Pavlo Kot

Von Likes zu Trades: Warum X eine Chance im Krypto-Bereich sieht

Von Likes zu Trades: Warum X eine Chance im Krypto-Bereich sieht
X bringt den Kryptohandel in die sozialen Medien

​Das soziale Netzwerk X bereitet sich darauf vor, einen Schritt in Richtung Kryptowährungshandel zu machen. Der ehemalige Produktchef Nikita Bier erklärte, dass bald Trading-Buttons neben Token-Charts erscheinen werden. Doch was passiert, wenn die Plattform, auf der digitale Vermögenswerte entdeckt und diskutiert werden, auch zum Einstiegspunkt für den Handel wird?

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Für X ist dies keine plötzliche Kehrtwende in Richtung Krypto. Schon zu Zeiten von Jack Dorsey wurde Twitter — heute X — zu einer der wichtigsten Plattformen der Branche, auf der Projekte Communities aufbauen, Entwickler Ankündigungen machen und Trader auf Marktbewegungen reagieren.

Nun ergänzt das Unternehmen diese Informationsinfrastruktur um Finanztools.

Im April brachte X eine aktualisierte Version der Cashtags heraus, mit der Nutzer eine bestimmte Aktie oder einen Token auswählen, dessen Chart öffnen und zugehörige Beiträge ansehen können. Das Feature unterstützt auch Smart-Contract-Adressen, sodass ein bestimmter Token präzise identifiziert werden kann.

X muss nicht zwangsläufig selbst zur Krypto-Börse werden. Stattdessen verkürzt die Plattform den Weg von der Informationsaufnahme bis zur finanziellen Aktion. Anstatt von einem Beitrag zu Preisdaten und dann zu einer Börse zu wechseln, könnten Nutzer mehrere dieser Schritte innerhalb einer einzigen Oberfläche erledigen.

Vom Marktdiskurs zum Kauf-Button

Vorerst sollte die Ankündigung nicht überbewertet werden. Bier verließ seine Position als Produktchef von X im August und ist weiterhin als Berater tätig, während das Unternehmen selbst den Start des Handels offiziell noch nicht angekündigt hat. Zeitpunkt, Liste der unterstützten Assets und Partner, die die Trades ausführen, sind weiterhin unbekannt.

Bier stellte zuvor klar, dass die Plattform nicht beabsichtigt, selbst als Broker aufzutreten oder Trades auszuführen. Die Integration in Kanada bietet ein mögliches Modell: Ein Klick auf einen Ticker bei X leitet den Nutzer zu Wealthsimple weiter, wo die Transaktion durchgeführt wird.

Wealthsimple selbst bestätigt, dass der Handel auf seiner Plattform stattfindet und keine Kontoinformationen mit Elon Musks Unternehmen geteilt werden.

Doch auch dieses Modell verändert die Rolle des sozialen Netzwerks erheblich. Ein Nutzer entdeckt einen Vermögenswert über einen Beitrag, sieht die Reaktionen der Community, prüft das Chart und erhält einen direkten Weg zum Kauf.

Gerade für Kryptowährungen ist das besonders relevant. Der Handel findet rund um die Uhr statt, ständig werden neue Token aufgelegt und ein erheblicher Teil der Projektkommunikation läuft direkt über soziale Medien. Cashtags können sogar einen Beitrag mit der Smart-Contract-Adresse eines neu emittierten Tokens verknüpfen.

Der Kryptomarkt lebt schon lange in X

Finanzfunktionen kamen viel später als die Krypto-Community selbst. Der Begriff Crypto Twitter beschreibt schon lange ein Ökosystem, das Entwickler, Projektgründer, Börsen, Analysten und Trader zusammenbringt.

Unter Jack Dorsey begann sich diese Beziehung in ein Produkt zu verwandeln.

2021 fügte Twitter die Möglichkeit hinzu, Bitcoin über Lightning via Tips zu versenden und später auch Ethereum-Adressen zu unterstützen. Das Unternehmen experimentierte zudem mit NFT-Profilbildern und gründete eine eigene Twitter Crypto-Abteilung.

Nach der Übernahme des Netzwerks durch Elon Musk wurde die Verbindung noch sichtbarer. Musk selbst hat wiederholt gezeigt, wie schnell ein Beitrag eines großen Accounts zu einem Marktereignis werden kann, insbesondere im Fall von Dogecoin.

