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Frankreich fordert Änderungen an den europäischen Kryptowährungsregeln, während die digitale Finanzbranche des Landes weiter wächst. Die Vorschläge könnten die Geschäftstätigkeit von Kryptounternehmen in der gesamten EU verändern und Frankreichs Stellung am Markt beeinflussen. Kann das Land seine regulatorischen Ambitionen in einen Wettbewerbsvorteil verwandeln?
Dieser Artikel wurde aus dem Original übersetzt. Lesen Sie die Originalversion unseres Korrespondenten hier.
Frankreich fordert eine stärkere Aufsicht über Kryptounternehmen, da digitale Vermögenswerte zunehmend mit dem traditionellen Finanzwesen verflochten sind. In einem gemeinsamen Vorschlag forderten das französische Finanzministerium, die Finanzmarktaufsicht AMF, die Banque de France und die Aufsichtsbehörde ACPR Änderungen an der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA). Dazu gehören eine strengere Aufsicht über große Kryptounternehmen und klarere Regeln für neue Finanzdienstleistungen.
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Der Vorstoß folgt auf die Umstellung Frankreichs auf MiCA im Juli 2026. Damals ersetzte die verpflichtende europäische Zulassung das frühere Registrierungsverfahren des Landes für die betreffenden Kryptodienstleistungen. Die AMF meldete zu diesem Zeitpunkt 31 zugelassene Kryptomarktteilnehmer in Frankreich und machte das Land damit zum zweitgrößten EU-Rechtsraum für zugelassene Anbieter.
Die Vorschläge würden der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) eine größere Aufsichtsfunktion übertragen, die Zuständigkeiten von Unternehmen klären, die Kunden mit dezentraler Finanzwirtschaft verbinden, und den Schutz für grenzüberschreitend ausgegebene Stablecoins stärken. Die Behörden unterstützen zudem eine breitere Nutzung eurobasierter Stablecoins und tokenisierter Bankeinlagen. In ihrer gemeinsamen Erklärung betonten sie: „Die zunehmende Konvergenz zwischen Kryptowerten und traditionellem Finanzwesen erfordert keine Zusammenlegung ihrer Rechtsrahmen, die getrennt bleiben müssen.“ Die Empfehlungen sind noch nicht geltendes Recht.
Strengere Regeln könnten regulierten Unternehmen die Expansion in Europa erleichtern, auch wenn die Compliance-Kosten kleinere Anbieter belasten könnten. Nicht zugelassene Anbieter bleiben unterdessen ein Problem. Am 19. Oktober meldete die AMF, seit Anfang 2026 insgesamt 64 Websites mit nicht zugelassenen Kryptowerte-Dienstleistungen auf ihre schwarze Liste gesetzt zu haben.
In Frankreichs Kryptobranche geht es längst nicht mehr nur um den Handel mit Bitcoin. Unternehmen wie Coinhouse, Bitstack und Ledger haben sich in dem Sektor etabliert, während Banken und Fintech-Unternehmen zunehmend den Einsatz der Blockchain für Zahlungen, Anlagen und Liquiditätsmanagement prüfen.
Anfang des Monats nahm das französische Fintech Spiko 90 Millionen US-Dollar auf, um seine tokenisierten Anlageprodukte auszubauen. Das Unternehmen meldete ein Anlagevolumen von 2,7 Milliarden US-Dollar in seinen Fonds und mehr als 10.000 Kunden in über 25 Ländern. Seine Plattform nutzt Blockchain-Technologie, um Unternehmen und Privatpersonen Zugang zu regulierten Geldmarktfonds zu ermöglichen.
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Spiko ist außerdem eine Partnerschaft mit dem französischen Zahlungsunternehmen Fipto eingegangen. Dadurch können Unternehmen geeignete Bargeld- und Stablecoin-Guthaben in regulierte Fonds investieren. Statt überschüssige Mittel ungenutzt zu lassen, können Unternehmen sie anlegen und zugleich für den operativen Bedarf verfügbar halten. Das zeigt praktisch, wie Blockchain in der Unternehmensfinanzierung statt im Kryptowährungshandel eingesetzt wird.
