Pavlo Kot

Millionenschwere Geheimnisse: Wie Insider auf Polymarket und Kalshi profitieren

Millionenschwere Geheimnisse: Wie Insider auf Polymarket und Kalshi profitieren
Die größten Skandale bei Polymarket und Kalshi

Prognosemärkte können Händler reich machen, wenn sie vor allen anderen wissen, was passieren wird. Aber was, wenn ein Händler gar nicht vorhersagt, sondern das Ergebnis bereits kennt – oder es sogar beeinflussen kann?

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Kürzlich sahen sich Polymarket und Kalshi mit einer Reihe solcher Fälle konfrontiert. Militärangehörige wurden beschuldigt, geheime Informationen genutzt zu haben, ein Mitarbeiter des Weißen Hauses wettete auf Worte, die Donald Trump noch sagen sollte, und ein ehemaliger Kongressabgeordneter erhielt Kalshis erstes lebenslanges Handelsverbot, nachdem er effektiv auf sich selbst gewettet hatte.

Die Grenze zwischen einer guten Prognose und einem unfairen Vorteil ist besonders verschwommen geworden. Fast jedes Geheimnis kann wertvoll sein – vom Inhalt einer Präsidentenrede bis zum Zeitpunkt einer Militäroperation.

Wenn Krieg zur Wette wird

Einige der auffälligsten Verdachtsfälle von Insiderhandel traten nach den US-Angriffen auf den Iran am 28. Februar 2026 auf. Das Handelsvolumen in Polymarket-Kontrakten, die mit dem Angriff in Verbindung standen, überstieg 500 Millionen US-Dollar, und nach den ersten Explosionen identifizierten Analysten mehrere Konten mit nahezu perfektem Timing.

Bubblemaps-Analysten hoben sechs Wallets hervor, von denen die meisten weniger als einen Tag vor dem Angriff finanziert wurden. Sie kauften gezielt Kontrakte auf einen Angriff am 28. Februar und erzielten laut Analysten etwa 1,2 Millionen US-Dollar Gewinn.

Ein Konto setzte rund 61.000 US-Dollar ein und erzielte einen Nettogewinn von fast 500.000 US-Dollar.

Die neuen Wallets hatten kaum andere Trades getätigt, aber es gab keine Beweise für Insideraktivitäten. Die Analysten betonten selbst, dass verdächtige Aktivitäten nicht zwangsläufig bedeuten, dass nicht-öffentliche Informationen genutzt wurden.

In einem anderen Fall führten Verdachtsmomente zu einer strafrechtlichen Verfolgung. Israelische Staatsanwälte werfen Omer Ziv vor, von einem Major der Luftwaffe geheime Informationen über den Zeitpunkt von Angriffen auf den Iran erhalten und diese genutzt zu haben, um auf Polymarket zu wetten.

Vor Beginn einer Operation soll ihm der Offizier mitgeteilt haben, dass der Angriff bereits laufe. Die entsprechenden Trades brachten mehr als 150.000 US-Dollar ein.

Einer der auffälligsten Fälle betraf jedoch Venezuela. Ende Dezember 2025 begann ein neues Konto, auf die Entsendung von US-Truppen und die Absetzung von Nicolás Maduro zu wetten. Es setzte etwa 33.000 US-Dollar ein und kassierte nach der Festnahme des Landeschefs am 3. Januar rund 410.000 US-Dollar.

Zunächst sah es nach einem weiteren anonymen Wallet mit unglaublichem Timing aus. Einige Monate später erhob jedoch das US-Justizministerium Anklage gegen den Soldaten Gannon Ken Van Dyke, der laut Anklage an der Planung der Operation beteiligt war und Zugang zu geheimen Informationen über deren Zeitpunkt hatte. Van Dyke plädiert auf nicht schuldig.

Vom Teleprompter zur Wette auf sich selbst

Bemerkenswert ist, dass man für einen Vorteil auf Prognosemärkten keinen Zugang zu Militärgeheimnissen braucht.

Gabriel Perez arbeitete als Teleprompter-Bediener für Donald Trump und konnte Reden etwa eine Stunde vor ihrer Ausstrahlung einsehen. Anschließend platzierte er auf Kalshi Wetten auf bestimmte Wörter und Formulierungen, die der Präsident voraussichtlich verwenden würde. Von Dezember 2025 bis März 2026 verdiente er mit diesen Trades 107.539 US-Dollar. Die CFTC ordnete an, dass Perez alle Gewinne zurückzahlen, zusätzlich 65.000 US-Dollar zahlen und drei Jahre lang nicht auf regulierten Plattformen handeln darf.

Google-Mitarbeiter Michele Spagnolo, auf Polymarket bekannt als AlphaRaccoon, soll angeblich noch mehr verdient haben. US-Staatsanwälte behaupten, er habe interne Unternehmensinformationen genutzt, um auf Firmenereignisse zu wetten, darunter die beliebtesten Suchanfragen, und so etwa 1,2 Millionen US-Dollar verdient.