Untersuchungen zu Musks kryptobezogenen Beiträgen haben statistisch signifikante Reaktionen sowohl bei Preisen als auch beim Handelsvolumen festgestellt. In solchen Fällen fungierte X bereits als Teil der Marktinfrastruktur, auch wenn der eigentliche Handel anderswo stattfand.

Nun hat das Unternehmen erstmals die Möglichkeit, diese Rolle direkt zu monetarisieren, indem es das innerhalb der Plattform erzeugte Interesse an Handelspartner weiterleitet.

Das potenzielle Ausmaß ist bereits beachtlich. Nur wenige Tage nach dem Start der Cashtags schätzte Bier, dass das neue Feature rund 1 Milliarde US-Dollar Handelsvolumen generiert habe. Die Methodik hinter dieser Schätzung hat das Unternehmen nicht öffentlich gemacht.

Wenn ein Beitrag Teil des Handels wird

Für X könnte ein solches Modell auch ohne eigene Börse attraktiv sein. Die Plattform kann weiterhin als Einstiegspunkt für Kunden dienen und Nutzer an Finanzpartner weiterleiten, ohne selbst Vermögenswerte zu verwahren oder Orders auszuführen.

Das unterscheidet sich deutlich von Musks radikaleren Ideen. 2022 erwog er, Twitter auf eine Blockchain zu verlagern und Nutzern kleine DOGE-Gebühren für bestimmte Aktionen zu berechnen, verwarf das Konzept jedoch wegen Geschwindigkeit, Durchsatz und anderer Einschränkungen.

Stattdessen könnten Kryptowährungen durch den entgegengesetzten Ansatz noch tiefer in X integriert werden. Anstatt das soziale Netzwerk auf eine Blockchain zu verlagern, lassen sich Finanzfunktionen in die bestehende zentrale Plattform einbetten.

Gleichzeitig verstärkt diese Integration ein Problem, das Crypto Twitter seit Jahren kennt: Die Qualität der Informationen beeinflusst direkt die finanziellen Entscheidungen der Nutzer. Je näher der Kauf-Button am Beitrag ist, desto weniger Zeit bleibt zur Überprüfung des Gesehenen.

Die Krypto-Community von X hat umfangreiche Erfahrungen mit Fake-Accounts, automatisiertem Spam und der Bewerbung fragwürdiger Token. Bier selbst hat das Problem von Krypto-Bots und minderwertiger Werbung öffentlich thematisiert.

Ein noch auffälligeres Beispiel: 2020 verschafften sich Angreifer Zugang zu den Accounts von Elon Musk, Bill Gates, Apple, Barack Obama und anderen prominenten Nutzern und veröffentlichten Betrugsnachrichten mit Bitcoin-Adressen. Über 100.000 US-Dollar wurden an diese Adressen gesendet.

Damals mussten die Opfer noch selbst ein Wallet öffnen und die Gelder überweisen. Werden Finanzaktionen direkt neben einem Beitrag platziert, steigt der potenzielle Wert eines kompromittierten Accounts oder eines künstlich gepushten Tokens erheblich.

Die Unterstützung von Smart-Contract-Adressen hilft Nutzern, das exakte Asset zu identifizieren, beantwortet aber nicht die Frage, ob dieses vertrauenswürdig ist oder wer ein Interesse an dessen Bewerbung hat. Die Kombination aus Information und Handel macht X für Investoren komfortabler, erhöht aber auch die Bedeutung der Qualität des Informationsumfelds.

Elon Musks Plattform hat den Kryptomarkt jahrelang beeinflusst, ohne eine eigene Handelsinfrastruktur zu besitzen. Sollten Trading-Buttons tatsächlich erscheinen, wäre die größte Veränderung nicht das Hinzukommen eines weiteren Ortes zum Token-Kauf, sondern die Verkürzung des Weges von einem Informationsimpuls bis zum Handel auf beinahe einen einzigen Bildschirm.

Für X könnte dies jahrelang angesammelten Einfluss auf die Krypto-Community in ein neues Finanzgeschäft verwandeln. Für den Markt selbst hängt der Preis dieser Effizienz davon ab, ob die Plattform nützliche Informationen von Werbung, Manipulation und Betrug unterscheiden kann.

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