Ryanair schnallt den Gürtel enger: Steigende Treibstoffpreise setzen Billigflieger unter Druck

Ryanair schnallt den Gürtel enger: Steigende Treibstoffpreise setzen Billigflieger unter Druck
Was ist bei Ryanair los?

​Ryanair hat als Reaktion auf den starken Anstieg der Treibstoffpreise umfassende Kostensenkungen angekündigt. Die Gewinne von Europas größter Billigfluggesellschaft sinken, während ihre Aktien weiter an Wert verlieren. Doch kann das Unternehmen die Ticketpreise niedrig halten, ohne sein Geschäft zu gefährden?

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Ryanair bereitet sich auf harte Einschnitte vor

Am 2. November stellte Ryanair einen Kostensenkungsplan vor, der dem Unternehmen helfen soll, mit dem starken Anstieg der Ausgaben zurechtzukommen. Nach Schätzungen des Managements könnte sich die Treibstoffrechnung im Geschäftsjahr ab April 2027 um 2,24 Mrd. $ erhöhen. Hauptgrund ist der Krieg im Nahen Osten, der die Ölpreise stark steigen ließ.

Um die zusätzlichen Kosten auszugleichen, erwägt Ryanair mehrere Maßnahmen. Dazu zählen ein vorübergehender Gehaltsstopp für Beschäftigte, Neuverhandlungen mit Flughäfen und die Senkung der Ausgaben für das Kabinenpersonal. Außerdem will das Unternehmen verstärkt künstliche Intelligenz einsetzen, um Verwaltungsabläufe zu automatisieren.

„Ich denke, wir müssen uns möglicherweise in den nächsten zwölf Monaten auf ein höheres Ölpreisniveau einstellen. Wir müssen in den kommenden zwölf Monaten den Gürtel enger schnallen“, sagte Ryanairs Finanzvorstand Neil Sorahan gegenüber Bloomberg.

Gleichzeitig senkt die Airline ihre Ziele für das Passagieraufkommen. Bis Ende März 2027 rechnet Ryanair mit 214 Mio. Passagieren statt der zuvor prognostizierten 216 Mio. Zudem will die Fluggesellschaft im Winterflugplan weniger Flüge anbieten, um die Ausgaben für den teuren Treibstoff zu begrenzen.

Ihre Expansionspläne gibt Ryanair jedoch nicht auf. Im darauffolgenden Geschäftsjahr will die Airline das Passagieraufkommen auf mehr als 220 Mio. steigern. Dabei sollen Auslieferungen neuer Boeing 737 MAX 10 helfen. Das Unternehmen hat außerdem 126 neue Strecken für den Sommer 2027 und eine neue Basis im italienischen Rimini angekündigt.

Mehr Passagiere, weniger Gewinn

Obwohl Ryanair mehr Passagiere beförderte, verschlechterte sich die finanzielle Entwicklung. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres, das im September endete, sank der Nettogewinn der Airline im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 % auf 2,4 Mrd. $, nach 2,84 Mrd. $. Gleichzeitig stieg das Passagieraufkommen um 6 % auf 125,8 Mio., während die durchschnittlichen Ticketpreise um 4 % zurückgingen. Die Betriebskosten des Unternehmens legten um 10 % zu.

Derzeit ist Ryanair durch Verträge, die die Einkaufspreise im Voraus festschreiben, teilweise vor hohen Treibstoffpreisen geschützt. Bis März 2027 hat das Unternehmen 80 % seines Treibstoffbedarfs zu 67 $ pro Barrel abgesichert. Die übrigen 20 % waren jedoch den Marktpreisen ausgesetzt, die sich auf 130 $ pro Barrel etwa verdoppelt haben.

Im darauffolgenden Geschäftsjahr könnte sich die Lage verschärfen. Ryanair hat lediglich 25 % seines Treibstoffbedarfs zu 95 $ pro Barrel abgesichert. Schließt das Unternehmen keine weiteren Verträge ab, muss es den restlichen Treibstoff zu Marktpreisen kaufen. Dadurch werden die künftigen Kosten deutlich empfindlicher auf Schwankungen der Ölpreise reagieren.

Vor diesem Hintergrund stellt sich Ryanair auf höhere Ticketpreise ein. CEO Michael O’Leary warnte, dass die Flugpreise in Europa 2027 um 20 % steigen könnten. Seiner Einschätzung nach wäre dies der stärkste Anstieg der Flugpreise in der Geschichte der europäischen Luftfahrt. Selbst ein solcher Anstieg dürfte jedoch nicht ausreichen, um die zusätzlichen Treibstoffkosten vollständig auszugleichen.

Gleichzeitig sind den Fluggesellschaften bei Preiserhöhungen durch das Verhalten der Passagiere Grenzen gesetzt. Der Krieg im Nahen Osten hat die Nachfrage bereits beeinträchtigt: Reisende planen vorsichtiger und buchen Flüge zunehmend kurzfristiger.

Ryanairs Aktie verliert an Höhe

Ryanairs Probleme spiegeln sich auch am Aktienmarkt wider. TradingView zufolge sind die Aktien von Europas größter Billigfluggesellschaft seit Jahresbeginn 2026 um 21,7 % gefallen. Zum Handelsschluss am 30. Oktober notierte die Aktie an der Euronext Dublin bei 22,90 € (rund 25,58 $). In den vergangenen drei Monaten verlor sie 8,7 %, im vergangenen Jahr 10,2 %.

Die Kursentwicklung von Ryanairs europäischen Wettbewerbern fiel derweil sehr unterschiedlich aus. Die Aktien der ungarischen Billigfluggesellschaft Wizz Air verloren seit Jahresbeginn ungefähr ebenso viel wie die von Ryanair. Die Aktien der britischen Airline EasyJet legten dagegen nach einer Übernahmevereinbarung mit der US-Investmentgesellschaft Apollo Global Management um 33 % zu.

US-Fluggesellschaften stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Wie Reuters berichtet, haben Delta Air Lines, Southwest Airlines und American Airlines ihre Gewinnprognosen für 2026 gesenkt. Zwar stiegen die durchschnittlichen Flugpreise in den USA in den sieben Monaten bis September im Jahresvergleich um fast 23 %, doch reichte dies nicht aus, um die höheren Treibstoffkosten vollständig auszugleichen.

Trotz des Kursrückgangs schüttet Ryanair weiterhin Kapital an seine Aktionäre aus. Das Unternehmen hat ein neues Aktienrückkaufprogramm im Wert von rund 900 Mio. $ angekündigt, das im Februar 2027 beginnen und etwa zehn Monate laufen soll. Außerdem plant die Airline eine Zwischendividende von rund 0,31 $ je Aktie.

Kann Ryanair die Ticketpreise niedrig halten?

Das größte Risiko für Ryanair besteht darin, dass weitere Preiserhöhungen den entscheidenden Wettbewerbsvorteil des Unternehmens untergraben könnten: erschwingliche Flugreisen. Steigen die Ticketpreise deutlich, könnten einige Kunden ihre Reisen absagen oder auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Ein Rückgang der Passagierzahlen könnte dann die zusätzlichen Einnahmen aus höheren Preisen zunichtemachen.

Trotz der schwächeren Geschäftsentwicklung ist Ryanair noch weit von einer Krise entfernt. Sollten die Treibstoffpreise jedoch längere Zeit hoch bleiben, muss das Unternehmen möglicherweise seine Preisstrategie überdenken. Dann könnten die günstigen Flüge, mit denen Ryanair zur führenden Airline Europas wurde, deutlich weniger erschwinglich werden.

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