Der Tweet wurde vom Autor gelöscht.
Aber wir haben alles gespeichert 🙂.
Chinas führender Livestreamer, der „Lippenstift-König“, verkaufte zum Auftakt des Singles’ Day binnen nur 30 Minuten 100.000 KI-Token-Pakete. Plattformen nutzen digitale Token, um mit Rabatten die Nachfrage und die Verbreitung im Massenmarkt anzukurbeln. Können chinesische Tech-Unternehmen daraus nachhaltige Einnahmequellen entwickeln, die den Erwartungen der Verbraucher entsprechen?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Am Abend des 2. November 2026 tat sich der führende Livestreamer Li Jiaqi (Chinas „Lippenstift-König“) mit Chen Yusen, Vizepräsident der Alibaba Group und CEO von QwenWork, zusammen. In nur 30 Minuten verkauften sie fast 100.000 Monatsmitgliedschaften für Alibabas KI-Office-Dienst QwenWork. Das entsprach 2 Billionen Token. Eine Mitgliedschaft kostete regulär 28 Yuan, im Livestream wurde sie jedoch für nur 0,01 Yuan angeboten.
Beitrag auf X ansehen Wird geladen...
Die Zuschauer fluteten den Chat mit dem vertrauten Countdown „3-2-1, die Token sind da!“ – und das unsichtbare Produkt stellte neue Rekorde auf. Für Li war es der erste Verkauf von KI-Produkten. Chen erklärte während des Livestreams, KI könne Routineaufgaben übernehmen, sodass die Nutzer mehr Zeit mit ihren Familien verbringen könnten. Die Kombination aus extrem niedrigen Preisen und prominenter Werbung brachte Tausende neue Verbraucher dazu, Token zu kaufen.
Token messen, wie viel Text ein KI-Modell verarbeitet und erzeugt. Bisher waren sie für normale Verbraucher weitgehend unsichtbar, da diese mit Entwickler-APIs oder Unternehmenskundenverträgen wenig vertraut waren. Am Singles’ Day haben große Plattformen Token jedoch erstmals als eigene Produktkategorie für Verbraucher positioniert. Alibaba Tmall eröffnete ein KI-Token-Center mit Paketen von Alibaba Cloud, MiniMax, Moonshot AI, Z.AI und weiteren Anbietern. JD.com bot Dienste von DeepSeek, Z.AI und ByteDances Volcano Engine an.
Beitrag auf X ansehen Wird geladen...
Experten zufolge soll die Initiative das „Aufladen von Rechenleistung so einfach wie das Aufladen eines Handytarifs“ machen. Auch die Inlandsnachfrage entwickelt sich eindeutig positiv. Die durchschnittliche Zahl täglicher Token-Aufrufe in China ist seit 2024 um mehr als das 5.000-Fache gestiegen. Der jüngste Erfolg macht es wahrscheinlicher, dass sich die explosive Expansion in den kommenden Monaten fortsetzt.
Der Verkauf von KI-Token-Paketen auf den Alibaba-Plattformen stieg vom 1. bis zum 20. Oktober gegenüber dem Vormonat um 450 Prozent. Nachdem Zhipu auf Tmall einen offiziellen Shop eröffnet hatte, nahmen die Suchanfragen nach der Marke binnen 48 Stunden um das 50-Fache zu. Die Aboverkäufe stiegen im Monatsvergleich um 160 Prozent. KI-Laptops verzeichneten ein Wachstum von 300 Prozent im Jahresvergleich – sämtliche Indikatoren bestätigen also die rasche Verbreitung dieser neuen Technologie.
Beitrag auf X ansehen Wird geladen...
„Chinesische Verbraucher sind inzwischen sehr daran gewöhnt, KI-Produktivitätstools zu nutzen“, sagte Lian Jye Su, Chefanalyst beim Marktforschungsunternehmen Omdia. „Wer die Tools häufig nutzt, kann seine Credits aufbrauchen. Deshalb sind umfangreiche Käufe während einer Verkaufsaktion durchaus sinnvoll.“
Plattformen bieten häufig längere Gültigkeitszeiträume an, um Verbraucher zum Vorratskauf zu bewegen. Zudem versuchen sie, ihre Zielgruppen mit Livestream-Demonstrationen zur Datenanalyse und Präsentationserstellung zu informieren.
Kommerzielle Unternehmen streben traditionell nach Gewinnmaximierung, doch über die langfristigen Folgen ihrer neuen Strategie gehen die Meinungen auseinander. Hohe Rabatte fördern Absatz und Kundengewinnung, können bei manchen Verbrauchern aber die Erwartung wecken, nahezu kostenlosen Zugang zu erhalten. Su erklärte: „Rasche Veränderungen bei KI-Produkten könnten Verbraucher davon abhalten, im Voraus für Dienste zu zahlen, die möglicherweise ersetzt oder eingestellt werden.“
Beitrag auf X ansehen Wird geladen...
Die Umwandlung von Aktionsmitgliedschaften in Angebote zum vollen Preis ist die entscheidende Bewährungsprobe. Der Wettbewerb unter den Modellanbietern ist intensiv, und die Margen bei reinen Rechenleistungs-Credits könnten angesichts der bestehenden Kosten zu gering sein. Plattformen sollten kurzfristige Verkäufe mit einer Monetarisierung in Einklang bringen, die verschiedene Verbrauchergruppen anspricht – auch die besonders preissensible Zielgruppe.
Chinas Experiment könnte Geschäftsstrategien weltweit beeinflussen. In westlichen Märkten wird KI-Zugang bereits über Monatsabos verkauft (ChatGPT Plus, Claude Pro, Microsoft Copilot). Token werden dort jedoch nicht als eigenständige Produkte für den Massenmarkt angeboten, die sich über große Livestream-Verkaufsaktionen vertreiben lassen. Telekommunikationsanbieter, Banken und Einzelhändler in anderen Ländern könnten verstärkt mit KI-Credits experimentieren, etwa als Treueprämien oder Zusatzangebote.
Beitrag auf X ansehen Wird geladen...
Gleichzeitig schaffen Chinas wettbewerbsintensive E-Commerce-Plattformen, der Livestream-Handel und die staatliche Förderung der KI-Industrialisierung ein einzigartiges Umfeld, das sich anderswo nicht reproduzieren lässt. Ob Verbraucher auch ohne massive Rabatte dauerhaft zahlungsbereit bleiben und sich das Modell weltweit verbreitet, ist daher umstritten. In jedem Fall hat der Singles’ Day gezeigt, dass sich neue Marketing- und Umsatzchancen eröffnen – und einige Unternehmen dürften ihre Wettbewerbsvorteile auf dieser Grundlage weiter ausbauen.