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Immobilien zählen seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Möglichkeiten, Vermögen zu bewahren. Menschen kaufen Wohnungen und Häuser nicht nur, um darin zu leben, sondern auch als Vermögenswerte, die der Inflation standhalten und im Laufe der Zeit an Wert gewinnen sollen. Leon Wankum, Autor von Digital Real Estate, glaubt, dass Bitcoin einen Teil dieser Rolle übernehmen könnte. Doch was würde das für den Wohnungsmarkt bedeuten?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Wankum behauptet nicht, dass BTC Wohnungen ersetzen oder Immobilien überflüssig machen wird. Sein Argument ist ein anderes: Ein erheblicher Teil des Kapitals fließt nicht deshalb in den Immobilienmarkt, weil Menschen mehr Wohnraum benötigen, sondern weil sie die Kaufkraft ihres Geldes erhalten möchten.
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Wenn Bitcoin um diese Rolle konkurrieren kann, könnte sich auch die Bewertung von Wohnimmobilien verändern. Für Preise wären dann stärker der Nutzen einer Immobilie, ihre Lage und ihre Mieteinnahmen ausschlaggebend – und weniger die bloße Erwartung weiterer Wertsteigerungen.
Die enorme Größe des Marktes erklärt, warum diese Debatte relevant ist. Laut Savills ist der weltweite Immobilienmarkt rund 393 Billionen $ wert, davon entfallen etwa 287 Billionen $ auf Wohnimmobilien.
Zum Vergleich: Die aktuelle Marktkapitalisierung von Bitcoin beträgt rund 1,6 Billionen $.
Wankum bezeichnet einen Teil des Immobilienwerts als „monetäre Prämie“. Damit meint er den zusätzlichen Betrag, den Käufer nicht für die Möglichkeit zu zahlen bereit sind, in einer Immobilie zu wohnen, sondern für Eigenschaften, die Immobilien zu einem Wertspeicher machen.
Der Autor geht deutlich weiter und vermutet, dass diese Prämie bis zu 80–90 % des Marktwerts ausmachen könnte. Unabhängige Schätzungen, die einen solchen Anteil bestätigen, gibt es nicht. Daher ist diese Aussage eher als Annahme seines Modells denn als belegte Tatsache zu verstehen.
In den Vereinigten Staaten entfiel in den vergangenen Jahren etwa ein Fünftel der Hauskäufe auf Investoren; in einigen Großstädten lag der Anteil deutlich höher. Ein Teil der Nachfrage nach Wohnraum stammt tatsächlich von Privatpersonen und Unternehmen, die Immobilien vor allem als Finanzanlage erwerben.
Die Investitionsnachfrage ist jedoch nur einer von mehreren Faktoren, die die Preise beeinflussen. Der Wert von Wohnimmobilien hängt von Bevölkerungsentwicklung, Einkommen, der Finanzierbarkeit von Hypotheken, Baubeschränkungen, Grundstückskosten, der lokalen Wirtschaftslage und dem Angebot an neuen Immobilien ab. Das Wachstum des Marktes lässt sich daher nicht allein mit dem Versuch erklären, Geld vor Inflation zu schützen.
Wankum führt die zunehmende Rolle von Immobilien als Sparanlage auf die Zeit nach 1971 zurück, als die Vereinigten Staaten die Bindung des Dollars an Gold endgültig aufgaben. Seiner Argumentation zufolge fließt umso mehr Kapital in knappe Sachwerte wie Grundstücke, Wohnhäuser und Gewerbeimmobilien, je schneller Fiatwährungen an Kaufkraft verlieren.
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Bitcoin bietet ein ähnliches Konzept der Knappheit, ist jedoch nicht physisch an einen bestimmten Ort gebunden. Darauf beruht das Argument in Digital Real Estate: Wenn ein Anleger in erster Linie einen Vermögenswert zur Vermögenssicherung sucht, kann BTC mit einer Wohnung oder einem Haus konkurrieren, auch wenn Bitcoin deren praktischen Nutzen nicht ersetzen kann.
Wird Wohnraum ausschließlich als Finanzanlage betrachtet, hat Bitcoin mehrere Vorteile. Es lässt sich in beliebiger Höhe kaufen, schnell verkaufen, grenzüberschreitend übertragen und ohne Kosten für Reparaturen, Gebäudeversicherungen oder Instandhaltung halten.
