Pavlo Kot

DeFi nur für ausgewählte Nutzer: Hyperliquid plant Märkte mit Zugangsbeschränkungen

DeFi nur für ausgewählte Nutzer: Hyperliquid plant Märkte mit Zugangsbeschränkungen
Hyperliquid bringt KYC in DeFi-Märkte

​Die Entwickler von Hyperliquid bereiten eine Infrastruktur vor, über die regulierte Unternehmen Märkte starten können, die nur verifizierten Kunden offenstehen. Doch wenn DeFi ursprünglich auf der Idee beruhte, einfach eine Wallet zu verbinden und frei zu handeln, kann man dann noch von DeFi sprechen, wenn der Zugang zu manchen Märkten von der Identifizierung der Nutzer abhängt?

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Die jüngste Entwicklung wurde am 26. Oktober bekannt. Kraken-Mutter Payward plant, über das regulierte Unternehmen Bitnomial als erster Betreiber einen Markt auf einer neuen Version von HIP-3 anzubieten. Der Handelszugang kann dabei auf eine Liste vorab genehmigter Adressen beschränkt werden.

Hyperliquid plant jedoch weder, seine bestehenden Märkte zu schließen, noch für alle Nutzer eine verpflichtende Identitätsprüfung einzuführen. Stattdessen soll dieselbe öffentliche Infrastruktur sowohl offene Märkte als auch separate Handelsplätze unterstützen, deren Zugangsregeln von regulierten Betreibern festgelegt werden.

Wie aus offenen Märkten geschlossene Bereiche wurden

Um zu verstehen, warum Hyperliquid diese Struktur benötigt, lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung von HIP-3. Der Mechanismus wurde 2025 eingeführt, damit Drittanbieter-Teams eigenständig Perpetual-Futures-Märkte schaffen können, statt darauf zu warten, dass die Plattform selbst einen bestimmten Vermögenswert listet.

Das Konzept entsprach weitgehend dem traditionellen DeFi -Modell: Die Infrastruktur wird gemeinsam genutzt, doch Entscheidungen über die Einführung einzelner Märkte treffen externe Betreiber statt einer zentralisierten Börse. Im Laufe der Zeit wurden die Märkte über Kryptowährungen hinaus erweitert und umfassen nun auch Kontrakte auf Aktien, Aktienindizes, Gold, Rohstoffe und andere Vermögenswerte.

Im Herbst 2026 war HIP-3 kein Experiment am Rande der Plattform mehr.

Seit dem Start haben die auf HIP-3 aufgebauten Märkte ein Handelsvolumen von rund 665 Milliarden erreicht, davon allein rund 64,7 Milliarden in den vergangenen 30 Tagen. Zeitweise entfiel ein erheblicher Anteil des gesamten Perpetual-Futures-Handels auf Hyperliquid auf diese Märkte.

Nun erweitert das Projekt dieses etablierte Modell um eine weitere Ebene. Im Rahmen von HIP-3 kann der Betreiber eines einzelnen Marktes den Zugang auf eine Liste genehmigter Adressen beschränken. Für Nutzer ist der Unterschied grundlegend: Für den Zugang zu einem regulären Markt genügt es, eine Wallet zu verbinden. Für einen regulierten Markt müssen sie sich zunächst bei dem für den Betrieb verantwortlichen Unternehmen registrieren.

Entscheidend ist, dass Hyperliquid selbst weder KYC-Prüfungen durchführt noch darüber entscheidet, wer handeln darf. Die Marktbetreiber kümmern sich um die Kundenverifizierung, die Einhaltung regulatorischer Vorgaben und die Kontoverwaltung.

Im Fall von Payward sollen diese Aufgaben auf mehrere regulierte Unternehmen verteilt werden. Bitnomial wird den Markt und das Clearing beaufsichtigen, während NinjaTrader Clearing die Kundenkonten verwaltet. Nach erfolgreicher Verifizierung können Nutzer über eine vorab genehmigte Adresse auf den entsprechenden Markt zugreifen.

Für das Unternehmen eröffnet sich damit die Möglichkeit, den Handel auf eine öffentliche Infrastruktur zu verlagern und zugleich KYC, Kundenkonten und regulatorische Verantwortung bei lizenzierten Unternehmen zu belassen.