Spagnolo wurde im Mai angeklagt, doch seine Verteidigung versucht nun, das Verfahren einstellen zu lassen. Seine Anwälte argumentieren, dass der Handel auf Polymarkets internationaler Plattform als Offshore-Wetten und nicht als Transaktionen mit Finanzinstrumenten zu werten sei, die den einschlägigen Insiderhandelsregeln unterliegen.

Auch Technologieunternehmen selbst haben das Problem erkannt. Im Februar entließ OpenAI einen Mitarbeiter nach einer internen Untersuchung, weil dieser vertrauliche Informationen im Zusammenhang mit externen Prognosemärkten genutzt haben soll. Die Identität, Trades und Gewinne des Mitarbeiters wurden nicht bekannt gegeben.

Doch vielleicht war der ungewöhnlichste Fall der des ehemaligen Kongressabgeordneten George Santos. Er handelte einen Kontrakt darüber, ob er selbst an Trumps Rede vor dem Kongress teilnehmen würde, während er seine Pläne öffentlich diskutierte.

Santos wettete zunächst darauf, dass er teilnehmen würde, und postete in sozialen Medien über das Outfit, das er tragen wollte. Nachdem der Kontraktpreis gestiegen war, schloss er die Position mit Gewinn und setzte dann auf seine Abwesenheit, während er weiterhin öffentlich behauptete, teilnehmen zu wollen. Letztlich erschien er nicht und erzielte insgesamt 17.839 US-Dollar Gewinn.

Kalshi erklärte, es gebe ausreichende Gründe, Santos des Insiderhandels zu verdächtigen. Die Plattform belegte ihn mit einer Geldstrafe von 71.356 US-Dollar und sprach erstmals in ihrer Geschichte ein dauerhaftes Handelsverbot gegen einen Nutzer aus.

Die CFTC ordnete separat an, dass der ehemalige Kongressabgeordnete rund 35.000 US-Dollar zahlen und für drei Jahre nicht handeln darf.

85 Millionen Dollar für die richtige Prognose

Trotz dieser Fälle weisen Experten darauf hin, dass verdächtige Gewinne allein kein Fehlverhalten beweisen. Die US-Präsidentschaftswahl 2024 lieferte eines der klarsten Beispiele.

Kurz vor der Wahl bemerkten Polymarket-Nutzer enorme Positionen auf einen Sieg Trumps. Mehrere verknüpfte Konten setzten Dutzende Millionen Dollar, was Spekulationen über Insiderinformationen und Marktmanipulationen auslöste.

Später stellte sich heraus, dass die Konten zu einem französischen Trader namens Théo gehörten. Er setzte mehr als 70 Millionen US-Dollar auf wahlbezogene Kontrakte und erzielte nach Trumps Sieg etwa 85 Millionen US-Dollar Nettogewinn.

Es gab keine Hinweise auf Insideraktivitäten. Théo erklärte, er habe die Wetten platziert, weil er traditionelle Umfragen für fehlerhaft hielt und auf alternative Meinungsforschung setzte.

Seine Geschichte zeigt die andere Seite solcher Verdachtsmomente. Prognosemärkte sind darauf ausgelegt, Teilnehmer zu belohnen, die die Zukunft genauer einschätzen als andere. Eine riesige Wette kann auf die Nutzung nicht-öffentlicher Informationen hindeuten – oder einfach eine teure und äußerst erfolgreiche Prognose sein.

Das Problem beschränkt sich jedoch längst nicht mehr auf einige wenige prominente Fälle. Polymarket erklärte, man habe mehr als 100 verdächtige Fälle an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet, darunter Trades mit Bezug zu nicht-öffentlichen Informationen und möglicher Nutzung von Daten über Militäroperationen.

In traditionellen Finanzmärkten gibt es seit Langem das Konzept wesentlicher nicht-öffentlicher Informationen. Auf Prognosemärkten kann nahezu jede Information einen Vorteil verschaffen – ein geheimer Militärbefehl, der Text einer Präsidentenrede, interne Firmendaten oder sogar die eigene Entscheidung eines Traders, an einem Ereignis teilzunehmen.

Das führt zu einem ungewöhnlichen Paradoxon: Jemand mit geheimen Informationen kann den Markt tatsächlich präziser machen – wenn er weiß, dass ein Angriff bevorsteht und den entsprechenden Kontrakt kauft, spiegelt dessen Preis die tatsächliche Wahrscheinlichkeit des Ereignisses schneller wider.

Doch alle anderen handeln dann gegen jemanden, der praktisch einen absoluten Informationsvorsprung hat.

Prognosemärkte leben letztlich davon, dass manche mehr über die Zukunft wissen als andere. Ihre größten Skandale beginnen jedoch dort, wo dieser Vorteil zu wörtlich wird: Der Händler hat nicht die richtige Antwort vorhergesagt – er kannte sie bereits.

Dieses Material kann Meinungen Dritter enthalten, keine der Daten und Informationen auf dieser Webseite stellt eine Anlageberatung gemäß unserem Haftungsausschluss dar. Obwohl wir uns an strikte redaktionelle Integrität halten, kann dieser Beitrag Verweise auf Produkte unserer Partner enthalten.