DoubleZero-Mitgründer: Privatanleger können mit Trading-Bots nicht mithalten

DoubleZero-Mitgründer: Privatanleger können mit Trading-Bots nicht mithalten
Interview mit DoubleZero-Mitgründer Austin Federa

​Trading-Bots und KI-Agenten spielen auf den Kryptowährungsmärkten eine zunehmend wichtige Rolle. Gleichzeitig gewinnen dezentrale Börsen und Prognosemärkte an Beliebtheit. In einem Interview mit Traders Union erläutert DoubleZero-Mitgründer Austin Federa, welche Vorteile Privatanleger noch haben, ob Solana Ethereum überholen kann und wie neue Technologien die Finanzmärkte verändern könnten.

Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.

Warum Geschwindigkeit beim Kryptohandel zum entscheidenden Faktor wird

Der Handel mit Kryptowährungen hat sich weit über traditionelle Börsen hinaus entwickelt. Heute finden Transaktionen auf zentralisierten und dezentralen Plattformen sowie auf Prognosemärkten statt. Die Infrastruktur zur Übertragung von Marktdaten hat mit diesen Entwicklungen jedoch nicht immer Schritt gehalten.

Viele dieser Informationen werden weiterhin über das öffentliche Internet übertragen. Netzüberlastungen und unvorhersehbare Routen können zu Verzögerungen führen – insbesondere in Phasen hoher Volatilität, in denen Händler so schnell wie möglich auf Marktbewegungen reagieren müssen.

Austin Federa ist der Ansicht, dass die bestehende Infrastruktur den Anforderungen moderner Finanzmärkte nicht gerecht wird.

„Wir bauen eine dedizierte Netzwerkinfrastruktur auf, um die Konnektivität und den Informationsfluss für Händler jeder Größe schneller und berechenbarer zu machen. Bei Netzwerk- und Dateninfrastruktur besteht eine sehr konkrete und greifbare Lücke, die wir aktiv schließen.“

Um dieses Problem anzugehen, hat DoubleZero Edge entwickelt, einen Dienst, der Marktdaten von Binance, Kalshi, Solana und Hyperliquid bereitstellt. Das Unternehmen will Verzögerungen bei der Bereitstellung von Marktdaten über verschiedene Handelsplätze hinweg verringern.

Können Privatanleger mit Trading-Bots konkurrieren?

Algorithmischer Handel spielt seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle auf den traditionellen Finanzmärkten. Die Kryptowährungsbranche schlägt nun einen ähnlichen Weg ein: Automatisierte Systeme und Trading-Bots führen immer mehr Transaktionen aus.

Diese Programme können Kurse analysieren und innerhalb von Sekundenbruchteilen Trades ausführen. Für Privatanleger ist es zu einer ernsthaften Herausforderung geworden, mit professionellen Unternehmen zu konkurrieren, die über leistungsstarke Computerinfrastrukturen verfügen.

Federa zufolge können einzelne Händler jedoch auch ohne Zugang zu den schnellsten Technologien noch einen Vorteil haben.

„Einzelne Händler werden bei der reinen Geschwindigkeit nicht mit Unternehmen mithalten, die darauf spezialisiert sind. Geschwindigkeit ist aber nicht der einzige Vorteil. Für alle kommt es darauf an, mit zuverlässigen Daten zu arbeiten.“

Gleichzeitig senkt künstliche Intelligenz nach und nach die Hürden für die Entwicklung ausgefeilter Handelsstrategien. Tools, für die zuvor umfangreiches technisches Fachwissen und erhebliche Ressourcen nötig waren, stehen nun einem breiteren Nutzerkreis zur Verfügung.

„KI macht es deutlich einfacher, ausgefeilte Strategien zu entwickeln. Der verbleibende Unterschied liegt daher oft im Zugang zu sauberen Marktdaten in Echtzeit.“

Marktmanipulation bleibt ein weiteres Problem. Da der Handel über Dutzende Handelsplätze verteilt ist, fällt es Marktteilnehmern oft schwer, sich ein vollständiges Bild der Lage zu machen. Federa zufolge kann ein besserer Zugang zu Marktdaten Händlern dabei helfen, ungewöhnliche Kursbewegungen schneller zu erkennen und fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Können dezentrale Börsen Binance überholen?

Dezentrale Börsen bauen ihre Präsenz auf dem Kryptowährungsmarkt nach und nach aus. Sie ermöglichen es Nutzern, direkt über Blockchain-Netzwerke zu handeln, ohne die Verwahrung ihrer Vermögenswerte an zentralisierte Plattformen zu übertragen.

Große zentralisierte Börsen wie Binance spielen im Kryptowährungshandel jedoch weiterhin eine wichtige Rolle. Ob dezentrale Plattformen sie irgendwann ersetzen werden, bleibt offen.

Federa zufolge spiegelt der Wettbewerb zwischen zentralisierten und dezentralen Börsen nicht vollständig wider, wie der professionelle Handel heute funktioniert.

„Wir sehen bereits, dass Händler zwischen zentralisierten Börsen, Onchain-Märkten und Prognosemärkten wechseln – oft innerhalb derselben Strategie.“

Mit der Weiterentwicklung dieser Segmente steigt die Nachfrage nach einer Infrastruktur, die den schnellen Informationsaustausch zwischen Handelsplätzen ermöglicht. Gleichzeitig benötigen Händler einen effizienten Zugang zu Liquidität auf verschiedenen Plattformen.