Auch große Finanzinstitute schlagen diesen Weg ein. SG-FORGE, die Digital-Asset-Tochtergesellschaft der Société Générale, hat EUR CoinVertible entwickelt, einen eurobasierten Stablecoin für Zahlungen und Finanztransaktionen. Im April ging die französische öffentliche Investitionsbank Bpifrance eine Partnerschaft mit SG-FORGE ein, um den Einsatz des Stablecoins bei blockchainbezogenen Anlagen, Zahlungen und Treasury-Operationen zu prüfen.
Die institutionelle Aktivität ist nur ein Teil des Gesamtbildes. Kryptowährungen haben auch unter französischen Verbrauchern an Bedeutung gewonnen, obwohl sie noch längst nicht allgemein verbreitet sind. Der Gegensatz zwischen dem hohen Bekanntheitsgrad und der vergleichsweise geringen Verbreitung bietet eine weitere Perspektive auf die Entwicklung der Branche.
Laut der ADAN-Ipsos-Umfrage 2026 besaßen etwa 11 % der Erwachsenen in Frankreich Kryptowerte. Der Anteil blieb gegenüber der vorherigen Erhebung weitgehend stabil. Der Bekanntheitsgrad lag mit 93 % der Befragten, denen Kryptowährungen vertraut waren, deutlich höher. Digitale Vermögenswerte sind in Frankreich weithin bekannt, auch unter Menschen, die noch nie in sie investiert haben.
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Frankreich liegt dennoch hinter einigen europäischen Nachbarländern zurück. Dieselbe Umfrage ergab, dass 17 % der Menschen in Deutschland und 20 % der Menschen in den Niederlanden Kryptowährungen besaßen. Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass Bekanntheit allein nicht ausreicht, um die Verbreitung voranzutreiben. Auch Anlagepräferenzen, finanzielle Verhältnisse und der Zugang zu geeigneten Produkten könnten beeinflussen, ob Menschen Kryptowährungen kaufen.
Für französische Finanzunternehmen ergibt sich daraus ein interessanter Gegensatz. Während der Anteil der Verbraucher mit Kryptowährungen relativ stabil bleibt, entwickeln Unternehmen zunehmend anspruchsvolle Dienstleistungen für digitale Vermögenswerte. Die künftige Expansion hängt daher möglicherweise nicht nur davon ab, mehr Privatanleger zu gewinnen, sondern auch davon, ob blockchainbasierte Zahlungen, Anlagefonds und andere Finanzprodukte Kunden außerhalb des traditionellen Kryptomarkts erreichen können.
Frankreich will seine Rolle auf Europas Markt für digitale Finanzen ausbauen, und die jüngsten Regulierungsvorschläge könnten dabei helfen. Klarere Regeln könnten Unternehmen dazu bewegen, neue Zahlungs- und Anlagedienstleistungen zu entwickeln. Strengere Anforderungen könnten jedoch auch die Kosten erhöhen, insbesondere für kleinere Unternehmen.
Regulierung allein garantiert jedoch keinen Erfolg. Tokenisierte Anlagefonds, Blockchain-Zahlungen und andere Finanzprodukte müssen Vorteile gegenüber bestehenden Dienstleistungen bieten, etwa niedrigere Kosten, schnellere Transaktionen oder ein einfacheres Liquiditätsmanagement. Außerdem müssen sie reibungslos mit den Bankensystemen zusammenarbeiten, die Unternehmen bereits nutzen.
Frankreich steht zudem im Wettbewerb mit anderen europäischen Ländern, die Kryptounternehmen und Investitionen anziehen wollen. MiCA bietet einen gemeinsamen Regulierungsrahmen, doch Unternehmen werden ihren Standort weiterhin danach wählen, wie gut sie Zugang zu Finanzierung, Fachkräften, Bankdienstleistungen und Kunden haben.
Frankreich verfügt bereits über eine etablierte Digital-Asset-Branche und eine zunehmende Beteiligung großer Finanzinstitute. Nun kommt es darauf an, ob das Land diese Vorteile und seinen Einfluss auf die europäische Regulierung in nachhaltiges Geschäftswachstum umsetzen kann.