Eurozonen-Wirtschaft gewinnt dank beschleunigter Dienstleistungen an Dynamik
Die Wirtschaftsaktivität in der Eurozone hat sich im September so stark beschleunigt wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Eine unerwartete Verbesserung im Dienstleistungssektor kam einer robusteren Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe zugute. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Wirtschaft höhere Energiekosten besser als befürchtet verkraftet, auch wenn Inflation und steigende Finanzierungskosten den Ausblick belasten.
Das Wichtigste
- Der Composite-PMI der Eurozone stieg im September auf 53,1.
- Deutschland und Frankreich entwickelten sich beide besser als erwartet.
- Eine stärkere Aktivität könnte die Argumente für höhere EZB-Zinsen stärken.
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Der S&P Global Composite Purchasing Managers Index stieg laut von Bloomberg veröffentlichten Daten von 52,0 im August auf 53,1. Volkswirte hatten erwartet, dass der Index auf 51,7 sinken würde. Ein Wert über 50 signalisiert Wachstum. Der Anstieg im September stellt daher eine klare Beschleunigung dar und nicht lediglich einen weiteren Monat mit moderatem Wachstum.
Deutschland und Frankreich übertreffen Erwartungen
Die Verbesserung erstreckte sich auf die größten Volkswirtschaften der Eurozone. Die Aktivität im deutschen Privatsektor expandierte so schnell wie seit Oktober 2025 nicht mehr, unterstützt vom verarbeitenden Gewerbe. Frankreich verzeichnete unterdessen unerwartet das stärkste Wachstum seit mehr als zwei Jahren.
Das verarbeitende Gewerbe profitierte insbesondere in Deutschland von höheren Ausgaben für künstliche Intelligenz und Verteidigung. Auch der Dienstleistungssektor gewann an Dynamik und verbreiterte eine Erholung, die zuvor stärker von der Industrie abhängig gewesen war. Die Auftragseingänge verbesserten sich sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor, was auf anhaltenden Schwung im Vorfeld des vierten Quartals hindeutet.
Die Nachfrage nach Batterien und Investitionen in die Industrie haben der Wirtschaft geholfen, den Konflikt im Nahen Osten und den damit verbundenen Anstieg der Rohstoffpreise zu verkraften. Die EZB erklärte in diesem Monat, dass sich die Eurozone widerstandsfähiger als erwartet gezeigt habe, und hob ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,9 % an.
Stärkeres Wachstum trifft auf höhere Inflation
Die Erholung bringt eine geldpolitische Herausforderung mit sich. Höhere Energiepreise treiben die Inflation weiter an, während sich die Wirtschaftsaktivität zugleich verbessert. Dadurch sinkt der Handlungsdruck für die EZB, das Wachstum mit einer lockereren Geldpolitik zu stützen.
Die Zentralbank erhöhte am 10. September ihre drei Leitzinsen um 25 Basispunkte – die zweite Anhebung seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten. Die EZB-Mitarbeiter erwarten eine durchschnittliche Inflation von 3,0 % im Jahr 2026 und 2,5 % im Jahr 2027, womit sie in diesem Zeitraum durchgehend über dem Zielwert von 2 % bleiben dürfte.
Die Vertreter der EZB haben sich nicht auf einen vorgegebenen Zinspfad festgelegt und betont, dass künftige Entscheidungen von der Inflation, den eingehenden Wirtschaftsdaten und der Stärke der geldpolitischen Transmission abhängen werden.
Widerstandsfähigkeit gibt der EZB mehr Spielraum
Die PMI-Daten für September verändern die Ausgangslage für die Entscheidungsträger. Eine schneller als erwartet wachsende Wirtschaft kann straffere Finanzierungsbedingungen leichter verkraften, während eine stärkere Nachfrage zudem dazu führen kann, dass höhere Energiekosten stärker an die Verbraucherpreise weitergegeben werden.
Auch die OECD beurteilt die Aussichten der Region in ihrem jüngsten Ausblick vom September positiver. Gleichzeitig sieht die EZB weiterhin erhebliche Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Energieschock im Nahen Osten. Die letztendlichen Auswirkungen hängen maßgeblich von dessen Dauer ab.
Für die Märkte rücken angesichts eines PMI von 53,1, anhaltender Inflation und robusten Wachstums weitere geldpolitische Straffungen weiterhin klar in den Fokus.
Wie bereits berichtet, warnt Nagel, dass die EZB möglicherweise weitere Zinserhöhungen vornehmen muss.
Neueste ECB Nachrichten
- Forex
- Crypto