Warum Kraken Hyperliquid braucht

Paywards Interesse an diesem Modell ist nicht über Nacht entstanden. 2026 vereinbarte das Unternehmen die Übernahme der regulierten US-Derivatebörse Bitnomial für bis zu 550 Millionen US-Dollar. Bereits im Sommer hatte Kraken begonnen, US-Kunden über Bitnomial Perpetual Futures auf BTC, ETH, SOL und XRP anzubieten.

Mit anderen Worten: Payward braucht Hyperliquid nicht, um erstmals in diesem Markt Fuß zu fassen. Der Konzern verfügt bereits über regulierte Infrastruktur und die Möglichkeit, US-Kunden zu bedienen.

Die neue Initiative ist aus einem anderen Grund interessanter: Sie würde es ermöglichen, einen Teil des Handels auf eine öffentliche Krypto-Infrastruktur zu verlagern und zugleich Nutzerregistrierung, Clearing und rechtliche Verantwortung bei lizenzierten Unternehmen zu belassen.

Für Payward bietet dieser Ansatz die Möglichkeit, die bestehende Handelsinfrastruktur eines Partners zu nutzen und zugleich die regulierten Bestandteile des Angebots in eigenen Unternehmen zu halten. Der Betreiber bleibt für Aufgaben verantwortlich, die sich nicht an ein dezentrales Protokoll delegieren lassen: Kundenverifizierung, Einhaltung regulatorischer Vorgaben und Kontoverwaltung.

Für Hyperliquid wiederum eröffnet sich damit ein anderer Markt: regulierte Finanzinstitute, denen es schwerfällt, ihre Kunden über vollständig offene Handelsplattformen zu bedienen.

2026 begannen die US-Regulierungsbehörden, Perpetual-Krypto-Derivate schrittweise für den regulierten Markt zuzulassen. Zuvor waren solche Produkte hauptsächlich außerhalb der USA oder über Offshore-Plattformen verfügbar.

Ist DeFi mit KYC noch dezentrale Finanzwirtschaft?

Für Befürworter des traditionellen DeFi-Modells mag die Antwort offensichtlich sein. Wenn sich Nutzer bei einem Intermediär registrieren, ihre Identität nachweisen und eine Handelserlaubnis einholen müssen, verschwindet eines der bestimmenden Merkmale der dezentralen Finanzwirtschaft – der offene Zugang.

Im Fall von Hyperliquid würden die Einschränkungen jedoch nicht für die gesamte Plattform gelten. Reguläre Nutzer könnten weiterhin auf offenen Märkten handeln; eine Identitätsprüfung wäre nur dort erforderlich, wo der jeweilige Betreiber sie verlangt.

Dieser Ansatz trennt zwei Konzepte, die im DeFi-Bereich oft als untrennbar galten: öffentliche Infrastruktur und die Zugangsregeln für ein bestimmtes Finanzprodukt.

Für regulierte Finanzinstitute beseitigt dieses Modell ein wesentliches Hindernis. Sie können öffentliche Infrastruktur nutzen, ohne ihre Produkte jeder anonymen Wallet zugänglich machen zu müssen.

Doch dieses Szenario verändert auch die Rolle der Protokolle selbst. Hyperliquid wirkt zunehmend weniger wie eine eigenständige Kryptobörse, die jeden Trader anziehen und über das eigene Marktangebot entscheiden muss.

Stattdessen versucht das Projekt, zu einer Handelsschicht zu werden, auf der andere Unternehmen eigene Produkte mit unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen aufbauen können.

Paywards Vorhaben hängt weiterhin von der behördlichen Genehmigung ab und kann daher noch nicht als etabliertes Modell gelten. Das Experiment zeigt jedoch bereits, wie die Grenze zwischen DeFi und traditioneller Finanzwirtschaft zunehmend nicht mehr zwischen getrennten Plattformen, sondern innerhalb derselben Infrastruktur verläuft.

Die Einführung von KYC-Anforderungen für bestimmte Hyperliquid-Märkte bedeutet daher nicht zwangsläufig eine Abkehr von den Grundsätzen des DeFi. Vielmehr entsteht ein Modell, in dem die öffentliche Infrastruktur gemeinsam genutzt wird, während die Zugangsregeln vom jeweiligen Finanzprodukt abhängen.

Ein offener Kryptomarkt und ein regulierter Handelsplatz für Kunden eines US-Brokers könnten auf derselben zugrunde liegenden Infrastruktur nebeneinander bestehen.

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