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Vor vier Jahrhunderten erfuhren Händler durch Gespräche mit Kaufleuten, Briefe und gedruckte Preislisten von den Märkten. Heute kann ihr Arbeitsplatz mehrere Terminals, Algorithmen und KI umfassen. Die Zeit bis zum Erhalt von Informationen ist von Tagen auf Mikrosekunden geschrumpft – aber hat sich das Grundprinzip des Tradings wirklich verändert?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Die ersten Aktienmärkte entstanden lange vor Computern und sogar vor dem Telegrafen. Die Amsterdamer Börse führt ihre Geschichte auf das Jahr 1602 zurück, als Aktien der Niederländischen Ostindien-Kompanie erstmals gehandelt wurden.
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Damals waren Informationen die knappste Ressource. Ein Trader musste vor allen anderen von der Ankunft eines Schiffs, einem Krieg, einer Ernte oder einer Änderung von Handelsrouten erfahren und auf diese Informationen reagieren, bevor sie allgemein bekannt wurden.
Vier Jahrhunderte später ist die Herausforderung dieselbe. Geändert haben sich nur die Werkzeuge, die den Weg von einem Ereignis bis zu einem Trade verkürzen.
Im 17. und 18. Jahrhundert übernahmen Netzwerke persönlicher Kontakte teilweise die Rolle heutiger Trading-Terminals. Geschäfte wurden nicht nur an Börsen abgeschlossen: Marktteilnehmer trafen sich in Kaffeehäusern, tauschten Nachrichten aus, diskutierten Preise und fanden Gegenparteien.
Eine der frühesten detaillierten Beschreibungen eines solchen Marktes erschien in Confusión de Confusiones, das Joseph de la Vega 1688 veröffentlichte. Das Buch behandelte Aktien, Optionen, Spekulation und Anlegerverhalten bei starken Marktbewegungen – Themen, die Tradern auch heute vertraut sind.
Es gab keinen kontinuierlichen Strom von Marktkursen. Preise wurden über Notizen von Händlern, Briefe und später Zeitungen verbreitet, sodass zwischen einer Marktbewegung und dem Eintreffen der Information in einer anderen Stadt Stunden oder sogar Tage vergehen konnten.
Im 19. Jahrhundert begann der Telegraf, dieses Problem zu lösen. Besonders anschaulich ist die Geschichte von Reuters: Paul Julius Reuter nutzte Brieftauben, um Finanzdaten zwischen Aachen und Brüssel zu übermitteln, wo eine Lücke in der Telegrafenverbindung bestand. Die Tauben überbrückten diese Lücke schneller als herkömmliche Transportmittel, sodass Reuter Marktkurse vor seinen Konkurrenten liefern konnte.
Nachdem die Städte per Telegraf verbunden waren, wurden die Tauben nicht mehr benötigt, doch der Wettlauf um Geschwindigkeit verschärfte sich weiter. 1867 entwickelte Edward Calahan den Börsenticker, der Kurse über Leitungen übermittelte und auf Papierstreifen druckte. Thomas Edison verbesserte das System später, sodass identische Daten gleichzeitig an mehrere Abonnenten geliefert werden konnten.
Erstmals begann sich der Markt über das Börsengebäude selbst hinaus auszudehnen: Makler mussten nicht mehr auf einen Boten warten, um den neuesten Kurs zu erfahren. Anfang des 20. Jahrhunderts ergänzte das Telefon den Tickerstreifen, wodurch Orders und Informationen vom Parkett schneller übermittelt werden konnten.
Im 20. Jahrhundert wich Papier schrittweise elektronischen Systemen. 1971 entstand Nasdaq als Markt ohne traditionellen Börsensaal, dessen Market-Maker-Kurse über Computer verbreitet wurden.
