EU-US-Handelsboom lässt deutsche Autobauer zurück
Der Warenhandel zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten erreichte im vergangenen Jahr einen Rekordwert von 875 Milliarden Euro, obwohl Zölle eine der weltweit größten Handelsbeziehungen belasteten. Die Schlagzeile verbirgt jedoch eine tiefe Kluft: Während einige Sektoren und Länder profitierten, musste die deutsche Automobilindustrie schwere Einbußen hinnehmen.
Höhepunkte
- Der EU-US-Warenhandel erreichte im vergangenen Jahr 875 Mrd. €.
- Die EU-Exporte in die USA stiegen um 7,7 % auf 580 Mrd. €.
- Die EU-Exporte von Autos und Teilen in die USA fielen um 20,4 %.
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Rekordhandel, ungleiche Gewinne
Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stiegen die EU-Warenexporte in die USA um 7,7 % auf 580 Milliarden Euro, während die US-Warenexporte in die EU um 2,2 % auf 295 Milliarden Euro zunahmen. Damit verzeichnete die EU einen Handelsüberschuss von fast 285 Milliarden Euro. Die Zahlen belegen, dass der transatlantische Warenhandel trotz des Zolldrucks widerstandsfähig blieb. Die Studie wies jedoch darauf hin, dass der Gesamtanstieg teilweise durch Lieferungen verzerrt wurde, die noch vor dem Inkrafttreten der Zölle im April erfolgten, wie Reuters berichtete.
Der Zuwachs war in Europa nicht gleichmäßig verteilt. Irland verzeichnete einen Sprung der Exporte in die USA um 52,7 %, begünstigt durch Pharma- und Chemieprodukte, die von den Zöllen befreit waren. Auch die Tschechische Republik, Italien, Dänemark und Finnland erzielten Gewinne, doch in den meisten EU-Mitgliedstaaten gingen die Warenexporte in die USA zurück.
Dieser Kontrast verdeutlicht, wie die Zollpolitik Handelsströme umgestalten kann, ohne notwendigerweise das gesamte Handelsvolumen zu verringern. Unternehmen, die Waren frühzeitig verschiffen konnten oder auf befreite Kategorien setzten, waren besser geschützt. Hersteller in zollsensiblen Sektoren erlebten hingegen ein deutlich schwierigeres Jahr.
Deutsche Autobauer unter Druck
Der deutlichste Schaden zeigte sich im Automobilsektor. Die EU-Exporte von Autos und Autoteilen in die USA fielen laut IW-Studie im Jahr 2025 um 20,4 %. Deutschland, auf das fast zwei Drittel der EU-Autoexporte in die USA entfallen, verzeichnete einen Rückgang von 18,9 %.
Dieser Einbruch ist gravierend, da Automobile eines der wichtigsten industriellen Exportgüter Europas und ein Kernstück der deutschen Industrie sind. Ein Rekordwert im Warenhandel bedeutet daher nicht, dass der Zollkonflikt harmlos war. Es bedeutet lediglich, dass Verluste in einem wichtigen Sektor durch Gewinne in anderen Bereichen, insbesondere in der Pharma- und Chemieindustrie, ausgeglichen wurden.
Das Turnberry-Handelsabkommen zwischen der EU und den USA half, einen größeren Bruch zu verhindern, doch laut IW-Studie profitierte die USA asymmetrisch davon. Dennoch plädierten die Forscher dafür, dass beide Seiten das Abkommen einhalten sollten, und warnten, dass erneute Zollandrohungen die Unsicherheit erhöhen und die Geschäftstätigkeit auf beiden Seiten des Atlantiks bremsen würden.
Dienstleistungen verändern die Bilanz
Der Warenhandel erzählt nur einen Teil der Geschichte. Der transatlantische Dienstleistungshandel erreichte ebenfalls einen Rekordwert von 865 Milliarden Euro, doch in dieser Kategorie verzeichnete die EU ein Defizit von 178 Milliarden Euro. Gebühren für geistiges Eigentum, einschließlich Softwarelizenzen, Patente und Marken, machten mehr als 40 % der EU-Dienstleistungsimporte aus den USA aus und stiegen um 13,7 %.
Dies macht die Gesamtbeziehung ausgewogener, als es die reinen Warenzahlen vermuten lassen. Die EU verkauft weit mehr Waren an die USA, während die USA massiv an Dienstleistungen, Technologie und geistigem Eigentum verdienen. Die Rekordsummen zeigen die Tiefe des transatlantischen Handels, doch die Schäden auf Sektorebene verdeutlichen, warum Zollspannungen politisch schwierig bleiben. Für Europa besteht das Risiko, dass neue Handelsdrohungen erneut Branchen treffen könnten, die bereits unter Druck stehen, insbesondere die Automobilindustrie.
Wir berichteten auch, dass die EU das US-Handelsabkommen vorantreibt, nachdem Trump mit Zöllen gedroht hatte.
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