Für Anleger kommen diese Vorteile besonders bei hohen Hypothekenzinsen zum Tragen. In den Vereinigten Staaten lag der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige Hypothek im Herbst 2026 bei über 7 %. Dadurch waren kreditfinanzierte Hauskäufe deutlich teurer als noch einige Jahre zuvor.
Vor diesem Hintergrund ist der Vergleich zwischen Wohneigentum und Mieten sowie dem Anlegen überschüssigen Kapitals eine praktische und keine bloß theoretische Frage.
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Der Vergleich stößt jedoch schnell an seine Grenzen, denn Immobilien bieten etwas, das BTC nicht bieten kann. Menschen können in einem Haus wohnen, eine Immobilie vermieten und Grundstücken sowie Gewerbegebäuden unabhängig von der Entwicklung der Finanzmärkte einen praktischen Nutzen abgewinnen.
Zudem verändern sich Immobilienpreise im Allgemeinen deutlich langsamer. Bitcoin kann innerhalb weniger Monate zweistellige prozentuale Verluste erleiden, während Immobilien vergleichbare Bewegungen im selben Zeitraum nur selten verzeichnen.
Für alle, die einen Vermögenswert als Sicherheit nutzen, ist dieser Unterschied besonders wichtig.
Der Markt für mit Bitcoin besicherte Kredite existiert bereits. Große Kryptoplattformen ermöglichen es Nutzern, ihre Coins zu beleihen, ohne sie zu verkaufen. Diese Vereinbarungen sind jedoch deutlich weniger nachsichtig als herkömmliche Hypotheken: Fällt der Bitcoin-Kurs stark, kann die Sicherheit automatisch liquidiert werden.
Für Hauseigentümer gibt es keine vergleichbare Pflicht, zusätzliche Sicherheiten zu stellen, nur weil der Marktwert ihrer Immobilie innerhalb einer Woche gesunken ist.
Sollte sich Bitcoin weiter als Wertspeicher etablieren, wären vor allem die Investitionsnachfrage und weniger der grundlegende Wohnraumbedarf betroffen. Menschen werden weiterhin Häuser und Wohnungen benötigen, aber manche Käufer könnten Immobilien nicht mehr als einzige Möglichkeit betrachten, ihre Ersparnisse zu schützen.
In einem solchen Szenario würden Anleger stärker auf die tatsächliche Rendite einer Immobilie achten, statt lediglich auf steigende Preise zu setzen.
Dazu zählen Mieteinnahmen, Instandhaltungskosten, Steuern und die Qualität der Immobilie selbst. Immobilien müssten bei jedem investierten Dollar stärker mit anderen Finanzinstrumenten konkurrieren.
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Das bedeutet nicht, dass die Preise automatisch fallen würden. In Städten mit knappem Wohnraumangebot, hoher Zuwanderung oder starkem Einkommenswachstum könnten Immobilienwerte unabhängig von der Beliebtheit von Bitcoin weiter steigen. Wenn jedoch ein Teil des Anlagekapitals in eine liquidere Alternative fließt, könnte diese Quelle der Wohnraumnachfrage schwächer werden.
Auch die Rolle als Sicherheit könnte sich verändern. Immobilien sind heute nach wie vor eine der wichtigsten Sicherheiten, gegen die Banken bereit sind, große, langfristige Kredite zu vergeben. Sollte Bitcoin weniger volatil und stärker in das regulierte Finanzsystem eingebunden werden, könnte es diese Funktion möglicherweise ergänzen. Kreditkonditionen, die mit denen von Hypotheken vergleichbar sind, liegen jedoch noch in weiter Ferne.
Die möglichen Auswirkungen von Kryptowährungen auf den Wohnungsmarkt dürften daher kaum in einem plötzlichen Kapitalabzug aus Immobilien bestehen.
Wahrscheinlicher ist ein allmählicher Wettbewerb um Anlagekapital. Wenn Menschen Zugang zu einem weiteren weltweit verfügbaren knappen Vermögenswert haben, ist der Kauf einer Zweitwohnung nicht mehr die einzige naheliegende Möglichkeit, Vermögen zu bewahren.
Bitcoin nimmt Wohnimmobilien nicht ihren Wert. Vielmehr sorgt es für eine klarere Unterscheidung zwischen ihren beiden Funktionen. Der Markt wird weiterhin dafür zahlen, dass man in einer Immobilie wohnen, sie vermieten und als Sachwert nutzen kann. Doch als „sicherer Hafen für Vermögen“ bekommt die Immobilie nun globale digitale Konkurrenz.