In den 1970er-Jahren begann Reuters mit der Entwicklung elektronischer Marktdatendienste, während Merrill Lynch 1982 die ersten Bloomberg-Terminals erhielt. Statt auf Zeitungen, Tickerstreifen und einzelne Telefonate angewiesen zu sein, verfügten Trader nach und nach über einen einzigen Arbeitsplatz, der Kurse, Nachrichten, Charts und Berechnungen vereinte.
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Der nächste Wandel veränderte nicht nur den Zugang zu Informationen, sondern auch den Handelsprozess selbst. 1992 führte CME Globex ein, während Online-Broker Privatanlegern ermöglichten, Märkte auf PCs einzusehen und Orders ohne Kontakt zu einem Makler aufzugeben.
Gleichzeitig entwickelten sich elektronische Orderbücher und automatisierte Systeme zur Orderweiterleitung. Computer waren nicht länger nur Bildschirme: Sie konnten einen Handelsplatz auswählen, große Orders in kleinere aufteilen und sie nach vordefinierten Regeln ausführen.
Der nächste Schritt war algorithmischer Handel. Programme lernten, schneller als Menschen auf Veränderungen bei Preisen, Volumina und Spreads zu reagieren; anschließend kamen HFT-Firmen auf, bei denen Wettbewerbsvorteile nicht in Minuten oder Sekunden, sondern in Millisekunden und Mikrosekunden gemessen wurden.
Die Börsen passten sich diesem Wettlauf an. Professionelle Marktteilnehmer begannen, Server in denselben Rechenzentren wie die Börseninfrastruktur aufzustellen, um die bei der Orderübermittlung entstehende Latenz zu verringern.
Der Unterschied zum 19. Jahrhundert wirkt enorm, doch das Prinzip ist dasselbe. Damals konnte ein Vorteil durch eine Brieftaube oder eine schnellere Telegrafenverbindung entstehen. Heute kann er durch einen Server entstehen, der näher am Orderausführungssystem einer Börse steht.
Bis in die 2020er-Jahre hat sich auch die Bandbreite verfügbarer Daten erweitert. Neben Preis und Volumen erhielten Trader Zugang zu sozialen Medien, alternativen Datenquellen und im Kryptobereich zu Onchain-Analysen. Öffentliche Blockchains ermöglichen es, Transfers zwischen Adressen, die Aktivitäten großer Inhaber und Zuflüsse zu Börsen nahezu in Echtzeit nachzuverfolgen.
Plattformen wie Nansen und Dune haben diese Informationen in eine eigenständige Klasse von Trading-Tools verwandelt. Nutzer können große Wallets überwachen, eigene Dashboards erstellen und kurz nachdem Aktivitäten onchain erscheinen, Transaktionsalarme erhalten.
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Die jüngste Ebene dieser Entwicklung ist KI. Diese Tools helfen bereits dabei, Nachrichtenströme zu verarbeiten, Muster in großen Datensätzen zu erkennen und Marktanalysen über Anfragen in natürlicher Sprache bereitzustellen.
Jede neue Technologie verschaffte zunächst einer begrenzten Gruppe von Marktteilnehmern einen Vorteil. Telegraf, Börsenticker, Bloomberg-Terminals, elektronische Börsen und Algorithmen entwickelten sich schrittweise von Wettbewerbsvorteilen zu Standardinfrastruktur des Marktes.
Derselbe Prozess findet nun bei Onchain-Analysen und KI statt. Tools, die bis vor Kurzem weitgehend nur Fachleuten zur Verfügung standen, werden schrittweise Teil gewöhnlicher Trading-Anwendungen.
Dadurch hat sich die grundlegende Knappheit des Marktes in 400 Jahren kaum verändert. Trader müssen Informationen weiterhin vor anderen erhalten, sie richtig interpretieren und einen Trade ausführen, bevor der Vorteil verschwindet.
Geändert hat sich nur die Geschwindigkeit des Prozesses. Während sie einst an der Zeit gemessen wurde, die ein Brief oder Schiff für die Ankunft benötigte, arbeiten einige Bereiche des heutigen Marktes im Mikrosekundenbereich.