ein neu genehmigtes Projekt für einen Euro-Stablecoin. Die Initiative könnte Spaniens Position auf Europas wachsendem Kryptomarkt stärken. Doch was bedeutet das für die bestehenden Kryptobörsen und Anleger des Landes?

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Spanische Banken rücken bei Europas Stablecoin-Offensive ins Zentrum

Das europäische Bankenkonsortium Qivalis gab vergangene Woche bekannt, dass es von der niederländischen Zentralbank die Zulassung als E-Geld-Institut erhalten hat. Damit ist das Unternehmen der Einführung eines regulierten, an den Euro gebundenen Stablecoins einen Schritt näher gekommen. Das in Amsterdam ansässige Unternehmen wird von 37 Banken aus 15 Ländern unterstützt; Spanien stellt mehr Mitglieder als jedes andere teilnehmende Land.

Zu den sieben spanischen Teilnehmern zählen BBVA, CaixaBank und Banco Sabadell. Das spiegelt das wachsende Interesse etablierter Kreditinstitute an Blockchain-basierten Zahlungen wider. Der geplante Stablecoin wird an den Euro gekoppelt und für Zahlungen und Finanztransaktionen konzipiert sein. Seine Einführung wird in den kommenden Monaten erwartet, vorbehaltlich der noch ausstehenden Anforderungen der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA), darunter die Veröffentlichung eines Whitepapers.

„Europas Währung verdient europäische Regeln – on-chain“, sagte Qivalis-CEO Jan-Oliver Sell und bezeichnete die Zulassung als wichtigen Schritt zum Aufbau einer europäischen Infrastruktur für digitale Zahlungen.

So verändert sich Spaniens Kryptomarkt

Spanien verfügte bereits über eine etablierte Kryptowährungsbranche, bevor traditionelle Banken ihr Engagement ausweiteten. Die 2014 gegründete heimische Börse Bit2Me entwickelte sich zu einem der bekanntesten Kryptounternehmen des Landes und bietet Handels-, Verwahrungs- und Zahlungsdienste an. Auch internationale Börsen bauten ihre Präsenz aus, während das Interesse an Bitcoin und anderen digitalen Vermögenswerten zunahm.

Der Einstieg der Banken verändert die Wettbewerbssituation. BBVA führte in Spanien unter MiCA den Handel und die Verwahrung von Kryptowährungen ein, während auch Santander-Tochter Openbank in den regulierten Markt eingetreten ist. Kunden können zunehmend über vertraute Finanzinstitute auf digitale Vermögenswerte zugreifen, statt ausschließlich auf spezialisierte Plattformen angewiesen zu sein.

Auch Krypto-Unternehmen entwickeln Dienstleistungen, die über den Privatkundenhandel hinausgehen. Bit2Me, das 2025 eine MiCA-Zulassung erhielt, bietet Dienstleistungen für Unternehmen an, darunter die Verwahrung von Kryptowährungen und Stablecoin-Zahlungen. Dies spiegelt einen umfassenderen Wandel wider: Digitale Vermögenswerte werden nicht mehr nur als Anlagen, sondern auch als Instrumente für Geschäftstransaktionen positioniert.

Eine stärkere institutionelle Aktivität bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Kryptowährungen weit verbreitet sind. Laut der Haushaltsfinanzumfrage der spanischen Zentralbank besaßen Ende 2024 4,4% der spanischen Haushalte Kryptowährungen, gegenüber 3,3% im Jahr 2022. Obwohl der Anteil weiterhin relativ gering ist, lag er über der Beteiligung an bestimmten traditionellen Anlagen, darunter direkt gehaltene festverzinsliche Wertpapiere.

MiCA verändert die Regeln für Spaniens Kryptobranche

Während Banken und Börsen um einen größeren Anteil am spanischen Kryptomarkt konkurrieren, müssen sie zugleich einen regulatorischen Wandel bewältigen, der Unternehmen bereits dazu gezwungen hat, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken. Die Übergangsfrist Spaniens unter MiCA endete am 30. Juni 2026. Unternehmen, die unter die Verordnung fallende Kryptodienstleistungen anbieten, benötigten daher grundsätzlich ab Juli eine Zulassung, um ihren Betrieb fortsetzen zu können.

