Oksana Koneva

SNB belässt Leitzins unverändert, September-Beurteilung verweist auf stärkeren Inflationsdruck

SNB belässt Leitzins unverändert, September-Beurteilung verweist auf stärkeren Inflationsdruck
Leitzins bleibt, Inflation steigt

Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und anhaltender geopolitischer Spannungen lässt die Schweizerische Nationalbank ihren Leitzins nach der geldpolitischen Lagebeurteilung vom 22. und 23. September 2026 bei 0%. Die Diskussion im Direktorium zeigt zugleich, dass die Abschwächung des Frankens und höhere importierte Teuerung die monetären Bedingungen seit Juni insgesamt gelockert haben.

Das Wichtigste

  • Die Schweizerische Nationalbank belässt am 24. September 2026 den Leitzins unverändert bei 0% und beurteilt die Geldpolitik weiterhin als expansiv.
  • Der Franken verliert seit Juni handelsgewichtet rund 3%, wodurch sich die monetären Bedingungen trotz steigendem Zinsniveau insgesamt gelockert haben.
  • Die Inflation in der Schweiz steigt im August auf 0,8%, getrieben durch importierte Energiepreise und höhere Spitaltarife, während die Kerninflation TM15 bei 0,6% liegt.

Bewertung der Geldpolitik und Marktbedingungen

Wie die Schweizerische Nationalbank mitteilt, beschließt ihr Direktorium in der geldpolitischen Lagebeurteilung vom 22. und 23. September 2026, den SNB-Leitzins unverändert bei 0% zu belassen; die Entscheidung wird am 24. September 2026 veröffentlicht.

An der Sitzung nehmen Martin Schlegel als Präsident des Direktoriums, Antoine Martin als Vizepräsident und Petra Tschudin als Mitglied des Direktoriums teil. In die Beurteilung fließen Analysen zu Finanzmärkten, monetären Indikatoren, internationalen Rahmenbedingungen sowie zur Konjunktur und zum Ausblick für die Schweiz ein.

Seit der Lagebeurteilung im Juni werden die internationalen Finanzmärkte laut der Diskussion vor allem von erneut gestiegenen Spannungen im Nahen Osten und einer restriktiveren Geldpolitik im Ausland geprägt. Vor dem Hintergrund einer robusten Weltwirtschaft und höherer Energiepreise steigen die Marktzinsen weltweit deutlich, während sich die Aktienmärkte trotz des Zinsanstiegs robust zeigen, insbesondere in der Energiebranche und im U.S.-Technologiesektor.

Das Direktorium prüft zudem die Entwicklung des Frankens, der handelsgewichtet seit Juni um rund 3% nachgibt. In Verbindung mit größeren Zinsdifferenzen zu anderen Ländern und einer geringen Wechselkursvolatilität erhöht dies die Attraktivität des Frankens als Finanzierungswährung für Carry Trades; zugleich bleibt die Safe-Haven-Nachfrage nach dem Franken seit Juni gering.

Bei den monetären Indikatoren zeigt sich eine Verschiebung der Renditekurve für Eidgenossen nach oben. Der Franken wertet gegenüber Euro und U.S.-Dollar ab, Wohnimmobilienpreise steigen weiter, das Wachstum der breiten Geldmengenaggregate geht zurück und das Kreditwachstum verändert sich kaum.

In der Gesamtschau kommt das Direktorium zu dem Schluss, dass sich die monetären Bedingungen seit Juni per saldo gelockert haben, weil die Frankenabwertung den leichten Zinsanstieg überwiegt. Die Inflationserwartungen bleiben nach Einschätzung der SNB gut verankert, und die Geldpolitik wirkt weiterhin expansiv; die überschüssige Liquidität wird als mit Preisstabilität auf mittlere Sicht vereinbar eingeschätzt.

Konjunktur, Inflation und Folgen für die Schweiz

Die internationale Konjunktur entwickelt sich im zweiten Quartal stärker als erwartet, und auch der Welthandel expandiert weiter. Trotz Kaufkraftverlusten durch höhere Energiepreise bleibt der Konsum nahezu stabil, gestützt unter anderem von hohen AI-bezogenen Investitionen und zunehmender Dynamik in der Industrie.

Nach Einschätzung der SNB bleibt die Inflation in vielen Ländern wegen der höheren Energiepreise über den Zielwerten der Zentralbanken, während die Leitzinsen im Euroraum und in den U.S. angehoben werden. Für die Schweiz basieren die Prognosen auf einem internationalen Basisszenario, in dem die Teuerung zunächst erhöht bleibt und das globale Wachstum in den kommenden Quartalen nur moderat ausfällt; die Unsicherheit bleibt wegen der Lage im Nahen Osten und der Handelspolitik hoch.

Im Inland berichten die von der SNB zwischen Juli und September befragten Unternehmen von robustem Umsatzwachstum im dritten Quartal. Die Industrie gewinnt an Tempo, Dienstleister halten eine solide Dynamik aufrecht und die Auftragsbücher im Bau bleiben gut gefüllt; viele Firmen erwarten auch für die kommenden Quartale robuste Umsatzzuwächse und planen zusätzliche Einstellungen.

Zugleich rechnen die Unternehmen mit höheren Einkaufspreisen und in geringerem Umfang auch mit steigenden Verkaufspreisen. Die kurzfristigen Inflationserwartungen der Firmen gehen zwar etwas zurück, mittelfristig bleiben sie jedoch unverändert; Lohnerhöhungen dürften im nächsten Jahr erneut moderat ausfallen.

Bei den Verbraucherpreisen in der Schweiz steigt die Inflation seit der letzten Lagebeurteilung wie erwartet weiter und liegt im August bei 0,8%. Der Anstieg geht erneut vor allem auf importierte Inflation durch höhere Preise für Ölprodukte zurück, während die von der SNB berechnete Kerninflation auf Basis des getrimmten Mittels TM15 im August 0,6% erreicht.

Nach Auffassung des Direktoriums ist der jüngste Anstieg des Landesindex der Konsumentenpreise vor allem energiegetrieben. Die Kerninflation bleibt in den vergangenen Monaten vergleichsweise stabil, zieht zuletzt aber leicht an; zusätzlich zu Ölprodukten tragen im August auch höhere Tarife für stationäre Spitalleistungen zur Teuerung bei.

In unserem früheren Artikel zur September-Inflation in Deutschland haben wir erläutert, dass die Teuerungsrate auf 3,3 % gestiegen ist und damit den höchsten Stand des Jahres erreicht. Als Haupttreiber wurden deutlich höhere Energiepreise hervorgehoben, während Nahrungsmittel und Dienstleistungen vergleichsweise moderat zulegten. Zudem haben wir eingeordnet, dass angekündigte Entlastungsmaßnahmen in den Septemberdaten noch nicht sichtbar waren.

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