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Swift ist seit Jahrzehnten eine der Grundlagen der internationalen Bankeninfrastruktur. Doch Stablecoins bieten eine andere Möglichkeit, Geld zu bewegen – rund um die Uhr und ohne die traditionelle Kette von Banknachrichten. Kann Swift seine Rolle bewahren, wenn digitales Geld es ermöglicht, Zahlungsinformationen und die Abwicklung selbst innerhalb derselben Infrastruktur zu vereinen?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Um auf diese Herausforderung zu reagieren, setzt Swift auf die Technologie, die es zu verdrängen droht. Im August führten HSBC und Standard Chartered die erste Live-Interbank-Transaktion über das neue, blockchain-basierte Hauptbuch der Organisation mit tokenisierten Bankeinlagen durch. Die endgültige Abwicklung erfolgte jedoch weiterhin über die bestehende Bankeninfrastruktur.
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Die erste Transaktion zeigt, dass es hier um mehr geht als nur um die Beschleunigung bestehender Überweisungen.
Swift beschränkt sich nicht mehr darauf, Banknachrichten zu modernisieren, sondern versucht, sich in der Welt des tokenisierten Geldes zu etablieren. Die Frage ist, ob das bestehende Bankennetzwerk ausreicht, um die zentrale Rolle zu bewahren, während sich die Architektur internationaler Zahlungen verändert.
Swift und eine Banküberweisung sind nicht dasselbe. Die Organisation stellt Finanzinstituten ein sicheres Netzwerk und Nachrichtenstandards zur Verfügung, während das Geld selbst über Korrespondenzkonten und andere Abwicklungssysteme bewegt werden kann.
Hier entsteht die Komplexität einer internationalen Zahlung: Mehrere Banken, unterschiedliche Verifizierungssysteme und Infrastrukturen mit verschiedenen Betriebszeiten können beteiligt sein.
Die Vorstellung, dass Swift selbst für tagelange Überweisungen verantwortlich ist, ist jedoch überholt. Das Netzwerk verbindet mehr als 11.500 Finanzinstitute in über 200 Ländern und Territorien. Laut der Organisation erreichen 75 % der grenzüberschreitenden Zahlungen, die über ihr Netzwerk gesendet werden, die Empfängerbank in weniger als 10 Minuten.
Stablecoins bieten eine andere Architektur. Zahlungsinformationen und digitales Geld bewegen sich über dasselbe Netzwerk, das rund um die Uhr arbeitet. Swift versucht nun, dieses Merkmal ins Bankensystem selbst zu integrieren.
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Das neue blockchain-basierte Hauptbuch wurde mit Dutzenden von Finanzinstituten entwickelt, während 17 Banken auf sechs Kontinenten an den ersten Live-Transaktionen teilnahmen. Das System erfasst und validiert Interbankverpflichtungen und ermöglicht Transaktionen mit tokenisierten Einlagen rund um die Uhr.
Internationale Zahlungen sind zu einem der klarsten Anwendungsfälle für Stablecoins außerhalb des Krypto-Handels geworden. Ein auf Dollar lautender Token kann zwischen Wallets übertragen werden, unabhängig von den Banköffnungszeiten, während der Empfänger nicht zwingend ein US-Dollar-Konto bei einer amerikanischen Bank benötigt.
Der Vorteil ist besonders dort spürbar, wo Korrespondenzbankketten teuer oder schlecht entwickelt sind. Für Unternehmen bieten Stablecoins eine Möglichkeit, Gelder schneller zwischen Ländern zu bewegen, während sie in Volkswirtschaften mit instabilen Währungen sowohl als Zahlungsmittel als auch als Möglichkeit dienen können, Dollar zu halten.
Das Ausmaß dieses Wettbewerbs kann jedoch leicht überschätzt werden. Das gesamte Transaktionsvolumen von Stablecoins beläuft sich auf mehrere Billionen Dollar, aber ein erheblicher Anteil stammt aus Krypto-Handel, Transfers zwischen Börsen und automatisierten Transaktionen.
Schätzungen von McKinsey und Artemis auf Basis von Daten aus Ende 2025 zufolge lag das jährliche Zahlungsvolumen von Stablecoins bei rund 390 Milliarden US-Dollar. Rund 226 Milliarden entfielen auf B2B-Zahlungen, ein Segment, das sich im Jahresverlauf mehr als verachtfacht hat.