Das Zulassungsverfahren verlief nicht reibungslos. Bis Juli hatte die spanische Wertpapieraufsicht CNMV 77 Anträge erhalten; 20 Unternehmen hatten eine Zulassung erhalten. Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Übergangs, während Unternehmen ihre Prozesse an Anforderungen in den Bereichen Unternehmensführung, finanzielle Mittel, Risikomanagement und Kundenschutz anpassen.

Die regulatorische Aufmerksamkeit geht inzwischen über die Zulassung hinaus. Am 15. Oktober leitete die CNMV eine öffentliche Konsultation zur Ausweitung ihrer Verfahren für Anlegerbeschwerden auf Kryptowerte-Dienstleister und Crowdfunding-Plattformen ein. Der Vorschlag würde Beschwerden über diese Unternehmen in den bestehenden Rahmen der Aufsicht aufnehmen. Stellungnahmen können bis zum 16. November eingereicht werden.

Für größere Institute dürften diese regulatorischen Pflichten leichter zu bewältigen sein. Kleinere Börsen und Technologieunternehmen müssen zusätzlich in Compliance-Systeme investieren und zugleich mit Banken konkurrieren, die bereits über eine umfangreiche regulatorische Infrastruktur verfügen. Gleichzeitig ermöglicht eine MiCA-Zulassung Unternehmen, Dienstleistungen EU-weit nach einem gemeinsamen Regelwerk anzubieten und so potenziell neue Märkte außerhalb Spaniens zu erschließen.

Jenseits des Kryptohandels: Spaniens nächste Finanzgrenze

Spaniens Banken prüfen bereits Blockchain-Anwendungen jenseits des Kryptowährungshandels. Am 15. Oktober gaben BBVA und Santander eine syndizierte Finanzierung über 150 Mio. € für den Energiekonzern Iberdrola bekannt, bei der eine von ioBuilders entwickelte Blockchain-Infrastruktur zum Einsatz kam. Die Banken bezeichneten sie als den ersten syndizierten Kredit, dessen gesamter Lebenszyklus über Blockchain-Technologie abgewickelt wurde.

An der Transaktion waren keine Kryptowährungen beteiligt, sie zeigt jedoch, wie die Distributed-Ledger-Technologie in etablierte Finanzprozesse Einzug hält. Indem verschiedene Phasen eines Kredits auf einer gemeinsamen Plattform erfasst und verwaltet werden, können Banken den Verwaltungsaufwand potenziell verringern, die Transparenz verbessern und die Abstimmung zwischen Kreditgebern vereinfachen.

Diese Entwicklungen verdeutlichen auch, in welche unterschiedlichen Richtungen sich Spaniens Digital-Asset-Branche bewegt. Während Banken tokenisierte Finanzinfrastrukturen und regulierte Stablecoins erkunden, bauen Krypto-Unternehmen ihre Dienstleistungen für Geschäftskunden aus. In einigen Bereichen könnten beide Seiten zunehmend konkurrieren, in anderen zusammenarbeiten – insbesondere angesichts der wachsenden Nachfrage nach Verwahrung, Zahlungsdiensten und Blockchain-basierten Finanzinstrumenten.

Für Spaniens Banken besteht die nächste Herausforderung darin, aus diesen Experimenten Dienstleistungen zu entwickeln, die Kunden und Unternehmen tatsächlich nutzen. Eine behördliche Zulassung und erfolgreiche Blockchain-Transaktionen sind wichtige Schritte, garantieren aber keine breite Akzeptanz. Entscheidend wird sein, ob die Technologie Finanzdienstleistungen schneller, kostengünstiger oder leichter zugänglich macht.

Dieses Material kann Meinungen Dritter enthalten, keine der Daten und Informationen auf dieser Webseite stellt eine Anlageberatung gemäß unserem Haftungsausschluss dar. Obwohl wir uns an strikte redaktionelle Integrität halten, kann dieser Beitrag Verweise auf Produkte unserer Partner enthalten.