„Diese Märkte sind zunehmend miteinander verflochten, und die Infrastruktur, die sie verbindet, muss sich weiterentwickeln, damit Händler effizient auf Liquidität und Informationen zugreifen können – unabhängig davon, wo gehandelt wird.“

Warum Prognosemärkte professionelle Händler anziehen

Prognosemärkte entwickeln sich allmählich von einem Nischenprodukt zu einem eigenständigen Segment des Finanzhandels. Plattformen wie Polymarket und Kalshi ermöglichen es Teilnehmern, mit Kontrakten zu handeln, deren Wert davon abhängt, wie wahrscheinlich bestimmte Ereignisse eintreten.

Das Interesse an diesem Sektor wächst nicht nur bei Privatanlegern, sondern auch bei professionellen Handelsfirmen. Ihre Beteiligung könnte die Liquidität erhöhen und zugleich höhere Anforderungen an die technologische Infrastruktur stellen.

„Prognosemärkte haben viel Wachstumspotenzial, insbesondere wenn institutionelle Händler und Market Maker einsteigen. Diese Firmen erwarten dasselbe wie an traditionellen Märkten: zuverlässige Daten, stabile Konnektivität und eine Infrastruktur auf professionellem Niveau.“

Kalshi hat sich als eine der Plattformen etabliert, die professionelle Händler anziehen. Das Betriebsmodell unterscheidet sich jedoch erheblich von dem herkömmlicher Kryptowährungsbörsen. Federa erläutert, wo sich Prognosemärkte und der Handel mit Kryptowährungen überschneiden.

„Kalshi ist ein regulierter Prognosemarkt, daher würde ich ihn nicht in dieselbe Kategorie wie eine Kryptobörse einordnen. Aus Sicht der Handelsinfrastruktur gibt es jedoch viele Überschneidungen.“

Laut Federa interessieren sich Unternehmen aus dem Kryptowährungshandel zunehmend für Prognosemärkte. Daher könnte die Überschneidung dieser Segmente in Zukunft deutlicher werden.

Kann Solana Ethereum überholen?

Bevor Austin Federa DoubleZero mitgründete, arbeitete er viele Jahre bei der Solana Foundation. Dadurch erhielt er unmittelbare Einblicke in die Entwicklung von Solana und dessen Fokus auf hohe Leistung und niedrige Transaktionsgebühren.

Solana und Ethereum verfolgen unterschiedliche Ansätze bei der Blockchain-Infrastruktur. Ethereum verfügt über ein umfangreiches Ökosystem und entwickelt seine Skalierungslösungen stetig weiter, während Solana darauf setzt, große Transaktionsvolumina in einem einzigen gemeinsamen Netzwerk zu verarbeiten.

„Nachdem ich jahrelang an Solana gearbeitet habe, denke ich, dass sein größter Vorteil darin besteht, dass es für leistungsstarke Anwendungen in einem gemeinsamen Netzwerk konzipiert wurde. Diese Architektur hat sich besonders für die Finanzmärkte als wertvoll erwiesen, wo Transaktionsgeschwindigkeit, Kosten und die Möglichkeit zur direkten Interaktion zwischen Anwendungen entscheidend sind.“

Trotz seiner hohen Leistungsfähigkeit liegt Solana bei der Marktkapitalisierung weiterhin deutlich hinter Ethereum, während Ethereum dank seines etablierten Ökosystems eine starke Position behauptet. Federa erläutert, wie sich seiner Einschätzung nach der Wettbewerb zwischen den beiden Blockchains entwickeln wird.

„Ethereum verfügt über ein umfangreiches Ökosystem und verfolgt einen anderen Ansatz bei der Skalierung. Ich gehe davon aus, dass sich beide Netzwerke weiterentwickeln werden. Solana hat jedoch gezeigt, wie viel Finanzaktivität onchain verlagert werden kann, wenn die zugrunde liegende Technologie schnell und kostengünstig genug ist.“

Eine höhere Blockchain-Transaktionskapazität löst jedoch nicht alle Herausforderungen der Infrastruktur. Mit dem Wachstum der Netzwerke gewinnen die Qualität der Verbindungen zwischen Validatoren und die Geschwindigkeit der Bereitstellung von Marktdaten zunehmend an Bedeutung.

Wie werden die Finanzmärkte der nächsten Generation aussehen?

Jahrzehntelang funktionierten die Finanzmärkte nach einem vertrauten Modell mit Intermediären, festen Handelszeiten und eingeschränktem Zugang zu bestimmten Finanzinstrumenten. Neue Technologien stellen jedoch zunehmend infrage, ob diese Einschränkungen notwendig sind.

Laut Austin Federa tritt die Finanzbranche in eine neue Entwicklungsphase ein, in der die Grenzen zwischen traditionellen Märkten und Kryptomärkten zunehmend verschwimmen werden.

„Wir erleben den Aufstieg dessen, was wir New Finance nennen – die nächste Generation der Finanzmärkte. Immer mehr Handel verlagert sich onchain, KI verändert die Funktionsweise der Märkte, und Produkte wie Perpetuals, Prognosemärkte und tokenisierte Vermögenswerte schaffen neue Möglichkeiten.“

Der Übergang zu einem neuen Handelsmodell bringt jedoch einige Herausforderungen mit sich. Traditionelle Börsen und Kryptoplattformen setzen auf unterschiedliche Infrastrukturen. Um diese Märkte enger zusammenzuführen, müssen daher verschiedene technologische Hürden überwunden werden.

„Diese Märkte sind global, rund um die Uhr geöffnet und ziehen immer mehr erfahrene Händler an. Mit dieser Entwicklung muss auch die Infrastruktur Schritt halten.“

Die Entwicklung neuer Finanzinstrumente könnte daher nicht nur den Handel, sondern auch die Struktur der globalen Märkte verändern. Wenn die Grenzen zwischen Kryptowährungen und traditionellen Vermögenswerten allmählich verschwimmen, könnten Anleger mehr Möglichkeiten erhalten, auch außerhalb der üblichen Börsenzeiten zu handeln.

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