Dmytro Kharkov

HSBC-Warnsignale weisen auf größere Risiken für globale Banken hin

HSBC-Warnsignale weisen auf größere Risiken für globale Banken hin
HSBC-Warnsignale.

​HSBCs Gewinn im dritten Quartal schnellte um 32 % nach oben, doch die Aktie fiel um 6 %, da der Umsatz hinter den Erwartungen zurückblieb. Steigende Einlagenkosten und das Engagement im Private-Credit-Bereich werfen Fragen zur Widerstandsfähigkeit globaler Banken auf. Könnten zunehmende Kreditausfälle und Liquiditätsengpässe die nächste globale Bankenkrise auslösen? Die Aussagen des IWF legen nahe, dass dies durchaus möglich ist. 

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Die Grenzen rekordhoher Bankgewinne

HSBC Holdings meldete für die drei Monate bis September einen Vorsteuergewinn von 9,6 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz erreichte 18,6 Milliarden US-Dollar und lag damit unter dem Konsens von 19 Milliarden US-Dollar. Viele Anleger sorgen sich daher um die Rentabilität großer Banken in einem Umfeld, das von zunehmendem Wettbewerb um Einlagen und unsicheren Zinsen geprägt ist.

„Manchmal erwartet der Markt, dass wir unsere Prognosen oder Ziele anheben“, sagte HSBC-Finanzvorständin Pam Kaur laut Reuters gegenüber Reportern. 

Banken profitieren zwar von höheren Zinserträgen und einer stärkeren Kundenaktivität, doch die Ausgaben steigen tendenziell schneller als die Einnahmen. Marktteilnehmer bringen diese Bedenken daher mit ihrer sinkenden Nachfrage nach Bankaktien zum Ausdruck.

Der Wettbewerb um Einlagen setzt die Kreditmargen unter Druck

Der Wettbewerb um Einlagen in Hongkong und Großbritannien veranlasst Kreditgeber, attraktivere Zinssätze anzubieten. Dadurch könnte sich die Differenz zwischen den Erträgen der Banken aus Krediten und Wertpapieren und den Zinsen, die sie Einlegern zahlen, verringern. Der Anteil von Termineinlagen am Hongkonger Portfolio von HSBC stieg gegenüber dem Vorquartal um zwei Prozentpunkte auf 38 %. Dies könnte die Finanzierungskosten erhöhen und die Margen belasten.

Banken konkurrieren um Kundeneinlagen und finanzieren zugleich Haushalte, Unternehmen und Gewerbeimmobilien. Sollten die aktuellen Trends anhalten, könnten Kreditgeber ihre Vergabestandards verschärfen oder die Kreditvergabe an riskantere Schuldner einschränken. Die von HSBC gemeldeten erwarteten Kreditverluste sanken im Quartal um 17 % auf 800 Millionen US-Dollar, da die Rückstellungen im Zusammenhang mit Hongkonger Immobilien zurückgingen. 

Private Credit schafft einen weiteren Übertragungskanal

Private-Credit-Fonds sind gewachsen und finanzieren vor allem Unternehmen, die nur eingeschränkten Zugang zu öffentlichen Anleihemärkten haben. Die Verflechtungen zwischen Kreditgebern, Investmentfonds und Versicherern werden zunehmend komplexer. Der Finanzstabilitätsrat schätzte das Vermögen im Private-Credit-Sektor auf 1,5 bis 2 Billionen US-Dollar. In den erfassten Ländern identifizierte er Bankkreditlinien an Private-Credit-Fonds in Höhe von rund 220 Milliarden US-Dollar, einschließlich bereits in Anspruch genommener und noch nicht abgerufener Linien.

Diese Zahlen zeigen, wie sich Spannungen an den privaten Märkten über indirekte Engagements auf regulierte Kreditgeber auswirken können. Der Finanzstabilitätsrat warnte zudem, dass Umfang und Struktur des Sektors bislang nicht unter schweren wirtschaftlichen Bedingungen getestet worden seien. Ein mögliches Krisenszenario könnte mit steigenden Ausfällen bei hoch verschuldeten Unternehmen beginnen. Banken mit Verbindungen zu betroffenen Fonds könnten anschließend mit Liquiditätsproblemen konfrontiert werden.

Der IWF warnt: Widerstandsfähigkeit bedeutet keine Sicherheit

Der Internationale Währungsfonds hat mehrere Schocks ausgemacht, die mittelfristig erhebliche negative Auswirkungen haben könnten. Dazu zählen steigende Renditen von Staatsanleihen, eine Korrektur bei Vermögenswerten mit Bezug zu künstlicher Intelligenz und Cybervorfälle. Athanasios Vamvakidis, stellvertretender Abteilungsleiter in der Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte des IWF, erklärte: „Widerstandsfähigkeit bedeutet jedoch keine Sicherheit.“ Diese Warnung bezog sich auf die insgesamt positive Einschätzung der Widerstandsfähigkeit der meisten Banken.

Der IWF identifizierte eine Gruppe schwächerer Banken, die in einer Stressphase unterkapitalisiert sein könnten. Die größten Risiken sieht er in Bereichen mit Bezug zu Nichtbank-Finanzinstituten. Experten halten eine weitere Krise nach dem Vorbild von 2008 jedoch nicht für unvermeidlich. Entscheidend sind rechtzeitige und systematische Gegenmaßnahmen.

Was könnte die nächste Bankenkrise auslösen?

Am besorgniserregendsten ist ein Zusammenspiel von Schocks, die sich in der gesamten Branche ausbreiten. Höhere Staatsanleiherenditen schwächen Anleiheportfolios und verteuern die Finanzierung. Das trifft hoch verschuldete Kreditnehmer unmittelbar, während Verluste im Private-Credit-Bereich und erzwungene Verkäufe von Vermögenswerten zwischen Märkten und Banken weitergegeben werden können.

Steigende erwartete Kreditverluste, eine unbefriedigende Kreditqualität, wachsende Kreditspreads und eine restriktivere Kreditvergabe der Banken können in diesem Zusammenhang als relevante Indikatoren dienen. Die nächste globale Bankenkrise könnte sich über vernetzte Märkte entwickeln, in denen hohe Verschuldung, Liquiditätsprobleme und niedrige Kreditqualität einander verstärken. Zudem können die Entwicklungen im realen und im Finanzsektor gegenläufig sein, sodass traditionelle Wirtschaftsindikatoren die tatsächliche Lage der Wirtschaft möglicherweise nicht erkennen lassen.

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