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Im Vergleich zum globalen Zahlungssystem bleibt dies relativ gering. Die Bedrohung für Swift liegt weniger im aktuellen Volumen von USDT oder USDC als vielmehr in der Fähigkeit eines neuen Zahlungsmodells, Teile der bestehenden Bankeninfrastruktur zu umgehen.
Die Reaktion des Finanzsystems beschränkt sich nicht auf die Modernisierung von Swift. Auch Banken versuchen, die Form des Geldes selbst zu verändern.
Die Transaktionen von HSBC und Standard Chartered nutzten tokenisierte Einlagen. Im Gegensatz zu USDT oder USDC stellt eine solche Einlage eine direkte Verbindlichkeit einer Geschäftsbank gegenüber ihrem Kunden dar.
Diese Unterscheidung ist grundlegend für das Bankmodell. Eine weitverbreitete Nutzung von Stablecoins könnte die direkte Beziehung der Banken zu den Kundeneinlagen schwächen und einen Teil dieser Rolle auf Emittenten digitaler Vermögenswerte verlagern.
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Die Tokenisierung ermöglicht es Banken, ihre Kundenbeziehungen zu erhalten und gleichzeitig eine Abwicklung rund um die Uhr sowie die Interaktion mit digitalen Vermögenswerten anzubieten.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich untersucht ein ähnliches Modell. Im Rahmen von Project Agorá testen Zentral- und Geschäftsbanken den Einsatz von tokenisierten Reserven und Bankeinlagen für internationale Abwicklungen.
Doch das Entstehen mehrerer Formen von digitalem Geld schafft ein neues Problem. Eine Bank nutzt vielleicht ihr eigenes Einlagensystem, eine andere arbeitet auf einem anderen Netzwerk, während ein Stablecoin-Emittent ein drittes verwendet. Anstelle einer einheitlichen Infrastruktur droht der Finanzmarkt, sich auf inkompatible Systeme zu fragmentieren.
Hier hat Swift die Chance, eine zentrale Rolle zu behalten. Die Organisation hat bereits die Interoperabilität zwischen öffentlichen und privaten Blockchains, digitalen Währungen, tokenisierten Vermögenswerten und traditioneller Infrastruktur getestet.
Ihre Aufgabe könnte daher nicht darin bestehen, Stablecoins zu verdrängen, sondern verschiedene Formen von digitalem Geld miteinander zu verbinden.
Swifts Hauptvorteil in diesem Wettbewerb ist nicht die Technologie, sondern die bestehende globale Bankeninfrastruktur, gemeinsame Standards und über Jahrzehnte aufgebaute Beziehungen zwischen Finanzinstituten.
Im traditionellen Zahlungsverkehr bestand Swifts Wert vor allem darin, Finanznachrichten zuverlässig zu übermitteln. Doch wenn sowohl ein Vermögenswert als auch die Information über dessen Transfer im selben digitalen System existieren, wird diese Funktion weniger einzigartig.
Für Banken könnte Swifts Wert im neuen System vielmehr darin liegen, einen einzigen Verbindungspunkt bereitzustellen, anstatt für jedes neue Hauptbuch oder digitalen Vermögenswert eine separate Integration zu benötigen.
Das aktuelle Volumen der Stablecoin-Zahlungen deutet daher nicht darauf hin, dass Swift kurz vor dem Aus steht. Die grundlegendere Herausforderung besteht darin, dass die Tokenisierung die Trennung zwischen Zahlungsnachricht und Geldbewegung – die Unterscheidung, auf der Swifts historische Rolle beruhte – nach und nach aufhebt.
Doch derselbe Wandel schafft einen neuen Bedarf: Banken müssen tokenisierte Einlagen, Stablecoins und andere digitale Vermögenswerte miteinander verbinden.
Wenn Swift sein bestehendes Bankennetzwerk nutzen kann, um dieses Problem zu lösen, könnte Blockchain Swift nicht aus dem internationalen Zahlungsverkehr verdrängen. Stattdessen könnte sich der eigentliche Grund, warum Swift für das globale Finanzsystem unverzichtbar bleibt, verändern.