Berlin warnt vor Folgen einer möglichen Easyjet-Zerschlagung für den BER
Vor der erwarteten Offerte für Easyjet am 5. Juli wächst in Berlin die Sorge vor einem Eigentümerwechsel mit weitreichenden Folgen für den Hauptstadtflughafen BER. Ein möglicher Verkauf der Airline in Teilen könnte das Flugangebot nach Angaben aus dem Markt deutlich verringern und den Preisdruck für Reisende weiter erhöhen.
Höhepunkte
- Castlelake prüft eine Zerschlagung von Easyjet nach Übernahme, was insbesondere für den BER aufgrund geringer Lufthansa-Präsenz und belasteter Ryanair-Beziehung erhebliche Risiken birgt.
- Easyjet hält in Deutschland einen Marktanteil mit bis zu 4,2 Millionen Passagieren von fünf Millionen allein am BER; ein Wegfall würde laut EU-Kartellbehörde die Auswahl einschränken und Ticketpreise erhöhen.
- Easyjet besitzt eine Flotte mit Buchwert von fast sechs Milliarden Euro und 300 bestellten Jets, das finale Übernahmeangebot wird am 5. Juli erwartet, der Aktienkurs stieg im letzten Monat um fast ein Drittel.
Risiken für BER und den europäischen Flugmarkt
Wie BILD.de berichtet, steht Easyjet im Zentrum einer Übernahmeschlacht, bei der der U.S.-Finanzinvestor Castlelake die Fluggesellschaft nach einer möglichen Übernahme zerschlagen und Vermögenswerte einzeln weiterverkaufen könnte. Für den BER gilt Easyjet als besonders wichtig, weil Lufthansa den Hauptstadtflughafen kaum anfliegt und das Verhältnis zu Ryanair wegen hoher Kosten seit längerem belastet ist.Easyjet-Manager Stephan Erler sagt, von rund fünf Millionen Passagieren pro Jahr im deutschen Markt flögen bis zu 4,2 Millionen von und nach Berlin. Nach Einschätzung eines Brüsseler Beamten der EU-Kartellbehörde, der von der italienischen Zeitung Corriere della Sera zitiert wird, würde ein Wegfall des Flugbetriebs die Auswahl für EU-Bürger deutlich einschränken. Das hätte nach dieser Einschätzung auch negative Folgen für die Ticketpreise, die erheblich steigen würden.
Noch größer sind die Bedenken in der britischen Regierung, weil Easyjet dort auf einen Marktanteil von rund einem Fünftel kommt. Ein Sprecher fordert dem Bericht zufolge eine schriftliche Garantie, dass es nicht zu einer Zerschlagung kommt.
Bewertung, Flotte und Zeitplan der Offerte
Ein zentraler Treiber des Interesses ist der hohe Wert der Vermögenswerte. Weil sich der Flugverkehr nach der Corona-Zeit überraschend schnell erholt hat, bestehen bei den Herstellern weiter Kapazitätsengpässe, was vorhandene Flugzeuge und Lieferrechte zusätzlich aufwertet.Easyjet verfügt dem Bericht zufolge über eine Flotte mit einem Buchwert von fast sechs Milliarden Euro sowie über rund 300 vorbestellte Jets. Aus Sicht eines Finanzinvestors könnte ein getrennter Verkauf von Flugzeugen, Start- und Landerechten lukrativer sein als die Fortführung des Flugbetriebs.
Der nächste entscheidende Termin ist der 5. Juli, wenn nach einem von Easyjet gewährten Einblick in die Bücher das finale Angebot erwartet wird. Profitieren könnten zunächst vor allem die Aktionäre, denn der Aktienkurs ist im vergangenen Monat laut Bericht um fast ein Drittel gestiegen.
Im Zusammenhang mit der Android-Kartellstrafe gegen Google berichteten wir über die endgültige Niederlage des Konzerns vor dem Europäischen Gerichtshof, wodurch eine EU-Geldbuße von rund 4,1 Milliarden Euro rechtskräftig wurde. Das Urteil bestätigt nach Auffassung der EU-Behörden, dass Google seine Marktmacht genutzt hat, um über Vorinstallations- und Vertragsauflagen die Position von Search und Chrome abzusichern – und stärkt damit die Durchsetzung des EU-Kartellrechts gegen dominante Marktakteure.
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